Schweizer Asset Manager verlieren an Bedeutung

Die grössten Schweizer Asset Manager haben in den vergangenen zehn Jahren im internationalen institutionellen Geschäft markant Federn gelassen. Ihr Anteil an den global verwalteten institutionellen Vermögen sank von rund 10 auf unter 5%. Gemäss Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA zeichnet sich jedoch eine Stabilisierung ab.

15.11.2013, 10:00 Uhr

Redaktion: ras

Die grössten 500 Vermögensverwalter der Welt verwalteten Ende 2012 insgesamt 68 Billionen US-Dollar an institutionellen Geldern. Dies ist ein Plus von 8,2%. Absolut grösster Asset Manager per Ende 2012 ist und bleibt der US-Anbieter BlackRock mit einem verwalteten Vermögen von 3‘792 Mrd. US-Dollar, gefolgt von der deutschen Allianz-Gruppe mit 2‘448 Mrd. Dollar. Die dritte Stelle erkämpfte sich die US-Gruppe Vanguard (2‘215 Mrd. $), welche State Street Global (2‘086 Mrd. $) überholt hat. Dies zeigt die gerade veröffentlichte Liste der grössten Asset Manager der Welt von Tower Watson per Ende 2012.

US-Firmen dominieren

Dominierend in der Vermögensverwaltungsbranche sind nach wie vor die US-Firmen. In den Top 20 stammen allein 12 Firmen aus den USA. Sie managen 64,2% der Top 20, währenddem es die europäischen Asset Manager lediglich auf den Rest, 35,8%, bringen. Europa ist in den Top 20 mit 8 Unternehmen vertreten. Deutschland stellt neben der Allianz-Gruppe noch die Deutsche Bank. Frankreich ist mit der Axa-Gruppe, BNP Paribas, Amundi Asset Management sowie Natixis vertreten. Grossbritannien ist lediglich mit HSBC Holdings in den Top 20 präsent und die Schweiz mit UBS. Die japanischen Asset Manager, die vor zehn Jahren noch als zweitwichtigste Branchenmitglieder nach den US-Firmen galten, spielen mit keiner Firma mehr in den Top 20. Ihr Anteil an den weltweit verwalteten Vermögen ist gemäss den Tower Watson-Daten markant unter 10% gefallen.

Doch noch auffälliger ist der Bedeutungsverlust der grössten Schweizer Vermögensverwalter. Ihr Anteil an den global verwalteten institutionellen Assets von 68 Bio. $ ist von rund 10% auf weniger als 5% gefallen (siehe Präsentation von Tower Watson Seite 9). 2002 figurierten die Eidgenossen noch hinter USA und Japan auf Rang drei der weltweit gewichtigsten Asset Manager. Inzwischen wurde das Land von Deutschland, Frankreich sowie Grossbritannien überholt und muss sich mit Platz sechs zufrieden geben.

Diese Entwicklung ist gemäss Markus Fuchs, Geschäftsführer von Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA, auf verschiedene Effekte zurückzuführen: „Nach der Finanzkrise haben vor allem die grossen Schweizer Institute mit Asset Management Einheiten im Ausland unter Abflüssen gelitten. Viele Kunden haben ihre Konti saldiert, was zwangsläufig Auswirkungen auf die Asset Management-Abteilungen hatte. Extrem waren die Abflüsse insbesondere im Bereich der Funds of Hedge-Funds, die in der Schweiz sehr verbreitet sind. Schwierigkeiten im Private Banking – unter anderem im Sog des Madoff-Betrugs – hatten zudem Spillover-Effekte im Asset Management zur Folge“, erklärt er gegenüber Fondstrends. Statistischen Einfluss auf die Tower Watson-Daten hatten ferner Übernahmen einzelner Asset Management Bereiche von Schweizer Instituten durch ausländische Firmen. So akquirierte zum Beispiel BlackRock das ETF-Geschäft der Credit Suisse und das Private Equity-Geschäft von SwissRe. „Inzwischen sollten die Hausaufgaben jedoch gemacht worden sein“, betont Fuchs, so dass sich die internationale Stellung der Schweizer Häuser im institutionellen Geschäft stabilisieren sollte.

Schweiz ist und bleibt ein internationaler Safe Haven

Die Daten von Tower Watson kontrastieren stark mit den von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in der Schweiz erfassten verwalteten Vermögen. Gemäss SNB sind die Wertpapierbestände bei Banken in der Schweiz von Ende 2002 bis 2012 um 58% gestiegen, von 2‘851 Mrd. auf 4‘515 Mrd. Franken. Die in dieser Zahl enthaltenen Assets der institutionellen Anleger kletterten sogar um 139%, nämlich von 1‘344 Mrd. auf 3‘212 Mrd. Franken. Dabei verzeichneten die ausländischen institutionellen Anleger ein überdurchschnittliches Wachstum: Ihre Wertpapierbestände bei Instituten in der Schweiz, die von der SNB erfasst werden, nahmen von 706 Mrd. auf 1‘737 Mrd. Franken zu, ein Plus von 146%.

Lässt dies den Schluss zu, dass die ausländischen Asset Manager in der Schweiz markant an Bedeutung gewonnen haben? Doch gemäss Fuchs sind die Tower Watson-Zahlen nur bedingt mit den Daten der Schweizerischen Nationalbank vergleichbar. Demnach erfasst diese Studie lediglich das institutionelle Asset Management und bezieht sich auf Vermögensverwaltungsmandate sowie Fonds. Ausserdem basieren die Daten auf Bruttozahlen, sind also unbereinigt von Währungs- und Performanceeffekten.

Den Schluss zu ziehen, dass die ausländischen Vermögensverwalter in der Schweiz an Einfluss gewinnen, ist seiner Meinung nach nicht korrekt. „Die Wertpapierbestände in der Schweiz steigen tatsächlich. Jedoch nicht, weil die ausländischen Asset Manager in der Schweiz an Boden gut gemacht haben, sondern weil nach wie vor viele private und institutionelle ausländische Kunden ihre Gelder aus Sicherheitsüberlegungen in der Schweiz gebucht haben möchten“, unterstreicht er.

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