Lombard Odier lanciert "Natural Capital"-Strategie mit royalem Touch

In der Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffe länger genutzt und es fällt weniger Abfall an als in der linearen Ökonomie. (Bild: Shutterstock.com/lambertt)
In der Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffe länger genutzt und es fällt weniger Abfall an als in der linearen Ökonomie. (Bild: Shutterstock.com/lambertt)

Die Genfer Privatbank Lombard Odier lanciert ein mit 400 Mio. US-Dollar dotiertes globales Aktienportfolio, das in Unternehmen der vier Nachhaltigkeitsbereiche Bio-Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz, naturschonender Konsum und Abfallfreiheit investiert. Die "Natural Capital" genannte Strategie hat einen prominenten Urheber: Seine Königliche Hoheit, der Prinz von Wales.

16.11.2020, 16:50 Uhr

Autor: Hanspeter Frey

"Wir müssen unsere Bemühungen verstärken und einer nachhaltigen Zukunft den Weg ebnen, die auf einem neuen Wirtschaftsmodel beruht: einer Bio-Kreislaufwirtschaft." Diese Worte stammen von Prinz Charles, Prince of Wales und Thronfolger des britischen Königreichs. Prinz Charles setzt sich bekanntermassen für eine biologisch-ökologische Landwirtschaft und generell für eine nachhaltigere Wirtschaft und Gesellschaft ein. Nach Angaben von Lombard Odier hat Charles auch das Konzept angestossen, das der Bank als Basis für ihr Aktienportfolio dient, das sie am Montag in Umrissen vorgestellt hat.

Selbstverständlich garantiert der Verweis auf den naturnahen, bescheiden und zuweilen ungelenk wirkenden britischen Thronfolger dem Genfer Institut zusätzliche Aufmerksamkeit, zumal in diesen Tagen die neue Staffel der Netflix-Erfolgsserie "The Crown" gestartet ist und Queen Elisabeth II. sich Medienberichten zufolge mit dem Gedanken trägt, die Krone an ihrem 95. Geburtstag im nächsten Frühjahr weiterzureichen. Aber reines Marketing ist der Bezug zu Charles nicht, der – und das dürfte Im Zusammenhang mit der Lancierung der von ihm angestossenen "Natural Capital"-Strategie nun wirklich ein Zufall sein – eben am vergangenen Samstag seinen 72. Geburtstag gefeiert hat.

Der Kreis zu Prinz Charles schliesst sich

Charles' Konzept wurde von der Circular Bioeconomy Alliance weiterentwickelt, ein Verbund, der den Übergang zu einer klima- und umweltfreundlichen Wirtschaft anstrebt, indem er Investoren nachhaltige Anlagelösungen zugänglich macht. Die Circular Bioeconomy Alliance wurde von Lombard Odier mitgegründet, was den Kreis zum britischen (Noch-)Prinzen und zukünftigen König schliesst.

Wie andere Nachhaltigkeitskonzepte im Finanzsektor verbindet die Natural-Capital-Strategie ökologischen Nutzen und finanziellen Gewinn. Der Kapitalmarkt als Lenkungsorgan für eine bessere Umwelt ist längst akzeptiert und kein Widerspruch mehr. "Für die Investmentbranche, die ein Kapital von 120 Bio. US-Dollar verwaltet, wird Rendite immer ein Hauptziel sein," sagt Hubert Keller, Geschäftsführender Teilhaber der Lombard-Odier-Gruppe. Und Keller fügt an: "Heute eröffnet der Übergang zu einem nachhaltigeren Wirtschaftsmodell, das den Klimawandel und die Natur in den Mittelpunkt stellt, einige der überzeugendsten Renditechancen. "Mit der 'Natural Capital'-Strategie hat das Genfer Institut eigenen Angaben zufolge eine unerschlossene Anlagegelegenheit entdeckt, die Anlegern attraktive Renditen liefern und den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen werde.

Das Portfolio von 40 bis 50 Unternehmen fokussiert auf innovationsstarke kleine und mittelgrosse börsenkotierte Unternehmen in Nordamerika, Europa und Asien. Die Strategie sucht vor allem nach bereits profitablen Firmen, die gut positioniert sind, "um von den vier nicht aufzuhaltenden Wachstumschancen", wie Lombard Odier erklärt, zu profitieren. Die vier Themen sind Bio-Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz, ergebnisorientierter Konsum und Abfallfreiheit.

Neue Variante des nachhaltigen Anlegens

Lombard Odier Investment Managers verwaltet die Strategie und wird für die Investoren einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Dieser wird die positiven ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Anlagen in diesen Unternehmen sowie die Fortschritte des verantwortungsvollen Portfolio-Managements aufzeigen.

Nachhaltigkeit werde in absehbarer Zukunft und darüber hinaus ein wichtiger Renditefaktor sein, schiebt die Bank nach. Dieser Aussage ist mit Blick auf das wachsenden Umweltbewusstseins in weiten Teilen der Bevölkerung, das durch die Corona-Pandemie zusätzlich steigtt, nicht zu widersprechen. Auch die nachstehende Erklärung der Bank dürfte unwidersprochen sein, wonach Nachhaltigkeit neue Anlagechancen sowie eine höhere Rendite bei niedrigerem Portfoliorisiko bietet. Mit der "Natural Capital"-Strategie erfährt der Trend des nachhaltigen Investierens eine neue Verästelung.

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