Risikokapital: Schweizer Startups sammeln im ersten Halbjahr CHF 1'245.03 Millionen ein – Hardware-Sektor auf Rekordkurs

Zum Halbjahr 2026 zeigt sich, dass die Zahl der investierten Summe in Schweizer Startups zurückgegangen ist.
Zum Halbjahr 2026 zeigt sich, dass die Zahl der investierten Summe in Schweizer Startups zurückgegangen ist.

Der Swiss Venture Capital Report zeigt: Die in Schweizer Startups investierte Summe ist im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15.5 Prozent auf CHF 1'245.03 Millionen zurückgegangen. Die Zahl der Finanzierungsrunden blieb mit 123 praktisch stabil, nachdem sie in den Vorjahren rückläufig gewesen war.

14.07.2026, 08:10 Uhr

Redaktion: asc

Der Rückgang ist vor allem auf das Ausbleiben grosser Biotech-Investments zurückzuführen, die im Vorjahr für einen hohen Gesamtbetrag gesorgt hatten., schreiben die Autoren des Swiss Venture Capital Reports. In Biotech-Unternehmen flossen im ersten Halbjahr 2026 noch rund CHF 184 Millionen – ein Minus von über 70 Prozent. Und auch die Zahl der Runden in diesem Sektor halbierte sich. Auch grosse Finanzierungsrunden für KI-Startups, die diese Lücke hätten füllen können, blieben aus.

Gegenläufig entwickelte sich der Hardware-Sektor: Mit mehr als CHF 324 Millionen verzeichnete er das stärkste erste Halbjahr seiner Geschichte und übertraf den bisherigen Halbjahresrekord aus dem zweiten Halbjahr 2021 (rund CHF 200 Millionen) deutlich. Vier verschiedene Hardware-Unternehmen schafften es unter die zehn grössten Runden des Halbjahres. Auch Cleantech (plus 231 Prozent) und Healthcare-IT (plus 326 Prozent) legten dank einzelner grosser Investments deutlich zu.

Top 10: drei Runden über CHF 170 Millionen

Angeführt wird die Rangliste der grössten Finanzierungsrunden vom Zuger Energiespeicher-Unternehmen terralayr (CHF 178.3 Mio.), gefolgt vom Chiphersteller Kandou AI (CHF 176.98 Mio.) und dem Ernährungsberatungs-Scale-up Oviva (CHF 173.65 Mio.). Auf den weiteren Plätzen folgen Windward Bio (CHF 131 Mio.), BLP Digital (CHF 39.3 Mio.), Polares Medical (CHF 39 Mio.), PAVE Space (CHF 31.66 Mio.), Centiel (CHF 30 Mio.), Nuclidium (CHF 26 Mio.) und SWISSto12 (CHF 25.2 Mio.). Im Unterschied zum Vorjahr dominieren in der Top 10 reifere, teils bereits umsatzstarke Unternehmen – ein Zeichen für die zunehmende Reife des Schweizer Startup-Ökosystems, aber auch dafür, dass grosse Rundenabschlüsse anspruchsvoll bleiben und Investoren selektiv vorgehen.

Kanton Waadt überholt Zürich deutlich

Bei den Kantonen zeigt sich ein ungewohntes Bild: Mit über CHF 330 Millionen liegt der Kanton Waadt beim investierten Kapital klar an der Spitze – ein Niveau, das an die Rekordjahre 2021 und 2022 erinnert. Grund dafür ist die Stärke im Hardware-Bereich: Drei der vier Hardware-Investments unter den Top 10 gingen an Waadtländer Startups. Es folgen Zug (CHF 236.7 Mio.), Schwyz (CHF 181.5 Mio.), Basel-Stadt (CHF 173.4 Mio.) und Zürich (CHF 155.8 Mio.). Der Kanton Zürich verzeichnet damit den tiefsten Wert seit 2018, bedingt durch fehlende grosse Biotech-Deals und stagnierende ICT-Finanzierungen. Genf blieb mit CHF 53.6 Millionen gegenüber der Vorjahresperiode praktisch unverändert.

Seed-Runden legen zu, Later Stage bleibt Bremsklotz

Nach Finanzierungsphasen betrachtet, sanken die Early-Stage-Investments um 29.1 Prozent und die Later-Stage-Investments um 12.6 Prozent. Gegen den Trend stieg das in Seed-Runden investierte Kapital um 68.8 Prozent auf CHF 156 Millionen, bei praktisch unveränderter Rundenzahl – was zu einer historisch hohen medianen Rundengrösse von CHF 2.7 Millionen führte. Der Bericht sieht im anhaltenden Mangel an Later-Stage-Kapital weiterhin das grösste Hindernis für eine nachhaltige Erholung des Gesamtmarkts.

Frauen an der Spitze weiterhin selten

Der Anteil des Kapitals, das an Startups mit weiblicher CEO ging, lag im ersten Halbjahr 2026 bei rund 7 Prozent, der Anteil an den Finanzierungsrunden bei rund dem Doppelten. Unter den Top 10 fanden sich mit PAVE Space und Nuclidium zwei Unternehmen mit weiblicher CEO, keines davon unter den Top 5. Rein männlich geführte Managementteams vereinten weiterhin über 88 Prozent des investierten Kapitals und rund 79 Prozent der Finanzierungsrunden auf sich.

Mehr strategische Investitionen, Exits bleiben verhalten

Strategische Investitionen von Konzernen wie ENGIE, Johnson & Johnson und UBS nahmen deutlich zu: Mit 14 Transaktionen wurde doppelt so viel gezählt wie 2023 und 2024. Die Zahl der Exits blieb dagegen auf tiefem Niveau, wenn auch mit prominenteren Käufern wie Bruker, Zeiss und Hamilton Medical. Zwei Transaktionen stachen heraus: der Verkauf von LimmaTech Biologics an Lilly für bis zu CHF 613 Millionen (USD 780 Mio.) sowie die Übernahme des Zürcher Robotik-Startups RIVR durch Amazon, die dem Robotik-Standort Zürich internationale Aufmerksamkeit verschaffte.

Investoren optimistischer als vor Jahresfrist

Für den Report wurden rund 300 Schweizer Risikokapitalgeber befragt, 73 nahmen teil. Drei Viertel beurteilen das Geschäftsumfeld als «gut» bis «sehr gut». Das Fundraising-Klima hat sich verbessert: Der Anteil der nicht aktiv Kapital suchenden Manager sank auf 12 Prozent, während weniger Befragte das Fundraising als «schlecht» einstuften (6 Prozent gegenüber 11 Prozent im Vorjahr) und mehr es als «gut» bewerteten (31 gegenüber 22 Prozent). Fundraising bleibt aber weiterhin die grösste Herausforderung.

Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate zeigen sich die Investoren deutlich zuversichtlicher: 82 Prozent planen, mehr zu investieren als bisher, 90 Prozent erwarten mehr Investitionsmöglichkeiten, und 78 Prozent rechnen mit mehr Exit-Chancen – ein für Limited Partners entscheidender Faktor, da für erfolgreiches Fundraising ein nachweisbarer Track Record an tatsächlichen Ausschüttungen nötig ist. Zur Bewertungsentwicklung bei Schweizer KI-Startups zeigen sich die Fondsmanager gespalten: Zwei Drittel der Befragten sehen die gestiegenen Bewertungen im KI-Sektor mit einer gewissen Skepsis.

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