09.09.2026, 09:28 Uhr
Der Boom rund um künstliche Intelligenz treibt nicht mehr nur die Aktienkurse, sondern zunehmend auch die Ausschüttungen an die Aktionäre. Das zeigt die neuste Ausgabe des «Dividend Watch» von Capital Group. Auch...
Globale Investment-Grade-Unternehmensanleihen bleiben trotz enger Kreditspreads attraktiv. Zu dieser Einschätzung kommt Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group. Ausschlaggebend seien vor allem die weiterhin hohen Renditeniveaus, robuste Fundamentaldaten und eine starke Nachfrage der Investoren.
Im zweiten Quartal erzielten globale Investment-Grade-Unternehmensanleihen, gemessen am Bloomberg Global Corporate Investment Grade Index in US-Dollar und währungsgesichert, eine Rendite von 1.8 Prozent. Gleichzeitig blieb die Emissionstätigkeit aussergewöhnlich hoch: Sowohl in den USA als auch in Europa kamen grosse Volumina neuer Unternehmensanleihen an den Markt. In den USA war der Juni sogar der bislang stärkste Monat für Investment-Grade-Neuemissionen. Die starke Nachfrage der Anleger konnte dieses zusätzliche Angebot jedoch weitgehend aufnehmen.
«Die Kreditspreads sind inzwischen wieder sehr eng. Das bedeutet aber nicht, dass Unternehmensanleihen unattraktiv geworden sind», schreibt dazu Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group, in einer Analyse. «Das aktuell hohe Ausgangsrenditeniveau schafft einen wichtigen Puffer gegen moderate Spreadausweitungen und bildet zugleich eine solide Grundlage für künftige Erträge.»
Ein wesentlicher Stützpfeiler des Marktes seien die weiterhin soliden Unternehmensbilanzen. «Die Kombination aus soliden Fundamentaldaten, niedrigen Ausfallerwartungen und attraktiven laufenden Erträgen sorgt für eine anhaltend robuste Nachfrage», so Becker. «Das zeigt sich besonders daran, wie problemlos der Markt bislang selbst sehr hohe Emissionsvolumina aufgenommen hat.»
Gleichzeitig hätten hohe Gesamtrenditen und die defensiveren Eigenschaften qualitativ hochwertiger Unternehmensanleihen zusätzliche Mittelzuflüsse in den Investment-Grade-Markt angezogen. Trotz der Befürchtung, dass das Rekordangebot zu steigenden Kreditspreads führen könnte, blieb die Nachfrage breit genug, um die Emissionen ohne grössere Verwerfungen zu absorbieren. Entsprechend bewegten sich die Spreads zum Quartalsende wieder in Richtung ihrer Mehrjahrestiefs.
Dabei verändere sich auch die Zusammensetzung des Angebots. «Das hohe Angebot ist nicht nur Ausdruck klassischer Refinanzierungsbedürfnisse», schreibt Becker weiter. «Auch Investitionen in KI, Infrastruktur sowie Unternehmensaktivitäten wie Fusionen und Übernahmen sorgen für zusätzlichen Finanzierungsbedarf. Entscheidend ist deshalb, ob die Nachfrage mit diesem Angebot Schritt halten kann. Bislang ist das der Fall.»
Angesichts der mittlerweile engen Kreditspreads rücke die laufende Rendite stärker in den Mittelpunkt. Die aktuell attraktiven Ausgangsrenditen könnten moderate Spreadausweitungen teilweise abfedern und zugleich eine solide Grundlage für künftige Gesamterträge bilden. Damit seien die Risiken jedoch nicht verschwunden. «Anleger sollten die engen Spreads nicht mit einem risikofreien Umfeld verwechseln», betont Becker. «Geopolitische Entwicklungen, Inflation und fiskalische Sorgen können jederzeit neue Volatilität auslösen. Der Vorteil des aktuellen Umfelds ist jedoch, dass höhere laufende Erträge einen Teil solcher Schwankungen auffangen können.»
Damit verschiebe sich auch die Quelle künftiger Erträge. Laut dem Experten von Capital Group werden laufende Erträge und eine sorgfältige Auswahl einzelner Anleihen zunehmend wichtiger. Denn während die Kreditspreads nur noch begrenzten zusätzlichen Spielraum bieten, sprechen gesunde Unternehmensfundamentaldaten, eine robuste Investorennachfrage und ein vergleichsweise niedriges Ausfallrisiko weiterhin für dieses Segment.
«Investment-Grade-Unternehmensanleihen sollten aus unserer Sicht weiterhin ein wichtiger Portfolioanker sein», resümiert Becker. «Sie verbinden attraktive laufende Erträge mit soliden Fundamentaldaten und Diversifikationspotenzial. Gerade in einem volatileren Umfeld, in dem Staatsanleihen als Portfolioanker aufgrund hoher Staatsschulden in Frage gestellt werden, ist diese Kombination wertvoll – vorausgesetzt, Anleger bleiben bei der Auswahl der einzelnen Anleihen selektiv.»