Geringe Blasenbildung zwischen verschiedenen Anlageklassen

Derzeit sieht das Financial Crisis Observatory keine gefährliche Blasenbildung bei den Anlageklassen. (Bild: Hal_P/Shutterstock.com)
Derzeit sieht das Financial Crisis Observatory keine gefährliche Blasenbildung bei den Anlageklassen. (Bild: Hal_P/Shutterstock.com)

Der monatliche Report des Financial Crisis Observatory, der Anlageklassen und Sektoren im Hinblick auf Gefahren von Finanzblasen und Ansteckungsrisiken analysiert, stellt Anfang November eine weiterhin geringe Blasenbildung fest.

12.11.2019, 11:08 Uhr

Redaktion: rem

Welche Anlageklassen und Sektoren weisen Gefahren auf? Wie entwickeln sich Finanzblasen und Ansteckungsrisiken? Auf diese Fragen gibt der monatliche Report des Financial Crisis Observatory (FCO) Auskunft. Der Bericht ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse der historischen Zeitreihen von rund 450 aggregierten Assets wie Aktien- oder Bondindizes und gegen 850 Einzelaktien. Die Vermögenswerte bestehen aus Anleihen-, Aktien- und Rohstoffindizes sowie einer Auswahl von Währungspaaren.

Weiterhin geringe Blasenbildung

Der Report, der in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Entrepreneurial Risks der ETH Zürich sowie der Zürcher Investmentboutique Systematic Investment Management (SIMAG) entsteht, stellt Anfang November eine weiterhin geringe Blasenbildung zwischen den verschiedenen analysierten Anlageklassen fest. "Einzig für die S&P 500 VIX Futures sehen wir eine starke positive Blasenaktivität. Das bedeutet, dass der Markt anfälliger für plötzliche Volatilitätsschocks werden könnte", erklärt Didier Sornette, Professor für Entrepreneurial Risk an der ETH Zürich, wo er auch Direktor des Financial Crisis Observatory ist. Innerhalb der Aktiensektoren hat die Analyse in diesem Monat vier Branchengruppen mit einem auffälligen Wert bezüglich Blasenbildung herausgefiltert: Einzelhandel, Immobilien, Telekom-Dienstleistungen und Versorgungsunternehmen.

Bei den makroökonomischen Ansteckungsgefahren hebt der Report vor allem die zentrale Bedeutung Chinas für die Welt hervor: Chinas Wirtschaftswachstum sei aufgrund interner Probleme, aber auch aufgrund der Verlangsamung des Welthandels auf ein 30-Jahres-Tief gefallen. Mit der Verlangsamung eines so grossen Marktes gerieten auch exportorientierte Volkswirtschaften wie etwa Deutschland unter Druck. Von Deutschland aus könnte sich die Ansteckung leicht auf viele osteuropäische Länder ausweiten.

Institutionelle Investoren gehen Illiquiditätsrisiken ein

Auch kommt im Report die Frage nach der Rolle der Zentralbanken zur Sprache. So werde das Geld aus neuen Unternehmenskrediten weniger in die Realwirtschaft investiert als vielmehr für den Rückkauf eigener Aktien oder für den Erwerb von Finanzanlagen verwendet, wodurch der System Leverage weiter steige. Das werde solange anhalten, wie die Zinsen niedrig oder negativ blieben. Dietmar Peetz, Head Investment Management bei der SIMAG, warnt in diesem Zusammenhang, dass die Notenbanken durch ihre Zinspolitik immer mehr institutionelle Investoren zwingen würden, Illiquiditätsrisiken einzugehen: "Dass die Illiquiditätsprämien so tief gesunken sind, ist ein typisches Phänomen in der Spätphase des Kreditzyklus." Viele könnten überrascht werden, wie schnell es im Falle einer Rezession zu einem Repricing kommen könnte, so Peetz.

Das nächste Jahr wird laut dem Report ein Jahr werden, in dem das Vermeiden der gefährlichsten Finanzblasen einen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg machen könnte. Viele Aktienindizes befinden sich auf oder in der Nähe von historischen Höchstständen. "Aber die Märkte ringen damit, ihre Aufwärtsdynamik aufrechtzuerhalten, so dass in den nächsten Monaten die Performance-Schere zwischen Länder- und innerhalb von Aktiensektoren noch weiter aufgehen könnte", so das Fazit und der Ausblick des monatlichen Reports des FCO.

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