02.11.2026, 07:29 Uhr
Schwerpunkt US-Zwischenwahlen (2/4) – Für den Gesamtmarkt dürfte die Wahl wenig entscheiden, für einzelne Anlageklassen und Branchen umso mehr. Der wichtigste Übertragungskanal ist der Anleihenmarkt: Ob neue...
Die heftige Sektorrotation im Oktober hat Swisscanto auf dem falschen Fuss erwischt. Der Asset Manager der Zürcher Kantonalbank baut das hohe Exposure in der KI-Lieferkette leicht ab und erhöht die Duration bei globalen Staatsanleihen. Nach den US-Midterms rechnet das Haus aber mit einer Gegenbewegung.
Der Oktober lief für Swisscanto nicht nach Plan. Anlegerinnen und Anleger flüchteten aus zyklischen in defensive Sektoren, was die Positionierung des Hauses belastete. Im Vormonat hatte Swisscanto das Übergewicht in Technologieaktien noch ausgebaut. Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Lösungen bei der Zürcher Kantonalbank, spricht im aktuellen Asset Allocation Update von einem «statistischen Ausreisser».
Fundamentale Gründe für die Rotation sieht er kaum. Die Technologiefirmen lieferten starkes Gewinnwachstum, und die Nutzung künstlicher Intelligenz nehme weiter zu. Wegen des enormen Finanzierungsbedarfs der KI-Investitionen verlangten die Kapitalmärkte aber höhere Risikoprämien. Angesichts der gestiegenen Unsicherheit reduziert Swisscanto deshalb das hohe Exposure in der KI-Lieferkette leicht und sichert das Portfolio mit globalen Staatsanleihen ab.
Bei den Staatsanleihen ist das Szenario von Swisscanto im Oktober eingetroffen. Das Haus hält die Sorgen über Staatsverschuldung und Inflation schon länger für übertrieben und Staatsanleihen auf dem aktuellen Renditeniveau für attraktiv. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist nun wieder unter 5 Prozent gefallen, und das trotz erneut steigender Ölpreise, höherer Inflationszahlen und guter Konjunkturdaten.
Die taktische Position in langlaufenden US-Staatsanleihen hat dadurch 6 Prozent Performance erzielt. Angesichts der ansehnlichen Realrenditen erhöht Swisscanto die Duration im Ausland erneut. Die Staatsanleihen dienen dabei ausdrücklich auch als Schutz gegen weitere Kursverluste bei Technologieaktien.
Wie bereits im Juli kam es im Oktober zu einer ausgeprägten Sektorrotation. KI-Titel wurden stark abgestraft, defensive Sektoren waren gefragt. Der Gesamtmarkt blieb zwar erstaunlich robust, unter der Oberfläche waren die Unterschiede aber massiv: Technologie verlor 7 Prozent, Energie legte 10 Prozent zu, Basiskonsum 8 Prozent.
Swisscanto erwartet nun eine Gegenbewegung, insbesondere bei den stark zurückgefallenen Schwellenländeraktien. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 9 seien diese sehr günstig und fundamental deutlich attraktiver als Schweizer Aktien. Die relative Performancedifferenz zwischen den beiden Märkten von 15 Prozent innerhalb von drei Wochen sei historisch ausserordentlich hoch und habe in der Vergangenheit zu starken Gegenbewegungen geführt.
Im Gegenzug reduziert Swisscanto das Übergewicht bei Aktien Welt. Der Druck durch straffere Finanzierungsbedingungen nehme zu.
Börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds gehören mit einem Minus von rund 4 Prozent zu den Verlierern des Jahres. Inzwischen sind die Bewertungen etwas zurückgekommen, zudem werden die saisonalen Effekte positiv. Swisscanto hat das Untergewicht deshalb bereits im Oktober geschlossen und erwartet trotz einzelner Kapitalerhöhungen steigende Kurse bis Jahresende.
Geschlossen wird dafür das Übergewicht bei den alternativen Anlagen. Da Swisscanto bei Aktien und Obligationen mehr Kurspotenzial sieht, dienen die Alternativen als Finanzierungsquelle.
Bei den Währungen bevorzugt Swisscanto weiterhin den australischen Dollar und Schwellenländerwährungen gegenüber Euro und US-Dollar. Mittelfristig erwartet das Haus einen schwächeren Dollar. Kurzfristig könnte das positive Momentum wegen der wiederhergestellten Unabhängigkeit der Fed und der starken US-Wirtschaft aber anhalten.
Beim Franken reduziert Swisscanto das Untergewicht. Die politischen Unruhen in Europa haben den Abwärtstrend gestoppt, der Franken ist wieder als sicherer Hafen gefragt und hat aufgewertet. Noch im Oktober hatte Swisscanto die Schweizer Währung wegen der hohen Zinsdifferenz zurückgestuft.
Swisscanto nimmt nach einem schwierigen Monat etwas Risiko vom Tisch, ohne die Grundüberzeugung aufzugeben. Das Haus glaubt weiterhin an das Gewinnwachstum im Technologiesektor und erwartet nach den US-Midterms eine Erholung, vor allem bei Schwellenländeraktien. Die Rolle des Bodyguards übernehmen nun langlaufende Staatsanleihen, finanziert aus den alternativen Anlagen.