Digitales Zentralbankgeld: BIZ, SNB und SIX mit Projekterfolg

Die SNB betont den Experimentalcharakter der Studien zur Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld auf einem "Distributed Ledger". (Bild: Shutterstock.com/Alexey Godzenko)
Die SNB betont den Experimentalcharakter der Studien zur Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld auf einem "Distributed Ledger". (Bild: Shutterstock.com/Alexey Godzenko)

Im Rahmen des Projekts Helvetia wurden mit produktionsnahen Systemen zwei Machbarkeitsstudien zur Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld erfolgreich durchgeführt.

03.12.2020, 15:19 Uhr

Redaktion: rem

Das Schweizer Zentrum des BIS Innovation Hubs (BISIH), die Schweizerische Nationalbank (SNB) und SIX, die Betreiberin der Finanzmarktinfrastruktur, meldeten am Donnerstag den erfolgreichen Abschluss einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie ("proofs-of-concept", PoC), bei der es um die Integration von tokenisierten Vermögenswerten und Zentralbankgeld ging.

Das Projekt Helvetia untersuchte die technologische und rechtliche Machbarkeit der Übertragung tokenisierter Vermögenswerte durch die Emission von "wholesale CBDC" auf einer Distributed Ledger Technologie (DLT)- Plattform und die Anbindung der DLT-Plattform an das bestehende Zahlungssystem. Laut den Promotoren wies das Projekt die funktionale und rechtliche Machbarkeit der beiden Alternativen in einem produktionsnahen Szenario nach.

Ein Vergleich der beiden PoCs zeigte die jeweiligen Vorteile und Herausforderungen auf. Eine "wholesale CBDC" biete potenzielle Vorteile bei der Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten. Jedoch würden damit gewichtige Policy- und Governance-Fragen einhergehen. Würde man neue DLT-Plattformen mit den existierenden Zahlungssystemen verbinden, stellten sich viele dieser Probleme nicht. Jedoch gingen dabei die potenziellen Vorteile einer vollständigen Integration verloren, heisst es in der Medienmitteilung der SNB.

SNB betont Experimentalcharakter des Projekts

Die SNB weist darauf hin, dass im Projekt Helvetia digitales Zentralbankgeld für Banken und andere Finanzintermediäre untersucht wurde ("wholesale CBDC"). Digitales Zentralbankgeld für das breite Publikum ("general purpose CBDC") hingegen käme auf anderen Gebieten zum Einsatz und hätte ganz andere Implikationen.

Zudem handle es sich bei den Machbarkeitsstudien um Experimente, die im Rahmen des BIS Innovation Hubs durchgeführt wurden. Sie seien kein Hinweis darauf, dass die SNB "wholesale CBDC" auf der SIX Digital Exchange (SDX)-Plattform ausgeben oder die Abwicklung von SDX-Transaktionen im Swiss Interbank Clearing-System zulassen würde.

"Die Sicherheit und Verlässlichkeit der Schweizer Finanzmarktinfrastruktur müssen unabhängig von den Technologien, welche die Finanzmärkte künftig verwenden, aufrechterhalten werden. Wenn DLT zu signifikanten Verbesserungen beim Handel und bei der Abwicklung von Wertschriften führt, wird die SNB vorbereitet sein", sagte Andréa M. Maechler, Mitglied des Direktoriums der SNB.

Rasch hinzulernen

In einem nächsten Schritt soll ein besseres Verständnis der praktischen Schwierigkeiten und der Implikationen von "wholesale CBDC" entwickelt werden. "Damit CBDC für Finanzintermediäre ihr Potential als neues Mittel zur Abwicklung erfüllen können, müssen ihre Ausgestaltung und ihre Auswirkungen genau studiert und abgewogen werden. Das kann nur mittels weiterer Abklärungen und Versuche unter den Zentralbanken und anderen Stakeholdern wie Finanzmarktaufsichtsbehörden und Vertreter des Privatsektors gelingen. Angesichts des Tempos der digitalen Transformation müssen die Zentralbanken sowie die übrigen Akteure rasch hinzulernen, um auf gewonnenen Erkenntnissen basierende Entscheidungen treffen zu können", lässt sich Benoît Cœuré, Leiter des BIS Innovation Hub, in der Mitteilung zitieren.

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