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Einschneidende Woche für die Weltwirtschaft: Was bedeutet der Iran-Deal für die Märkte – und für die Geldpolitik?

Eine Woche der Entscheidungen: Was bedeutet die hohe Inflation für die Fed? Und was entscheidet die SNB? (Bild: Shutterstock)
Eine Woche der Entscheidungen: Was bedeutet die hohe Inflation für die Fed? Und was entscheidet die SNB? (Bild: Shutterstock)

In dieser Woche entscheidet sich, welchen geldpolitischen Kurs die Welt bis Ende 2026 einschlägt. Am 16. und 17. Juni tagt das Federal Open Market Committee unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh – zum ersten Mal seit seiner Vereidigung am 22. Mai. Am Folgetag, dem 18. Juni, folgt die Schweizerische Nationalbank mit ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung. Dazwischen hängt die Frage, ob ein Iran-Friedensabkommen die Energiemärkte dauerhaft entlasten oder die erhöhte Inflation strukturell einzementieren wird

15.06.2026, 07:35 Uhr
Asset Management | Finanzplätze | Notenbanken

Redaktion: asc

Wenn dunkle Limousinen an einem strahlenden Sommernachmittag in Zürich vor dem Gebäude der Schweizerischen Nationalbank (SNB) stehen, ist klar: Es steht eine Woche von wichtigen Entscheiden an: Führt die SNB wieder Negativzinsen ein, das die grosse Frage.

Doch der Reihe nach: Diese Woche zeigt exemplarisch, wie eng geldpolitische Divergenz, Energiemärkte und geopolitische Ereignisrisiken im Jahr 2026 miteinander verknüpft sind. Wer als institutioneller Investor die nächsten Monate richtig einschätzen will, kommt an den Entscheidungen, die diese Woche fallen, nicht vorbei.

Fed: Warsh übernimmt das Steuer bei 4,2 Prozent Inflation

Zunächst der Blick in die USA: Kevin Warsh übernimmt das Podium beim ersten FOMC-Meeting seiner Amtszeit mit einer Inflation von 4,2 Prozent im Jahresvergleich – der höchsten Teuerungsrate seit April 2023. Die Kerninflation, bereinigt um Energie und Lebensmittel, liegt bei 2,9 Prozent. Keiner dieser Werte ist auch nur annähernd am Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Haupttreiber der Beschleunigung: Benzinpreise, die um 40,5 Prozent gestiegen sind – direkte Folge des Iran-Konflikts.

Das Szenario für den 17. Juni ist dennoch klar: Der Leitzins liegt unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent, und CME FedWatch sowie Prediction Markets preisen eine Wahrscheinlichkeit von 98 bis 99 Prozent für einen unveränderten Satz ein. Ökonomen erwarten mehrheitlich, dass die Fed ihren Leitzins während des gesamten Jahres konstant hält – Futures-Märkte betten mittlerweile moderate Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung ein.

Das heisst: Die Spannung liegt nicht im Entscheid selbst, sondern in dem, was danach kommt. Der aktualisierte Dot-Plot und die neuen wirtschaftlichen Projektionen werden am Mittwoch mit besonderer Aufmerksamkeit studiert werden. Denn die Sitzung vom 16. und 17. Juni bringt neue Projektionen und einen aktualisierten Dot-Plot – und sie findet in einem Moment statt, in dem der Ölmarkt zum dominierenden Makrofaktor des Jahres 2026 geworden ist.

Das FOMC selbst zeigt sich so zerstritten wie seit Jahrzehnten nicht. Das April-Protokoll wies eine 8-zu-4-Abstimmung für unveränderte Zinsen aus – das grösste Dissens-Niveau seit 1992. Eine Mehrheit der Mitglieder sieht mittlerweile die Möglichkeit von Zinserhöhungen, falls die Iran-bedingte Inflation anhält.

Warsh selbst gilt als Monetarist der alten Schule. Als Schüler Milton Friedmans könnte er die Fed zu einem regelgebundenen Ansatz zurückführen – mit weniger Forward Guidance, aktivem Bilanzabbau und dem Verzicht auf eine aktive Feinsteuerung von Konjunktur und Arbeitsmarkt. Dabei steht er auch innenpolitisch unter Druck: Trump kommentierte die 4,2-Prozent-Inflation lakonisch mit «I love the inflation» – was Warsh unerwartet Spielraum verschafft, die Zinsen vorerst nicht zu senken, ohne den Zorn des Präsidenten zu riskieren.

SNB: Zwischen Lockerungsdruck und geopolitischer Unsicherheit

Und nun zur SNB: Während die USA mit zu hoher Inflation kämpfen, leidet die Schweiz unter dem gegenteiligen Problem: zu wenig Wachstum, zu starker Franken, zu geringer Preisdruck. Mit einem BIP-Wachstum von lediglich 0,5 Prozent im ersten Quartal 2026 und einer Inflation von 1,2 Prozent im Mai hat die SNB sowohl das Mandat als auch den konjunkturellen Druck zu handeln. Die Märkte preisen eine Senkung um 25 bis 50 Basispunkte als Basisszenario ein.

Dennoch ist die Ausgangslage komplizierter als die Zahlen suggerieren. Die SNB befindet sich bereits bei null Prozent Leitzins – ein erneuter Schritt nach unten würde die Frage nach Negativzinsen unweigerlich auf den Tisch bringen. Die SNB hatte im Dezember 2025 ihre Inflationsprognose leicht nach unten korrigiert und für 2026 eine Teuerung von 0,3 Prozent prognostiziert. Negativzinsen schloss sie explizit nicht aus, wollte sie aber nur beschliessen, falls dies zur Wahrung der mittelfristigen Preisstabilität dringend notwendig werde.

Nicht alle Marktteilnehmer rechnen mit einer Senkung. Die BEKB geht in ihrem Basisszenario davon aus, dass die Strasse von Hormus bald wieder passierbar ist und sich der Erdölpreis unter 100 Dollar pro Barrel stabilisiert. Damit seien die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Inflation begrenzt – und Zinsanpassungen weder für die SNB noch für die EZB im Jahr 2026 notwendig.

Der starke Franken bleibt das eigentliche strukturelle Problem. Ein Halten der Zinsen würde Carry-Trades umkehren und den Franken gegenüber dem US-Dollar tendenziell weiter stärken – mit direkter Wirkung auf die Exportwirtschaft. Die SNB dürfte daher unabhängig vom Zinsentscheid bekräftigen, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Die Rendite zehnjähriger Bundesobligationen lag zuletzt bei 0,451 Prozent – ein Niveau, das die strukturell deflationäre Grundspannung in der Schweiz unterstreicht.

Der Iran-Effekt: Ölpreis im Sinkflug, Inflation bleibt erhöht

Hinter allen geldpolitischen Entscheiden steht die gleiche Variable: der Preis für Rohöl und die Frage, ob der Iran-Konflikt einer dauerhaften Lösung zugeführt wird.

Der Krieg rund um den Persischen Golf, der am 28. Februar 2026 mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann, hatte sich binnen Tagen zu einer weltweiten Energiekrise ausgeweitet. Der Ölpreis schnellte um mehr als ein Drittel in die Höhe; Anfang April lag er rund 50 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Preise für Flüssiggas legten in den ersten vier Kriegswochen um drei Viertel zu.

Seither hat sich die Lage graduell entspannt. Die Hoffnung auf ein baldiges Friedensabkommen hat Öl zuletzt deutlich billiger gemacht: Brent fiel um mehr als zwei Prozent auf 88,35 Dollar je Fass, WTI auf 85,13 Dollar. Seit Mittwoch letzter Woche sind die Preise um jeweils mehr als fünf Prozent abgerutscht. Trump hatte erklärt, ein Deal – der die Strasse von Hormus wieder für die Schifffahrt öffnen würde – könne bereits dieses Wochenende unterzeichnet werden. Bisher blieben solche Ankündigungen ohne Resultat. Cash

Für institutionelle Investoren ist es entscheidend zu verstehen: Ein Friedensabkommen bedeutet nicht sofortige Inflationsentwarnung. Sobald die US-Blockaden offiziell aufgehoben werden, beobachten Experten aufmerksam, wie sich die Rückkehr iranischer Ölexporte auf den Ölpreis auswirken wird. Gleichzeitig hat der Konflikt die OPEC nachhaltig erschüttert: Der historische Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Kartell markiert einen Wendepunkt, der den Einfluss der verbleibenden Mitglieder schwächen könnte. Und Preiserhöhungen, die über Monate in Lieferketten, Mieten und Dienstleistungen eingesickert sind, werden sich nicht über Nacht zurückbilden.

Nicole Fenner, Investment Specialist Active Multi Asset Investments, UBS Asset Management

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