Gegenwind für Milliardäre – Gesamtvermögen um USD 300 Milliarden gesunken

Der jährliche Billionaires Report der UBS und PwC analysiert die Vermögensbildung bei Milliardären im Jahr 2015 und zeigt auf, dass in den nächsten 20 Jahren rund 460 Milliardäre Vermögen in der Höhe von USD 2,1 Billionen an ihre Erben übertragen werden. Zudem geht hervor, dass die Zahl der Milliardäre steigt, ihr Vermögen hingegen abnimmt.

18.10.2016, 15:50 Uhr

Redaktion: jaz

Im Gilded Age, der Blütezeit der Wirtschaft und des technologischen Fortschritts in den USA, trugen Innovationen wie Auto, Elektrizität und Stahl zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur Vermögensbildung bei. Heutzutage zeigen sich aber Katalysatoren wie Technologie und Finanzdienstleistungen geschwächt und erzeugen weniger Milliardärsvermögen. Ausserdem haben Vermögensübertragungen innerhalb von Familien, fallende Rohstoffpreise und der aufgewertete US-Dollar zu einer Stagnation des Vermögensaufbaus beigetragen.

Zahl der Milliardäre wächst, Vermögenswachstum hingegen pausiert
Für den Bericht wurden Daten von über 1400 Milliardären über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht. Die Datenbank umfasst die 14 grössten Märkte in den USA, Europa und der Region Asien/Pazifik, auf die rund 80% der globalen Milliardärsvermögen fallen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, übertrafen im Jahr 2015 210 Vermögen die Marke von einer Milliarde US-Dollar, was einem Zuwachs auf total 1397 Milliardäre entspricht. Deren Gesamtvermögen sank jedoch von USD 5,4 Billionen auf USD 5,1 Billionen, während das Durchschnittsvermögen von USD 4 Milliarden 2014 auf USD 3,7 Milliarden 2015 zurückging.

Erbschaft in Billionenhöhe
Auf die Periode ausserordentlicher Vermögensbildung der letzten 20 Jahre wird bald die grösste Vermögensübertragung aller Zeiten folgen. Die Vermögen, welche die in die Jahre gekommenen Milliardäre in dieser Zeitspanne angehäuft haben, hat sich bis heute versiebenfacht. UBS geht davon aus, dass 460 Milliardäre in den nächsten 20 Jahren USD 2,1 Billionen an ihre Erben übertragen werden. Dieser Wert entspricht dem Bruttoinlandprodukt von Indien. Asien, allen voran China, wo junge Businessleute vor allem im Immobiliensektor sehr schnell reich werden, brachte 2015 praktisch alle drei Tage einen Milliardär hervor.

Lehren für Jung-Milliardäre
Von den Milliardärsvermögen, die vor 20 Jahren die Milliarden-Dollar-Grenze geknackt haben, wurden 90% nicht über die erste und zweite Generation hinaus bewahrt. Dies könnte angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen und der bevorstehenden Vermögensübertragung erneut eintreten. Um diesem Schicksal zu entgehen, soll die Entwicklung bei den europäischen Milliardärsdynastien als Modell für die Jung-Milliardäre dienen. In Europa gelang es nämlich am meisten Mehrgenerationen-Milliardäre, ihre Vermögen zu erhalten. Dabei ist der Anteil der etablierten Milliardärsdynastien in der Schweiz am höchsten. So könnten familienorientierte Milliardäre aus Asien den Wunsch haben, das europäische Modell für den Vermögenserhalt zu übernehmen und auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Neue philanthropische Modelle
Unternehmerfamilien wie die Carnegies und Rockefellers finanzierten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutende Bildungs- und Gesundheitsprojekte. Sie zeigten ausgeprägten Geschäftssinn und intelligente Risikobereitschaft. Ihrem Handeln lagen somit die Eigenschaften zugrunde, die mit Milliardären und ihrem Erfolg generell in Verbindung gebracht werden. Heutzutage wird Philanthropie für Milliardäre weltweit zunehmend ein Thema. Neue philanthropische Modelle sind im Entstehen (Darlehen, Garantien, Verträge, Impact Investing usw.) und für die Generation Millenium steht Philanthropie im Zentrum ihrer Familienwerte. Trotzdem wird der Rekord der Vorgängergeneration möglicherweise nicht erreicht werden.

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