Pensionskassen richten sich auf Stagflation aus

Pensionskassen strukturieren ihre Portfolios auf hohe Inflation und geringes Wachstum um (Foto HollyHarry/Shutterstock)
Pensionskassen strukturieren ihre Portfolios auf hohe Inflation und geringes Wachstum um (Foto HollyHarry/Shutterstock)

Gemäss einer Umfrage unter 152 Pensionskassen mit Vermögen von 2 Billionen Euro erwartet die Hälfte in den nächsten drei Jahren ein Stagflationsszenario wie in den 1970er Jahren.

03.01.2023, 10:57 Uhr
Konjunktur

Redaktion: cwe

Pensionsmanager stehen trotz weitreichender Zentralbankmassnahmen vor der Herausforderung, ihre Portfolios mit Blick auf Inflationsrisiken umzustrukturieren, so der Bericht «Pension funds: reorienting asset allocation in an inflation-fuelled world», der von Create-Research und Amundi veröffentlicht wurde. Der Bericht fasst die Ergebnisse einer Umfrage unter 152 Pensionseinrichtungen aus 17 Ländern und einem verwalteten Vermögen von 1,98 Billionen Euro zusammen.

Furcht von einer Stagflation und niedrigen Renditen

Auf die Frage nach dem wahrscheinlichsten Szenario für die Weltwirtschaft erwarten 50 Prozent der Umfrageteilnehmer ein Stagflationsszenario mit einer hohen Inflation und einem geringen Wachstum. 38 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen mit einer säkularen Stagnation beziehungsweise einer Rückkehr zu Vor-Corona-Verhältnissen mit geringem Wachstum, niedriger Inflation, geringen Investitionen, wachsenden Ungleichheiten und stagnierenden Löhnen. Nur 12 Prozent erwarten hingegen ein Szenario der "Roaring Twenties", in dem der Preisdruck durch Versorgungsengpässe merklich nachlässt und das Wachstum durch Produktivitätsgewinne infolge von Innovationen anzieht.

Steigende Korrelationen bilden einen Wendepunkt

2022 hat die Diversifizierung erneut versagt, als sie am nötigsten war. Grosse Ausverkäufe bei Aktien und Anleihen haben sich im Gleichschritt bewegt. Diese positive Korrelation sollte sich fortsetzen und zu Umschichtungen in der Vermögensallokation führen. Dies sollte den Fokus stärker auf Segmente verschieben, die einen Inflationsschutz bieten, darunter Privatmarktanlagen. So gab rund jeder zweite Umfrageteilnehmer an, Immobilien-, Infrastruktur- und Private-Debt-Allokation erhöhen zu wollen.

Gleichzeitig sollte sich die Suche nach Renditeaufschlägen intensivieren, da grössere Marktbewegungen zu sehr günstigen Bewertungen bei einigen notleidenden Assets führen können. Dazu erklärte ein Umfrageteilnehmer, dass sie auf den Bond-Märkten bei einigen gefallenen Engeln wahrscheinlich gute Kaufgelegenheiten sehen werden. Flexibilität und ausreichende Liquidität werden laut 58 Prozent der Befragten dynamische Anlagen auf Kosten des traditionellen 60:40-Ansatzes vorantreiben.

Der dritte Trend besteht in einer stärker regionalen Diversifizierung, da sich die Schlüsselmärkte wegen divergierender Inflationsaussichten unterschiedlicher entwickeln sollten. 43 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen entwickelte Märkte und 40 Prozent Schwellenländer stärker gewichten. Last but not least ist eine Wiederbelebung des Value-Investing zu erwarten. Angesichts der hohen Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen glauben 42 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass die Diversifizierung auf Basis von Risikofaktoren wieder an Bedeutung gewinnen sollte.

Globale Aktien als Renditemotor

Nur 11 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass sich die Inflation positiv auf ihr Anlageportfolio auswirken wird, während 59 Prozent negative Effekte erwarten. Mit Blick auf die nächsten drei Jahre rechnen ebenfalls 59 Prozent damit, dass die Renditen weitaus niedriger ausfallen werden als im letzten Jahrzehnt. Insgesamt stehen bei der Vermögensallokation daher jetzt drei Ziele im Fokus: angemessene Gesamtrendite, Inflationsschutz und Kapitalerhalt.

70 Prozent sehen in globalen Aktien den wichtigsten Renditemotor für ihre Portfolios und die Anlageklasse, mit der sich am besten die erforderlichen Renditen erwirtschaften lassen (solange die Inflation nicht über fünf Prozent liegt). Zum Schutz vor Inflation setzen Pensionsmanager neu auf Sachwerte, insbesondere Immobilien und Infrastruktur (beides 49 Prozent). Dies ist jedoch nicht unproblematisch, da die Kapazität solcher Anlagen begrenzt ist und die Illiquidität die Flexibilität einschränkt. Rund die Hälfte der Befragten (44 Prozent) bevorzugt US-Staatsanleihen als Absicherung gegen risikoreiche Anlagen, gefolgt von europäischen Staatsanleihen (40 Prozent) und chinesischen Staatsanleihen (36 Prozent).

Die Rückkehr zu Fundamentaldaten begünstigt Themeninvestments

Angesichts einer sich abzeichnenden globalen Rezession und des Liquiditätsentzugs der Zentralbanken hat sich die Suche nach neuen Renditequellen intensiviert. Der Fokus liegt auf Sektoren, die von Megatrends geprägt sind, disruptive Innovationen vorantreiben und Geschäftsmodelle revolutionieren. Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer erwartet, dass sich mit spezifischen Themen in der Post-Corona-Welt in hohem Masse (46 Prozent) beziehungsweise in gewissem Masse (35 Prozent) Prämien erwirtschaften lassen. Infolgedessen planen 60 Prozent, dass sie ihre Allokationen in Themenfonds erhöhen werden. Bei den Themen dominieren ESG (76 Prozent) gefolgt von Gesundheitswesen/Gesundheitstechnologie (50 Prozent), Genomik und Biotechnologie (32 Prozent) und Demografie (38 Prozent). Ein Schwerpunkt liegt auf der Beschleunigung medizinischer Innovationen und deren raschen Vermarktung, wie dies bei Corona-Impfstoffen der Fall war.

Aktive und passive Fonds als Ergänzungen

Nach mehr als einem Jahrzehnt mit starkem Rückenwind scheinen passive Fonds auch in turbulenten Märkten für die Altersvorsorge attraktiv zu bleiben. Genannt werden Aspekte wie günstige Gebühren (86 Prozent), die Eignung als Liquiditäts- und Absicherungsinstrumente (56 Prozent) und zur Diversifikation sich de-synchron entwickelnder globaler Kapitalmärkte (49 Prozent).

Dass es bei der Geldanlage kaum Allwetterfonds gibt, gilt besonders für passive Fonds. Sie haben sich in den letzten 13 Jahren in einem einzigartigen Niedrigzinsumfeld bewährt. Bei aktuell steigenden Zinsen und einer weniger akkommodativen Zentralbankpolitik sollten die Bewertungen wieder stärker durch Fundamentaldaten geprägt werden, so dass aktive Manager wieder ihre Stärken ausspielen können. Da sich die Kurse der Indextitel weniger im Gleichschritt bewegen, könnten aktive Manager durch Stock-Picking eine Outperformance erzielen.

Entsprechend werden sich die Umfrageteilnehmer immer mehr der Nachteile passiver Anlagen bewusst: 68 Prozent sind der Meinung, dass sich passive Anlagen zu sehr auf die Gewinner von gestern konzentrieren. Gleichzeitig sind 52 Prozent der Meinung, dass sich aktive und passive Anlagen in einem diversifizierten Portfolio ergänzen. Mit Blick auf die Zukunft sagen 29 Prozent, dass sie ihren Passiv-Anteil erhöhen wollen, 16 Prozent planen eine Reduktion, und 55 Prozent wollen den Anteil stabil halten.

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