Regulierungsflut nicht immer im Anlegerinteresse

Fabrice Cuchet, Exekutivausschuss-Mitglied von Dexia AM und Global Head Alternative Asset Management
Fabrice Cuchet, Exekutivausschuss-Mitglied von Dexia AM und Global Head Alternative Asset Management

Die Anbieter von Alternativen Investments haben das Vertrauen der Anleger nur teilweise zurückgewonnen: Während die Regulierungsflut die wichtigsten Ziele noch nicht erreicht hat, konnte die relative Performance auf dem Niveau von drei bis vier Prozentpunkten stabil gehalten werden. Dies obwohl der risikolose Zinssatz stark gesunken ist. Dies sind die Haupterkenntnisse der 12. Alternative Investment-Konferenz von Dexia Asset Management, welche gestern in Zürich stattfand.

24.10.2012, 16:00 Uhr

Redaktion: sek


Die jüngste Finanzkrise hat gezeigt, dass der aufsichtsrechtliche Rahmen weiterentwickelt werden muss, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Deshalb trat Dexia AM 2009 für eine stärkere Regulierung und mehr Transparenz ein.

„Der Branche war bewusst, dass das Vertrauen nur mit einer strengeren Regulierung zurückzugewinnen ist“, erinnert sich Fabrice Cuchet, Exekutivausschuss-Mitglied von Dexia AM und Global Head Alternative Asset Management. „Ein guter Regulierungsrahmen muss flexibel sein, damit sich die Branche entwickeln kann und wettbewerbsfähig bleibt. Es darf aber auch nicht an Klarheit und Berechenbarkeit fehlen. Doch seit 2009 müssen sich alternative Manager mit einer wahren Regulierungsflut auseinandersetzen.“

Aus Sicht von Dexia AM wird diese Regulierungsflut den Anforderungen der Investoren nicht immer gerecht. Bisweilen sorgt sie sogar für weniger Transparenz und Stabilität. So ist zurzeit unklar, wofür ein Investmentberater und eine Depotbank genau verantwortlich sind. Auch die mangelnde internationale Zusammenarbeit wirkt destabilisierend.

„Die Transparenz und die Stabilität, die wir 2009 als wichtige Elemente eines guten Regulierungsrahmens forderten, haben sich leider nicht eingestellt“, meint Fabrice Cuchet. „Stattdessen gibt es in immer kürzeren Abständen neue Vorschriften. „In den vorangegangenen 25 Jahren waren die UCITS-Vorschriften nur drei Mal überarbeitet worden. Doch jetzt müssen wir uns in nur drei Jahren auf den Wechsel von UCITS III zu UCITS VI vorbereiten.“

Die immer anspruchsvolleren Regulierungsvorschriften sind eine grosse Herausforderung für das alternative Investieren. Zugleich sind sie aber auch eine Chance für Assetmanager, die besser auf sie vorbereitet sind als ihre Wettbewerber.

Relative Performance ist stabil geblieben
Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, ist auch eine stabile Performance nötig – eine weitere Herausforderung für alternative Manager. Seit 2008 indiziert der HFRI Fund of Funds Index, der die Leistung der Branche gut spiegelt, gesunkene Hedgefondserträge. Dennoch hat Dexia AM festgestellt, dass der Mehrertrag alternativer Investments gegenüber dem risikolosen Zins im Zeitablauf stabil geblieben ist. Seit 2002 betrug er jedes Jahr etwa drei bis vier Prozentpunkte. Der grosse Unterschied zwischen 2008 und heute ist, dass der risikolose Zins von 4 auf nahezu 0% zurückgegangen ist.

Seit Jahresbeginn erscheint die Performance alternativer Investments im Vergleich zur Wertentwicklung anderer risikobehafteter Wertpapiere hingegen schwächer. Dies liegt vor allem an der unterschiedlichen Entwicklung im Juni und Juli 2012. Als die systemischen Risiken aufgrund der Euroraum-Krise ihren Höhepunkt erreichten und grosse Zweifel am langfristigen Bestand des Euro aufkamen, wurden viele Hedgefondsmanager vorsichtig. Seit Mai bestand ihr Ziel vor allem darin, das eingesetzte Kapital zu erhalten und Verluste zu begrenzen.

Nach Ansicht von Fabrice Cuchet war „eine zurückhaltende Anlagestrategie für Manager mit einem absoluten Ertragsziel in einer Zeit grösster Unsicherheit für die Zukunft Europas und seiner Währung vernünftig. Dies erklärt, weshalb die Fondsmanager seit Anfang Juni, als die Unsicherheit noch immer sehr hoch war, von der Erholung risikobehafteter Wertpapiere nur eingeschränkt profitiert haben.“

Nach Einschätzung von Dexia AM ist auch die Streuung der Performance alternativer Manager noch immer ähnlich ist wie vor 2008. Dies gilt für den Vergleich verschiedener Strategien ebenso wie für den Vergleich unterschiedlicher Fonds mit der gleichen Strategie. Dexia AM hält im Hedgefondsbereich Diversifikation deshalb noch immer für wichtig. Die Investoren können sich dann für jene Strategien entscheiden, die gut zum aktuellen Umfeld passen oder im Rahmen einer dynamischen Fondsauswahl auf die erfolgreichsten Manager setzen.

Institutionelle Investoren honorieren die Einführung neuer UCITS-Fonds
Die Alternative-Investment-Branche reagiert auf die aktuellen Herausforderungen und beweist damit ihre Anpassungsfähigkeit. Seit 2009 steigt das verwaltete Vermögen daher wieder − bis auf neue Rekordhochs. Im Juni 2012 wurde die Marke von 2‘000 Mrd. US-Dollar überschritten.

Massgeblich dazu beigetragen haben institutionelle Investoren, die stets auf der Suche nach neuen Diversifikationsmöglichkeiten sind. In Europa trug aber auch die erfolgreiche Einführung neuer UCITS-Fonds zum Vermögensanstieg bei. Die Zahl UCITS-konformer Hegefonds ist seit 2009 deutlich gestiegen. Ihr verwaltetes Vermögen beträgt jetzt 120 Mrd. US-Dollar, 6% des weltweit in alternativen Investments angelegten Vermögens.

„UCITS-konforme alternative Investmentfonds bleiben ein gutes Diversifikationsinstrument. Wir sind fest davon überzeugt, dass dieser dynamische und flexible Investmentansatz noch immer die Nachfrage der Investoren nach performancestarken, flexiblen und liquiden Produkten mit geringen Verlustrisiken erfüllt“, fasst Fabrice Cuchet zusammen.

Dexia AM trägt bereits seit 1996 der Nachfrage institutioneller Investoren nach UCITS-konformen alternativen Investmentfonds Rechnung. Das erfahrene Investmentteam mit seinen 46 Portfoliomanagern managt 16 verschiedene Investmentprozesse, von denen 82% eine positive Dreijahresperformance und 93% eine positive Performance im Jahr 2012 vorweisen können.

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