SpaceX-Börsengang: Kommt die bittere Pille für Privatanleger?

SpaceX-IPO: Was sind die Risiken und Nebenwirkungen für Anleger? (Montage: IT mithilfe Artlist/Nano Banana)
SpaceX-IPO: Was sind die Risiken und Nebenwirkungen für Anleger? (Montage: IT mithilfe Artlist/Nano Banana)

SpaceX steht vor dem nach Volumen grössten Börsengang der Geschichte. Der erste Handelstag ist für den 12. Juni geplant. Der Börsengang ist ungewöhnlich und hat Kontroversen ausgelöst. Im Vorfeld hatten sich viele Anleger mit SPV-Anteilen eingedeckt.

01.06.2026, 08:18 Uhr
Asset Management | Banken | Finanzplätze

Redaktion: asc

Zunächst sprechen wir von den Zahlen, die im wahrsten Sinn astronomisch sind: Die kolportierte Bewertungsspanne des Unternehmens liegt bei 1,75 bis 2 Billionen US-Dollar, das Emissionsvolumen bei 40 bis 80 Milliarden US-Dollar – weit über dem bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2020. Berichte gehen von einer Platzierung von rund 75 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 1.75 Billionen US-Dollar aus, was etwa dem 109- bis 116-Fachen des Umsatzes der letzten zwölf Monate entspricht. Eine fixe Preisspanne steht noch aus: Die Preisfelder auf der Titelseite des S-1 sind leer – die Spanne wird während der Roadshow Anfang Juni anhand der institutionellen Nachfrage festgelegt. Zur Einordnung: Der jüngste Ankerpunkt ist das Tender-Offer vom Dezember 2025 zu rund 421 US-Dollar je Aktie, was damals eine Bewertung von etwa 800 Milliarden US-Dollar implizierte; am 4. Mai 2026 vollzog SpaceX einen Aktiensplit im Verhältnis 5:1.

Es sind die Banken, die am IPO eine zentrale Rolle spielen: Goldman Sachs übernimmt die Position «lead left», gefolgt von Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JP Morgan. Zusätzlich zu den fünf führenden Häusern sind rund 16 weitere Banken im Konsortium – also gut 20 Banken insgesamt (Ihr Entwurf nannte 23; die Berichtslage spricht eher von rund 21). Für das Konsortium winken Gebühren von annähernd einer Milliarde US-Dollar, wobei Goldman Sachs laut CNBC als Lead-Left-Bank den grössten Anteil vereinnahmen dürfte. Die Roadshow soll schon diese Woche starten, das Pricing ist für den 11. Juni, der Handelsstart an der Nasdaq am 12. Juni 2026.

Zu den langjährigen Grossinvestoren, die mit dem IPO Buchgewinne realisieren dürften, zählen Venture-Fonds wie Founders Fund, Sequoia, a16z und Thrive Capital, grosse Asset Manager wie Fidelity, T. Rowe Price und Baillie Gifford sowie strategische Investoren. Google etwa hält rund 7 Prozent an SpaceX. SpaceX bricht jedoch mit der IPO-Tradition: Bis zu 30 Prozent der Aktien sollen an Privatanleger gehen – weit über der traditionellen Quote von 5 bis 10 Prozent. Wer auf Mitsprache hofft, wird allerdings enttäuscht: Elon Musk behält über eine Super-Voting-Aktienklasse 85.1 Prozent der Stimmrechte, weshalb SPCX-Aktionäre faktisch kaum Einfluss auf die Governance haben.

Welche Rolle spielen Special Purpose Vehicles (SPVs)

Viele Privatanleger haben sich bereits vor dem Börsengang ein vermeintliches «Exposure» zu SpaceX gekauft – über sogenannte Special Purpose Vehicles (SPVs). Das sind Vehikel, die Kapital mehrerer Parteien bündeln, um einen einzelnen Vermögenswert zu halten; teils entstehen ganze Ketten gestapelter SPVs, von denen jede Ebene eigene Gebühren verlangt.

Laut einem kritischen Artikel von Forbes, der die Auswirkung des Börsengangs auf die SPVs untersucht, hält allein Valor Equity Partners des Milliardärs Antonio Gracias über Single-Investment-Vehikel geschätzt 30 Milliarden US-Dollar an SpaceX-Anteilen. Daneben existiert ein breiter Sekundärmarkt: SpaceX-Anteile sind vor dem IPO nur für akkreditierte Investoren über Plattformen wie Forge Global, Hiive, EquityZen und Nasdaq Private Market zugänglich; die Liquidität ist dünn, die Gebühren können erheblich sein, und das Unternehmen behält bei den meisten Transaktionen ein Vorkaufsrecht.

Das zentrale Risiko aus Forbes' Sicht: Wer über ein SPV investiert, weiss oft nicht, wer die zugrunde liegenden Aktien tatsächlich besitzt. Matt Grimm, Mitgründer des Drohnenherstellers Anduril, warnt im selben Artikel, viele Investoren glaubten, einen SpaceX-Anteil zu besitzen, während sie in Wahrheit andere Zwischenstrukturen finanzierten. Hinzu kommen Transferbeschränkungen, gestapelte Gebühren (das in der VC-Welt übliche «2 und 20» plus Vorabgebühren von teils bis zu 18 Prozent) sowie bereits erste Betrugs- und Gerichtsfälle.

Besonders relevant für Ihre Anlegerperspektive: SpaceX hat laut Forbes im Vorfeld des Juni-IPO begonnen, SPV-Investoren von dem Cap-Table zu entfernen – darunter chinesisches Kapital, das über ein Delaware-SPV der Tomales Bay Capital in das Unternehmen gelangt war. Damit wird der SpaceX-Börsengang laut Forbes zum ersten grossen Test für den gesamten SPV-Markt: Können Investoren in verschachtelten Vehikeln verkaufen und ihre Gewinne realisieren, gewinnt das Modell an Glaubwürdigkeit. Behalten Zwischenhändler hingegen einen Grossteil der Erträge ein oder folgen Klagen, dürfte der Ruf nach Regulierung lauter werden.

Die Bewertung steht derweil in scharfem Kontrast zur Ertragslage. Auch dies ist ein Umstand, der zu heftigen Kontroversen führt. 2025 erzielte SpaceX einen Umsatz von 18.7 Milliarden US-Dollar (plus 33 Prozent), bei einem GAAP-Nettoverlust von 4.9 Milliarden US-Dollar – obwohl das bereinigte EBITDA mit 6.6 Milliarden US-Dollar positiv war. Allein im ersten Quartal 2026 lag der Nettoverlust bei 4.28 Milliarden US-Dollar, der kumulierte Fehlbetrag bei 41.3 Milliarden US-Dollar. Haupttreiber: Die KI-Sparte (xAI) verbuchte 2025 Verluste von über 6 Milliarden US-Dollar und verbrannte im ersten Quartal 2026 weitere 2.5 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber steht Starlink als Ertragssäule: Mit 11.4 Milliarden US-Dollar steuerte die Sparte 61 Prozent des Gesamtumsatzes bei.

Was macht SpaceX eigentlich?

SpaceX wurde 2002 vom Unternehmer Elon Musk gegründet, zunächst mit dem Ziel, wiederverwendbare Raketen zu entwickeln, und ist heute zum wichtigsten Startpartner der NASA aufgestiegen. Das Unternehmen wickelt mehr als die Hälfte aller weltweiten orbitalen Starts ab. Den eigentlichen wirtschaftlichen Hebel bildet jedoch nicht das Raketengeschäft, sondern Starlink: das Satelliten-Internetgeschäft des Konzerns. Mittlerweile betreibt SpaceX rund 9'000 Starlink-Satelliten, und die Zahl der Abonnenten hat die Marke von 10 Millionen überschritten. Starlink ist damit der zentrale Umsatztreiber und – anders als die kapitalintensive Raketen- und KI-Sparte – das profitable Standbein des Konzerns: Die Konnektivitäts-Sparte erwirtschaftete im jüngsten Quartal einen Gewinn von 1.19 Milliarden US-Dollar. Erst dieser wiederkehrende Abo-Cashflow macht SpaceX für institutionelle Investoren als kapitalmarktfähiges Unternehmen interessant.

Im Zentrum steht durchgehend Elon Musk. Er ist nicht nur Gründer und CEO, sondern behält auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle. Für Anleger bedeutet das: Sie investieren in ein Konglomerat aus Raumfahrt, Satellitenkommunikation und künstlicher Intelligenz, dessen strategische Ausrichtung und Governance massgeblich von einer einzelnen Person bestimmt werden. Es ist also auch eine Wette auf Elon Musk. Und wie: Bei der hohen Bewertung preist der Markt eine nahezu fehlerfreie Umsetzung bei Starlink und die spätere Kommerzialisierung von Starship ein – ein hohes Erwartungsniveau, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.

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