21.04.2026, 11:56 Uhr
Die Kreditprämien für Business Development Companies steigen, Anleger ziehen Milliardenbeträge ab und es gibt erstmals standardisierte Credit Default Swaps auf den Sektor. Eine US-Versicherungsaufsicht warnt zudem...
Washington finanziert Kriege traditionell über die Kapitalmärkte und die Federal Reserve. Doch mit einer Staatsverschuldung jenseits von 120 Prozent des BIP und Zinsausgaben, die die Militärausgaben bereits übersteigen, stösst dieses Modell erstmals seit Generationen an seine Grenzen. Dies zeigt eine Studie des Flossbach von Storch Research Institutes.
Die Rechnung, die das Pentagon dem Kongress präsentieren will, fällt happig aus: 200 Milliarden Dollar zusätzlich für den Krieg gegen den Iran. Allein die ersten sechs Tage der Operation kosteten laut offiziellen Schätzungen rund 11,3 Milliarden Dollar. Die Harvard-Ökonomin Linda Bilmes beziffert die laufenden Kosten auf bis zu zwei Milliarden Dollar pro Tag. Hinzu kommen reguläre Militärausgaben von knapp 1'000 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Dies zeigt eine Studie des Flossbach von Storch Research Institutes.
Teurer als jeder Krieg zuvor ist für Washington jedoch nicht die Waffe, sondern der Zins. Die US-Staatsverschuldung beläuft sich auf rund 39 Billionen Dollar, ungefähr 125 Prozent der Wirtschaftsleistung – ein historisches Rekordniveau. Die Zinsausgaben erreichten 2025 rund 1,2 Billionen Dollar und lagen damit erstmals seit Jahrzehnten dauerhaft über den Militärausgaben.
Der Historiker Niall Ferguson hat diesen Punkt 2025 als «Fergusons Gesetz» formuliert: Grossmächte stossen an eine kritische fiskalische Grenze, sobald ihre Zinslasten die Rüstungsbudgets übersteigen. Ihre Fähigkeit zur geopolitischen Projektion nimmt dann strukturell ab. Die USA haben diese Schwelle bereits überschritten – und zwar nicht nach einem grossen Krieg, wie es nach dem Bürgerkrieg oder dem Ersten Weltkrieg der Fall war, sondern mitten im Friedensmodus und vor dem Eintritt in den Irankonflikt.
Parallel dazu bröckelt der Weltleitwährungsstatus des Dollars. Für ein Schuldnerland, das sich seit Jahrzehnten auf die globale Nachfrage nach Treasuries verlässt, ist das eine toxische Kombination, so die Studienautoren Gunther Schnabl und Tom Bugdalle.
Die historische Betrachtung zeigt, wie eng Kriegsführung und Finanzmarktinfrastruktur in den USA miteinander verflochten sind. Im Unabhängigkeitskrieg scheiterte das ungedeckte Papiergeld der «Continentals» am Vertrauensverlust; entscheidend wurden Kredite aus Frankreich und den Niederlanden. Alexander Hamilton legte als erster Finanzminister mit der Übernahme aller Kriegsschulden durch den Bund (Assumption Plan), der Einführung von Zöllen und Verbrauchssteuern sowie der Gründung der First Bank of the United States 1791 das Fundament für die Kreditwürdigkeit der jungen Republik.
Der Bürgerkrieg (1861–1865) markiert den nächsten Entwicklungssprung. Die Union finanzierte ihre auf rund 10 Prozent des BIP explodierenden Militärausgaben mit einer Mischung aus Steuern, Kriegsanleihen zu 5 bis 6 Prozent Zins sowie den nicht goldgedeckten «Greenbacks». Der National Banking Act von 1863 zwang die Banken zur Hinterlegung einheitlicher Banknoten mit Bundesanleihen – ein Mechanismus, der die Konföderation, die sich mit «Greybacks» zu 7 bis 8 Prozent Zins und rascher Hyperinflation verschuldete, finanziell demoralisierte. Die Kriegsschulden der Südstaaten wurden am Ende schlicht annulliert.
Im Ersten Weltkrieg trat ab 1913 die neugegründete Federal Reserve auf den Plan. Sie hielt die Zinsen tief und schuf damit Anreize für Banken, Unternehmen und Haushalte, die Liberty Bonds zu zeichnen. Bei Kriegsende hielt der private Sektor Kriegsanleihen im Gegenwert von rund 30 Prozent des BIP. Im Zweiten Weltkrieg verlor die Fed ihre Unabhängigkeit vollständig und finanzierte über den Kauf von Staatsanleihen direkt das Kriegsbudget – erst der Treasury-Fed-Accord von 1951 stellte die geldpolitische Handlungsfähigkeit wieder her.
Das entscheidende strukturelle Fundament für die Kriegsfinanzierung der Nachkriegszeit war das Bretton-Woods-System. Mit dem Dollar im Zentrum der Weltwährungsordnung konnten die USA die Militärausgaben des Kalten Krieges, des Korea- und des Vietnamkrieges auf hohem Niveau halten, ohne die Schuldenquote dramatisch steigen zu lassen. Die Partnerländer finanzierten über den Kauf von Treasuries mit – ein Mechanismus, den Washington als «burden sharing» und der französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing als «exorbitantes Privileg» bezeichnete.
Der Ökonom Ronald McKinnon beschrieb 2013, wie dieses Privileg auch nach dem Ende von Bretton Woods ausserhalb Europas fortbestand, weil es keine Alternativen zu den Dollarbindungen gab. Dieser informelle Dollarstandard erlaubte den USA nach der Jahrtausendwende die Finanzierung der Kriege im Irak und in Afghanistan, die expansiven fiskalischen Antworten auf die Finanzkrise 2007–2009 sowie wachsende Sozialausgaben – stets begleitet von tiefen bis negativen Realzinsen auf Treasuries.
Seit 2022 hat sich dieses Umfeld grundlegend verändert. Hoher Inflationsdruck zwang die Fed zu deutlichen Zinserhöhungen, die Renditen auf US-Staatsanleihen stiegen markant an. Die Zinslast auf das historische Schuldengebirge explodierte entsprechend.
Hinzu kommt ein Vertrauensproblem: Die wiederholte Entwertung von Treasuries durch finanzielle Repression und Dollarschwäche hat zentrale Halterländer wie China und Russland dazu bewogen, ihre Positionen zu reduzieren. Mit dem Bitcoin ist nach Ansicht des Leipziger Ökonomen Gunther Schnabl erstmals eine glaubwürdige nichtstaatliche Alternative als internationales Wertaufbewahrungsmittel entstanden. US-Finanzminister Scott Bessent hat 2025 zudem offen auf die negativen Wachstums- und Verteilungseffekte einer dauerhaft expansiven Geldpolitik hingewiesen.
Die historische Rekonstruktion zeigt eine bemerkenswerte Konstante: Seit dem Unabhängigkeitskrieg wussten die politischen Entscheidungsträger in Washington die Finanzmärkte und – seit 1913 – die Zentralbank für die Kriegsfinanzierung zu mobilisieren. Mit Ausnahme der Konföderation kam es nie zu einem direkten Zahlungsausfall oder einer Hyperinflation.
Heute jedoch treffen die USA an einem Punkt auf den Iran, an dem sie die kritische fiskalische Schwelle nicht erst durch den Krieg, sondern bereits vor dem Krieg überschritten haben. Die Kombination aus Rekordverschuldung, hohen Realzinsen, einem schwächeren Weltleitwährungsstatus und dem fehlenden Disziplineffekt einer starken Finanzmarktfundierung der Treasuries schränkt den Spielraum massiv ein.
Ein längerer, kostenintensiver Konflikt würde die Zinslasten weiter potenzieren – in einer Konstellation, in der die Fed im Unterschied zu den 1940er- oder 1960er-Jahren weder zu einer ungebremsten Monetarisierung der Schulden gezwungen werden kann, noch ein funktionierendes Bretton-Woods-Äquivalent die Last auf Partnerländer verteilt. Aus Sicht der historischen Analyse erscheint ein langer Irankrieg deshalb nicht in erster Linie als militärische, sondern als fiskalische Unmöglichkeit.