Kaufgelegenheiten bei Emerging Markets

Michelle McCloskey, Head of Research bei Man
Michelle McCloskey, Head of Research bei Man

Die Turbulenzen im Hedgefonds-Universum halten an. Im Oktober resultierten rekordhohe Performanceausschläge nach oben und unten. Long/Short Strategien in Emerging Markets bieten aktuell die besten Kaufgelegenheiten.

29.11.2011, 11:38 Uhr

Redaktion: luk

Das schwierige zweite Halbjahr 2011 für die Hedgefonds-Industrie fand im Oktober seine nahtlose Fortsetzung (HFRI Fund of Funds Composite +1.4%), während die Aktienmärkte im Zuge der kurzzeitig aufkeimenden Hoffnungen, die Eurokrise könnte überwunden werden, überraschend und teilweise kräftig gestiegen sind. Davon konnten vor allem Event Driven- und agile Equity Hedged-Manager profitieren. „Wir sehen insbesondere bei Emerging Markets im Bereich Währungen und Obligationen hervorragende Anlagemöglichkeiten für Long/Short-Manager“, sagt Bart Turtelboom, Co-Head des GLG Emerging Markets Equity Alternative Funds.


Etliche Hedgefonds-Manager sind ob dieses Rallyes aber auf dem falschen Fuss erwischt worden, wie dem aktuellen Monatsbericht von Man zu entnehmen ist. Denn viele hatten aufgrund der Baisse vom August und September ihre Risikopositionen zurückgefahren und wurden vom Zwischenhoch an den Aktienmärkten überrascht.

Diejenigen Manager, die sich schon früher für einen Bärenmarkt in Position gebracht und im September Gewinne einfahren konnten, kamen erst so richtig in Fahrt und stockten zu Monatsanfang ihre Shortpositionen eher auf. Damit liefen auch sie den Märkten ins offene Messer. Nur Manager, die Longpositionen hielten, konnten vom Zwischenhoch der Aktienmärkte profitieren.

Im Performanceresultat spiegelt sich die unstete Situation im Oktober wieder. Wurden bereits im September überdurchschnittlich hohe Performanceausschläge beobachtet, sind diese im Oktober nochmals akzentuierter. „Ein Drittel aller Hedgefonds-Manager hat innerhalb eines Monats mehr als fünf Prozent zugelegt oder verloren, ein neuer Rekordwert“, kommentiert Michelle McCloskey, Head of Research bei Man.


Equity Hedged bieten Anlageopportunitäten
Die Equity Hedged-Manager haben im Oktober positive Renditen abgeliefert (HFRI Equity Hedge Index +5.2%), jedoch den breiten Aktienindex (MSCI World +8.7%) trotzdem nicht erreicht, da im Schnitt das Risiko zurückgefahren wurde, was eine volle Partizipation am Rallye verhinderte.

Die Aussichten, mit Long/Short-Strategien Geld zu verdienen, bleiben aber intakt. Insbesondere in den Emerging Markets haben sich mit der jüngsten, weltwirtschaftlichen Entwicklung interessante Opportunitäten eröffnet. „Die Zinsdifferenzen zu US-Treasuries sind aktuell substantiell und eröffnen Chancen bei Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität“, erklärt Bart Turtelboom. „Entscheidend, um bei Emerging Markets Geld zu verdienen, ist nicht die langfristige Wachstumsperspektive, sondern das Risikomanagement“. Smart handelnde Long/Short-Manager können davon profitieren.

Relative Value und Event Driven-Strategien haben den Monat Oktober beide mit Gewinn abgeschlossen (HFRI Relative Value Index +1.5%, HFRI Event Driven Index +3.1%). Insbesondere die Event Driven-Manager erlebten den bisher besten Monat des laufenden Jahres. Alle Substrategien konnten Profit schlagen aus den steigenden Aktienpreisen sowie den sinkenden Kredit- und M&A-Spreads. Auch Distressed-Manager haben vom Baisse-Umfeld profitiert.

Managed Futures mit höchsten Verlusten
Managed Futures haben für einmal deutliche Verluste einzustecken (Newedge Index -3.8%), nachdem diese Strategien im bisherigen Jahresverlauf als stabiler Hort in schwierigem Umfeld galten. Der plötzliche, starke Umschwung der Märkte hin zu mehr Risikoappetit haben die meisten Trendfolger verpasst, da diese mit stark reduzierten Risikopositionen in den Monat stiegen. Diese Strategie war rational, da sich bereits in den zwei Monaten zuvor ein starker Trend etablierte, der teilweise schöne Gewinne zuliess. „Unsere Diversifikationsstrategie hat sich aber voll ausbezahlt“, erklärt Michelle McCloskey. „Mehrere unserer nicht marktkorrelierten Manager haben im Umfeld steigender Risikoprämien positive Renditen abgeliefert“. Die Performance variierte zwischen -15% bis +5%. Auch die Global Macro-Manager kamen nicht ungeschoren davon (HFRI Macro Index -1.4%), weil auch sie mehrheitlich auf einen Bärenmarkt setzten.

Preisverwerfungen als Chance
Die Unsicherheit über die weitere ökonomische Entwicklung im Euroraum in Kombination mit den Wachstumsverlangsamung in der übrigen Welt haben bei sehr vielen Aktien- und Obligationen zu Preisverwerfungen geführt, die Hedgefonds-Manager nun ausnützen können. „Wir sehen grosse Chancen bei risikokoärmeren Wertschriften, sobald sich die hohe Marktvolatilität etwas beruhigt“, gibt sich Michelle McCloskey zuversichtlich.

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