"Private Investoren wollen ihre Wertehaltung einfliessen lassen"

Alexander Marbach, Leiter Asset Management bei der Schwyzer Kantonalbank.
Alexander Marbach, Leiter Asset Management bei der Schwyzer Kantonalbank.

Sowohl private wie auch institutionelle Anleger haben "Ethik" als wichtiges Anlagekriterium entdeckt. Im Interview spricht Alexander Marbach, Leiter Asset Management bei der Schwyzer Kantonalbank (SZKB), über Nachhaltigkeitsfaktoren und über den neuen Ethikfonds der Bank.

08.10.2019, 05:00 Uhr

Redaktion: lek

Herr Marbach, was ist der Hintergrund für die Ergänzung des bestehenden Ethikfonds der Schwyzer Kantonalbank?

Alexander Marbach: Haupttreiber ist klar die Kundennachfrage. Zudem stellt die Ergänzung eine logische Weiterentwicklung des bestehenden Produktangebots dar. Bereits seit 2009 fliessen die Analysen der Schwyzer Kantonalbank und von ISS-oekom in das bestehende Vermögensverwaltungsmandat "Ethik" ein, das nicht nur inhaltlich, sondern auch vom bisherigen Wertverlauf überzeugt.

Dann gibt es also keine Performancenachteile?

2016 lancierte die Schwyzer Kantonalbank die SZKB-Ethikfonds, die auf demselben proprietären und bewährten Anlageprozess basieren. Die SZKB Ethikfonds bieten Privatpersonen sowie Institutionen, denen verantwortungsvolles Handeln und ethische Grundsätze beim Geldanlegen wichtig sind, eine attraktive Investitionsmöglichkeit. Interne Performanceanalysen bis ins Jahr 2009 zeigen, dass bis zum heutigen Zeitpunkt keine Performancenachteile gegenüber nicht ethischen Produkten entstanden sind. Im Gegenteil, insbesondere mittels der Aktienselektion konnte eine Outperformance festgestellt werden. Dieser Performance-Faktor hat das Interesse bei der Kundschaft weiter verstärkt.

Inwiefern unterscheidet sich die Strategie des erweiterten Fonds vom bisherigen?

Am 31. Oktober liberiert die SZKB den Ethikfonds Kapitalgewinn, der zu 100 Prozent in direkte Beteiligungspapiere investiert. Die bisher aufgelegten Teilvermögen sind Mischformen, die neben Aktien auch in Obligationen investieren. Aufgrund der aktuell tiefen Zinsstrukturkurve und der abgeleiteten Potenzialrendite für Nominalwertanlagen wurde das Bedürfnis der Kundschaft nach einem Teilvermögen ohne Obligationen immer grösser.

Für welche Kunden ist "Ethik" ein besonders wichtiges Anlagekriterium?

Es kristallisieren sich zwei Motive heraus. Vor allem private Investoren wollen ihre persönliche Wertehaltung in die Kapitalanlage einfliessen lassen. Auf der anderen Seite, und das ist insbesondere wichtig bei Teilen der institutionellen Kunden, werden ethische Gesichtspunkte vermehrt als ökonomische Erfolgsfaktoren mit Einfluss auf das Rendite-/Risikoverhältnis angesehen. Dort steht vermehrt das Risikomanagement im Vordergrund.

Mittlerweile haben die meisten Finanzdienstleister ESG-Fonds im Angebot. Ethik und ESG scheinen verwandte Anlagestile zu sein. Wo liegen die Unterschiede bei den verschiedenen Anbietern?

Gerade dann, wenn sich ein Thema zum Markttrend entwickelt, lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die einzelnen Anbieter und deren Methodologie zu werfen. Um die hohen Standards der ethischen Anlagen vollumfänglich garantieren zu können, arbeitet die Schwyzer Kantonalbank seit vielen Jahren erfolgreich mit der renommierten ISS-oekom Research AG zusammen. Wir können somit auf einen hochwertigen, transparenten und branchenspezifischen Ratingprozess zurückgreifen. Zusätzlich ist für die SZKB vor allem die Unabhängigkeit der ISS-oekom-Analysen wichtig. Die Finanzierung der Analysen erfolgt durch die Investoren und nicht durch die bewerteten Unternehmen.

Welche Kriterien wenden Sie an, um Unternehmen zu identifizieren?

Im Gegensatz zu vielen Anbietern, welche dies nicht tun, wendet die SZKB einen absoluten Best-in-Class-Ansatz an. Es werden nur diejenigen Unternehmen im Markt identifiziert, die innerhalb ihrer Branche zu den Vorreitern in Sachen sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit zählen. Während beim relativen Ansatz die besten z.B. 50% einer Branche ausgewählt werden, gilt beim absoluten Best-in-Class-Ansatz ein strikteres Auswahlverfahren. Je grösser die absoluten negativen Auswirkungen einer Branche im Umwelt- und Sozialbereich sind, desto höher sind die Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement und desto höher ist daher die Schwelle, den Prime-Status als Unternehmen zu erreichen, der die Investierbarkeit signalisiert. So müssen Unternehmen, die zum Beispiel im traditionell belastenden Energiesektor tätig sind, bessere Resultate in den Nachhaltigkeitskriterien aufweisen, um überhaupt berücksichtigt zu werden. Die Nachhaltigkeitskriterien werden von der SZKB extrem strikt umgesetzt.

Wie wird die ethische Ausrichtung des Fonds in der Praxis umgesetzt und wie erfolgt die Titelauswahl?

Alle in den Fonds enthaltenen Direktanlagen durchlaufen einen minutiösen und kontinuierlichen Prüfprozess. Das Universum umfasst rund 6'200 Einzeltitel mit einem Nachhaltigkeitsrating. Durch die strikte Anwendung des absoluten Best-in-Class-Ansatzes reduziert sich das investierbare Universum deutlich. Ausserdem werden dank den SZKB-Ausschlusskriterien keine Anlagen in kontroverse Geschäftsfelder und -praktiken getätigt. Nach weiteren traditionellen qualitativen und quantitativen Beurteilungen durch die SZKB-Analysten resultieren daraus renditeorientierte und breit diversifizierte Portfolios.

Schauen diese Kunden den Performanceunterschied zu traditionellen Anlagen an?

Ja. Die meisten Kunden schauen den Performanceunterschied bereits vor der Erstinvestition in ethische Anlagen kritisch an. Aufgrund langjährigen Erfahrungen der SZKB können wir den Kunden wirklich erzielte Performance-Resultate im Vergleich zu den klassischen Anlagen aufzeigen. Daraus können wir ableiten, dass Kunden historisch keinen Performancenachteil erfuhren, sondern die Performance mit der gleich hohen Volatilität sogar leicht besser ist.

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