«Unsere Marke ist weiterhin stark»

Daniel Durrer, Leiter Vertrieb Schweiz & Liechtenstein, GAM Investments (Bild: GAM / AMAS)
Daniel Durrer, Leiter Vertrieb Schweiz & Liechtenstein, GAM Investments (Bild: GAM / AMAS)

Daniel Durrer ist Head of Switzerland Distribution bei GAM Investments und verantwortet die Betreuung institutioneller Kunden und Vertriebspartner in der Schweiz und Liechtenstein. Im Interview spricht er über den Turnaround und, damit verbunden, auch die neue Ausrichtung des Schweizer Asset Managers.

01.09.2026, 17:01 Uhr
Asset Management | Interviews

Redaktion: asc

GAM befindet sich weiterhin in einer Phase des Umbruchs, geprägt von Auseinandersetzungen unter den Aktionären. Inwieweit wirken sich diese Turbulenzen auf die operative Erholung, das Vertrauen der Kunden und den Zufluss neuer Netto-Mittel aus?

Wir verzeichnen echte Fortschritte, doch die Trendwende ist noch nicht abgeschlossen. Unsere Ergebnisse für das erste Halbjahr zeigen, dass die in den vergangenen zwei Jahren ergriffenen strategischen Massnahmen zu besseren Geschäftsergebnissen und einer stärkeren finanziellen Performance geführt haben. Unsere Bruttozuflüsse liegen bei fast CHF 1 Milliarde . Ohne Berücksichtigung einer Mandatsliquidation eines langjährigen Kunden, der sich nach einer Fusion in einer Umstrukturierung befindet, sind die zugrunde liegenden Nettomittelzuflüsse positiv. Auch die verwalteten Vermögen sind gestiegen, unsere Anlageperformance bleibt stark und der Verlust konnte deutlich reduziert werden. Wir konzentrieren uns weiterhin auf unsere Prioritäten: die Erzielung einer starken Anlageperformance für unsere Kunden, das Wachstum des verwalteten Vermögens durch einen konsequenten Vertrieb, die weitere Verbesserung der operativen Exzellenz und die Aufrechterhaltung einer strengen Kostendisziplin. Mit der Unterstützung der Familienholding NJJ von Xavier Niel, einem starken langfristig orientierten Investor, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir bestens gerüstet sind, um die zukünftigen Herausforderungen der Branche zu meistern.

GAM konzentriert sich nun zunehmend auf ein Plattformmodell, das die eigene Anlageexpertise mit jener externer Spezialisten verbindet. Inwiefern unterscheidet sich dieses Modell von einer traditionellen Multi-Boutique-Plattform – und welchen Mehrwert bietet es den Kunden?

In schwierigen markt- und geopolitischen Zeiten suchen Kunden händeringend nach flexiblen Anlagelösungen und Zugang zu erstklassigen Investmenttalenten mit einem ausgewiesenen Track Record sowie langjähriger Erfahrung über unterschiedlichste Marktzyklen hinweg. Seit 1983 war und ist dies der Kern unserer DNA. Daher ist GAM heute eine agile Anlageplattform mit einer robusten Daten-, Technologie- und Governance-Architektur. Dies ist die richtige Ausgangsbasis für einen Boutique-Manager. Wir arbeiten mit herausragenden Investmentexperten zusammen, die entweder als Portfoliomanager zu GAM stossen oder ihre Strategien im Rahmen delegierter Mandate auf unserer Plattform verwalten. Dabei profitieren sie von unserem globalen Vertrieb, unserer operativen Infrastruktur, unserem Risikomanagement sowie unserer regulatorischen und technologischen Expertise. Unsere Kunden erhalten dadurch Zugang zu hochspezialisierten Anlagestrategien und führenden Investmenttalenten, ohne auf eine einzelne Investmentphilosophie oder Hausmeinung beschränkt zu sein. Diese Offenheit ermöglicht es uns, für jede Anlageklasse und jedes Marktsegment die jeweils besten Spezialisten auszuwählen und innovative, differenzierte Anlagelösungen bereitzustellen.

Die Schweiz ist der Heimatmarkt von GAM, doch die Marke hat hier in den letzten Jahren an Ansehen verloren. Wofür steht GAM heute bei Schweizer Anlegern – und wie wollen Sie die Marke neu positionieren?

Unsere Marke ist weiterhin stark, weil sie für den Zugang zu herausragenden Investmenttalenten und die Fähigkeit steht, langfristig überzeugende Anlageergebnisse zu erzielen. GAM ist Vorreiter für aktives Management, Fachkompetenz und den Zugang zu herausragenden Investmenttalenten. Wir verfügen über gut vernetzte, lokale Anlageteams in der Schweiz und bieten gleichzeitig Zugang zu führenden Managern aus aller Welt. Unser Ziel ist es, die engen Beziehungen zu unseren Kunden weiter aufzubauen – durch beständige Anlageperformance, Innovation und exzellenten Service.

Alternative Anlagen werden zu einem Kernelement der neuen Strategie von GAM. In welchen Bereichen verfügt GAM über echte Alleinstellungsmerkmale?

Unsere Stärke liegt darin, spezialisierte Manager mit nachgewiesener Expertise zu identifizieren und ihnen die notwendige Freiheit bei der Umsetzung ihres Anlageprozesses zu gewähren. Wir verfügen über Kompetenzen in den Bereichen Hedgefonds, Insurance-Linked Securities, Private Markets und Commodities, ergänzt durch unsere traditionellen liquiden Strategien. Diese Kombination ermöglicht es uns, kundenorientierte, differenzierte Renditequellen anzubieten, die viele grössere und stärker standardisierte Asset Manager nicht offerieren können.

Private Markets entwickeln sich zunehmend von einer Nischenanlage zu einem integralen Bestandteil breiterer Portfolios. Welche Rolle beabsichtigt GAM in diesem Markt zu spielen?

Wir verstehen uns als Türöffner zu spezialisierten Anlagemöglichkeiten in Private Markets, die von erstklassigen Anlageteams verwaltet werden. Anstatt zu versuchen, jedes Segment selbst abzudecken, konzentrieren wir uns darauf, Partnerschaften mit herausragenden Managern einzugehen und diese Strategien über die globale Plattform von GAM zugänglich zu machen. So bieten wir unseren Kunden beispielsweise gemeinsam mit Liberty Street Advisors Zugang zu Investitionen in Unternehmen in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen wie seinerzeit SpaceX vor dessen Börsengang oder Kraken.

Private-Markets-Anlagen stellen hohe Anforderungen an Anleger, und es besteht nach wie vor Aufklärungsbedarf bei Anlageausschüssen, Beratern und Kunden. Worauf sollte der Fokus liegen: auf Illiquidität, Bewertung, Gebühren oder Portfoliozusammenstellung?

Alle diese Themen sind relevant. Im Mittelpunkt sollte jedoch die Portfoliokonstruktion stehen – insbesondere die Frage »Welche Rolle und welchen Mehrwert soll eine Private- Market-Allokation im Portfolio erfüllen?”. Anleger müssen verstehen, wie Private Markets die Anlagen in den öffentlichen Kapitalmärkten ergänzen können und welchen Beitrag sie im Hinblick auf Diversifikation, Renditepotenzial und langfristige Wertschöpfung leisten. Gleichzeitig gilt es, Aspekte wie Liquidität, Bewertungen und Gebühren im Kontext des Gesamtportfolios richtig einzuordnen. Die Aufklärung sollte darauf abzielen, realistische Erwartungen zu schaffen und sicherzustellen, dass Private-Market-Allokationen langfristig mit den Anlagezielen, dem Risikoprofil und den individuellen Rahmenbedingungen der Investoren im Einklang stehen.

GAM hat eine überdurchschnittliche relative Anlageperformance erzielt. Dennoch ist das verwaltete Vermögen in letzter Zeit weiter gesunken. Wie lässt sich eine starke Performance besser in Nettoneugeld umsetzen?

Performance ist eine Grundvoraussetzung, reicht allein jedoch selten aus. Um eine starke Wertentwicklung in Netto-Neugeld umzuwandeln, sind das Vertrauen der Kunden, passende Anlagelösungen und ein konsequentes Engagement erforderlich – insbesondere nach einer Phase bedeutender Veränderungen. Wir haben die vergangenen Jahre genutzt, GAM neu auszurichten und in eine schlankere, agilere und skalierbarere Anlageplattform umzugestalten. Das war für GAM notwendig, spiegelt aber auch Veränderungen wider, die wir branchenweit in der Vermögensverwaltungsbranche beobachten.

Wir mussten diesen Wandel früher vollziehen als viele unserer Mitbewerber, und wir sind überzeugt, dass wir dadurch gestärkt daraus hervorgegangen sind – mit stärkeren Anlagekompetenzen, engeren Partnerschaften und einem überzeugenderen Angebot an differenzierten Strategien. Diese Arbeit stärkt unsere Position weiterhin zunehmend. In jeder Region verfügen wir über engagierte, gut vernetzte Kundenberater, die ein wachsendes Interesse seitens der Kunden verzeichnen, insbesondere an unserer Expertise im Bereich alternativer Anlagen. Auch dank unserer starken Anlageperformance und unseres insgesamt überzeugenden Angebots gewinnen wir dieses Kundenvertrauen stetig zurück. Die Aufgabe besteht nun darin, dies in nachhaltige Nettomittelzuflüsse umzuwandeln. Wir sind überzeugt, dass dank des Engagements und der Leidenschaft unserer Mitarbeiter die Grundlagen dafür fest verankert sind.

Sie sind 2024 zu GAM zurückgekehrt und haben Ihr Vertrauen in die neue Führung, die Strategie und die Produktpipeline als Gründe für diesen Schritt genannt. Haben Sie diese Rückkehr angesichts der anhaltenden Herausforderungen jemals bereut?

Nein. Ich bin zurückgekehrt, weil ich an das langfristige Potenzial von GAM glaube, und an dieser Überzeugung hat sich nichts geändert. Wir verfügen über eine klare Strategie, eine unternehmerische Kultur, starke Investmenttalente, festere Partnerschaften und einen Mehrheitsaktionär mit langfristigem Horizont. Diese Kombination ist selten. Die Herausforderungen waren real, aber ebenso real sind die Fortschritte. Besonders ermutigend ist die Qualität der Gespräche, die wir derzeit mit unseren Kunden führen, sowie das grosse Interesse daran, wie sich das Geschäft entwickelt, insbesondere im Bereich der alternativen Anlagen und der Diversifizierung. Der Aufbau eines Unternehmens braucht Zeit, und Veränderungen verlaufen selten linear, doch GAM ist heute ein stärkeres Unternehmen als bei meiner Rückkehr im Jahr 2024 und besser für die Zukunft gerüstet.

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