12.05.2026, 11:36 Uhr
Die Schweizer Pensionskassen haben 2025 dank guter Renditen ihre Reserven aufstocken und höhere Deckungsgrade erzielen können. Für das laufende Jahr jedoch kann aufgrund der unsicheren Marktlage und...
Am 18. Richmond PIMS Forum vom 12. und 13. November 2026 im AlpenGold Hotel Davos wird Stefan Legge von der Universität St. Gallen die Eröffnungs-Keynote halten. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die ökonomischen Gewichte der Welt verschieben – und welche Konsequenzen das für exportorientierte Volkswirtschaften wie die Schweiz hat.
Legges Befund ist klar: Die Weltwirtschaft erlebt einen Strukturbruch, vergleichbar mit dem Aufstieg der USA zur Weltmacht im frühen 20. Jahrhundert. China hat die Vereinigten Staaten gemessen an der Kaufkraftparität bereits als grösste Volkswirtschaft abgelöst; Indien folgt mit einem demografischen Potenzial, das China mittelfristig übersteigen dürfte. Diese Verschiebungen seien keine zyklischen Schwankungen, sondern markierten einen historischen Bruch.
Mit der ökonomischen Neuordnung kehren laut Legge zwei klassische geopolitische Risikomuster in die Diskussion zurück. Die Thukydides-Falle beschreibt das historisch belegte Muster, wonach der Aufstieg einer neuen Macht den bestehenden Hegemon systematisch in einen Konflikt treibt – ein Mechanismus, der die sino-amerikanische Rivalität weit über die Handelspolitik hinaus prägt. Zugleich droht die Kindleberger-Falle: Wenn die bisherige Führungsmacht nicht mehr willens oder in der Lage ist, globale öffentliche Güter wie Freihandel, Sicherheit, Währungsstabilität und freie Seefahrt zu garantieren, die aufstrebende Macht diese Rolle aber noch nicht übernimmt, entsteht ein Ordnungsvakuum. Beide Muster spiegelten sich bereits heute in den Verwerfungen des Welthandels, im Bedeutungsverlust multilateraler Institutionen und in der Fragmentierung globaler Lieferketten wider.
Für Europa und insbesondere für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und die Schweiz kommt nach Einschätzung Legges eine dritte, häufig unterschätzte Herausforderung hinzu. China sei nicht länger nur Werkbank und Absatzmarkt, sondern zunehmend ernsthafter Konkurrent im hochwertigen Gütersegment. Von Elektrofahrzeugen über Industrieroboter bis hin zu erneuerbaren Energietechnologien drängten chinesische Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Produkten in Märkte, die europäische Akteure als angestammtes Terrain betrachteten. Die Geschwindigkeit dieses Strukturwandels überfordere klassische industriepolitische Anpassungsreflexe.
Im Forum will Legge die drei miteinander verflochtenen Dynamiken – ökonomische Gewichtsverlagerung, geopolitische Instabilität, industrieller Wettbewerbsdruck – auf ihre strategischen Konsequenzen herunterbrechen. Zentrale Frage: Wie können europäische Unternehmen und Institutionen ihre Resilienz stärken, ohne in protektionistische Abschottung zu verfallen, und welche Rolle bleibt mittelgrossen Volkswirtschaften, die zu klein sind, um die Regeln zu setzen, aber zu bedeutend, um sie einfach zu akzeptieren?
Das Richmond PIMS Forum ist ein Businessforum für Entscheidungsträger im Asset Management und Investment und versammelt jährlich rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Lösungsanbieterschaft. Die 18. Ausgabe findet am 12. und 13. November 2026 im AlpenGold Hotel in Davos statt. Weitere Informationen und Anmeldung sind hier erhältlich