01.07.2026, 11:09 Uhr
Die Schweizer Börsenbetreiberin SIX meldet für die ersten sechs Monate 2026 einen deutlichen Anstieg des Handelsvolumens an ihren Handelsplätzen SIX Swiss Exchange und BME Exchange. Besonders der Juni fiel mit...
Zwei aktuelle Studien von Mercer Marsh Benefits – der «Health on Demand»-DACH-Report 2025 und ein globales eBook zu Benefits-Technologie – zeichnen ein Bild, das für die Versicherungsbranche höchst relevant ist: Mitarbeitende werden gesundheitlich verletzlicher, gleichzeitig wächst die Erwartung an digitale, personalisierte Versorgung. Für Kranken-, Zusatz- und Lebensversicherer sowie Benefits-Broker eröffnet sich damit ein doppeltes Handlungsfeld – Produktinnovation und Technologie.
Der «Health on Demand»-Report, der auf einer Befragung von über 18'000 Beschäftigten weltweit basiert, davon mehr als 3'000 in Europa, zeigt einen deutlichen Rückgang des körperlichen und mentalen Wohlbefindens: Der Anteil der Mitarbeitenden, die sich sowohl körperlich als auch mental wohlfühlen, ist seit dem letzten Bericht von 82 Prozent auf 74 Prozent gesunken.
Für Versicherer heisst das: Das Risikoprofil der erwerbstätigen Bevölkerung verschlechtert sich messbar, während gleichzeitig die «Gesundheitsspanne» – also die Zahl der Jahre bei guter Gesundheit – in der Schweiz mit rund zehn Jahren nach Renteneintritt deutlich höher liegt als in Deutschland (vier Jahre) oder Österreich (sechs Jahre). Diese Differenz dürfte sich in der Nachfrage nach ergänzender Vorsorge- und Pflegeversicherung in den DACH-Märkten unterschiedlich stark niederschlagen. Dieser auf englisch «Healthspam» genannte zeit ist relevant für die sogenannte Longevity-Diskussion.
Besonders auffällig ist eine andere Zahl: Vier von zehn Beschäftigten sorgen sich stark um die Verschlechterung ihrer physischen, mentalen oder kognitiven Gesundheit – bei der Generation Z liegt dieser Wert bei fast fünf von zehn. Gleichzeitig geben in Deutschland bereits 18- bis 29-Jährige zu über 30 Prozent an, unter einer chronischen Erkrankung zu leiden. Für Krankenzusatzversicherer bedeutet das eine jüngere, aber nicht automatisch gesündere Zielgruppe – ein Umstand, der Produktdesign und Prämiengestaltung beeinflussen dürfte.
Acht von zehn Beschäftigten – über alle Generationen hinweg nahezu gleich verteilt – wären laut Studie erleichtert, wenn ihr Arbeitgeber sie bereits heute bei der Planung der Gesundheitsversorgung und Pflege im Ruhestand unterstützen würde. Dieser Befund korrespondiert direkt mit der wachsenden «Longevity Economy», wie sie unter anderem vom World Economic Forum beschrieben wird. Für Lebens- und Pflegeversicherer liegt hier ein noch wenig erschlossenes Marktsegment: betriebliche Vorsorgelösungen, die über die klassische Altersvorsorge hinausgehen und explizit Gesundheits- und Pflegeleistungen im Ruhestand adressieren.
Auch das Thema Krebsvorsorge zeigt eine auffällige Lücke zwischen Nachfrage und Angebot: Über ein Drittel der Beschäftigten empfindet Krebsvorsorge als hilfreichen Benefit, doch nur gut jeder zehnte Arbeitgeber bietet ein entsprechendes Angebot. Ähnliche Diskrepanzen bestehen bei psychischer Gesundheit – Mental-Health-Checks werden von 31 Prozent der Befragten als hilfreich eingestuft, aber nur 18 Prozent haben tatsächlich Zugang dazu. Für Krankenzusatzversicherer und Assistance-Anbieter sind das konkrete Ansatzpunkte für neue Modulversicherungen.
Das zweite Dokument, ein globales eBook von Mercer Marsh Benefits auf Basis einer Befragung von über 400 Arbeitgebern und mehr als 3'000 Beschäftigten, rückt die technologische Dimension in den Fokus – und damit ein Feld, das für InsurTechs und digitale Gesundheitsanbieter unmittelbar relevant ist. 72 Prozent der Beschäftigten sagen, dedizierte Benefits-Plattformen würden Klarheit und Navigation verbessern. Trotzdem nutzen nur 16 Prozent solche Plattformen mehrmals wöchentlich, 7 Prozent nie.
Als Hauptbarrieren nennen die Befragten die Präferenz für persönlichen Kontakt, Datenschutzbedenken sowie fehlendes Wissen über die Existenz der Plattform. Gewünscht werden vor allem Echtzeit-Updates zu Leistungsansprüchen (47 Prozent), personalisierte Leistungsvorschläge (43 Prozent) sowie ein zentrales Dashboard für alle HR- und Benefits-Anliegen (39 Prozent). Für Versicherer, die zunehmend auf KI-gestützte Underwriting- und Serviceprozesse setzen, ist die zentrale Botschaft eindeutig: Technologie allein schafft keine Akzeptanz – entscheidend ist transparente Kommunikation darüber, wie Daten genutzt und geschützt werden, kombiniert mit weiterhin verfügbarem menschlichem Support.
Für den Schweizer Markt – mit vergleichsweise hoher Gesundheitsspanne, aber ebenfalls steigendem Druck auf die Kostenseite der Grundversicherung – liefern beide Studien Argumente für eine stärkere Positionierung von betrieblichen Zusatzversicherungen als strategisches Differenzierungsmerkmal im Talentwettbewerb. Arbeitgeber, die eine ansprechende Benefits-Kommunikation sicherstellen, erreichen laut Studie, dass acht von zehn Mitarbeitenden den Wert ihrer Benefits erkennen – ohne eine solche Kommunikation sind es nur zwei von zehn. Für Versicherer und Broker, die Firmenkunden betreuen, liegt darin ein klarer Beratungsauftrag: Nicht nur das Produkt, sondern auch dessen Vermittlung und digitale Zugänglichkeit entscheiden über den wahrgenommenen Nutzen – und damit letztlich über Kundenbindung und Cross-Selling-Potenzial im Firmenkundengeschäft.