12.01.2026, 07:50 Uhr
Pictet und SDX zeigen am Basler Fondsforum, wie Tokenisierung und Fraktionalisierung das Fondsgeschäft umkrempeln könnte – und warum der klassische Investmentfonds ausgedient haben könnte. Dabei geht es auch um...
Die Genfer Privatbankengruppe Pictet wagt sich auf neues Terrain: Über ihre Einheit Pictet Alternative Advisors (PAA) beteiligt sich das Traditionshaus an der Baselbieter Treuhandgesellschaft Tretor und will gemeinsam mit ihr eine landesweit tätige Gruppe für Buchhaltungs- und Beratungsdienstleistungen aufbauen. Das Angebot richtet sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen – ein Segment, das bislang von einer Vielzahl regionaler Anbieter bedient wird.
Der Schweizer Treuhandmarkt ist stark zersplittert. Zahlreiche lokale und regionale Firmen betreuen KMU in Buchhaltung, Steuerberatung, Revision und Rechtsberatung. Was diesen Anbietern an unternehmerischer Kultur und Kundennähe nicht fehlt, mangelt ihnen zunehmend an anderer Stelle: Digitalisierung, der Einsatz von künstlicher Intelligenz, die Rekrutierung von Fachkräften sowie steigende Anforderungen an Compliance und Qualitätssicherung setzen gerade kleinere Kanzleien unter Druck.
Genau hier setzt das neue Vorhaben an. Die geplante Gruppe soll als Plattform funktionieren, die zentrale Funktionen bündelt – von der Talententwicklung über IT und Digitalisierung bis hin zu Controlling und Qualitätsmanagement. Die angeschlossenen Partnerfirmen sollen dadurch entlastet werden und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können: die persönliche Beratung vor Ort. Weitere Partner, die sich mit den Werten Qualität, Nachhaltigkeit und lokale Kundenbindung identifizieren, sollen laufend hinzugestossen.
Für Pictet Alternative Advisors ist das Engagement Teil ihrer Strategie im Bereich Direct Private Equity, der auf Mehrheitsbeteiligungen an inhabergeführten Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial ausgerichtet ist. Nikolaus Hubmann, Leiter DACH Direct Private Equity bei PAA, spricht in der Mitteilung von einem Markt im strukturellen Wandel, der Herausforderungen, aber auch erhebliche Chancen biete. Man investiere bewusst langfristig und suche Unternehmerinnen und Unternehmer, die die Zukunft der Branche mitgestalten wollten.
Pictet verwaltet über alle Anlageklassen hinweg rund 757 Milliarden Franken und gehört damit zu den grössten unabhängigen Vermögensverwaltern Europas. Im Bereich Private Equity beläuft sich das verwaltete Vermögen allein auf 31 Milliarden Dollar. Die Erfahrung in diesem Segment reicht bis ins Jahr 1989 zurück.
Die Tretor mit Sitz in Liestal und einer Niederlassung in Basel bringt als Ausgangspunkt der Plattform über 30 Jahre Erfahrung und mehr als 50 Mitarbeitende mit. Das Unternehmen betreut KMU aller Branchen, Start-ups, medizinische Einrichtungen und öffentliche Organisationen in den Bereichen Buchhaltung, Revision, Steuerberatung, Unternehmensgründungen, Restrukturierungen und Nachfolgeplanung. Über ein internationales Netzwerk unterstützt Tretor auch grenzüberschreitende Mandate.
Managing Partner Adrian Schaller betonte, dass man mit Pictet einen Partner gefunden habe, der die Überzeugung teile, dass nachhaltige Entwicklung nur bei unternehmerischer Freiheit und langfristigem Denken möglich sei. Gemeinsam wolle man junge Talente fördern und die Betreuung der KMU-Kundschaft weiter verbessern.
Der Vorstoss von Pictet ist kein Einzelfall. In der Schweiz wie auch international zeichnet sich eine Konsolidierungswelle im Treuhand- und Buchhaltungssektor ab. Private-Equity-Gesellschaften erkennen in der fragmentierten Branche ein klassisches Buy-and-Build-Szenario: Eine Vielzahl kleiner, profitabler Firmen mit stabilen Kundenbeziehungen lässt sich zu grösseren Einheiten zusammenführen, die von Skaleneffekten bei Technologie, Compliance und Personalgewinnung profitieren.
Die zentrale Frage wird sein, ob sich das Versprechen einlösen lässt, unternehmerische Freiheit und lokale Verankerung zu bewahren und zugleich die Vorteile einer zentralisierten Plattform zu nutzen. Im Treuhandgeschäft, das wie kaum ein anderer Dienstleistungssektor von Vertrauen und persönlichen Beziehungen lebt, ist dieser Spagat alles andere als trivial.