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Alex Araujo, Portfoliomanager bei M&G Investments
Alex Araujo, Portfoliomanager bei M&G Investments

Die börsennotierte Infrastruktur ist ein Sektor, der in Anlagekreisen derzeit auf grosses Interesse stösst. Alex Araujo, Manager der M&G (Lux) Global Listed Infrastructure-Strategie, spricht darüber, welche Themen den Infrastrukturbereich derzeit prägen und warum er glaubt, dass ESG-Prinzipien und -Prozesse untrennbar mit dem zukünftigen Erfolg verbunden sind.

10.11.2021, 05:58 Uhr

Redaktion: alm

Was sind gegenwärtig die Treiber im Bereich der börsennotierten Infrastruktur?

Im Moment erleben wir das Zusammenspiel einer Reihe von Themen. Wir kommen aus einer weltweiten Pandemie und sind mit deren wirtschaftlichen Folgen konfrontiert. Angesichts dessen gibt es ein ungewöhnliches, koordiniertes globales Massnahmenpaket, um die Volkswirtschaften wiederzubeleben. Ob in Nordamerika, Europa oder Asien: Die meisten der Aktivitäten konzentrieren sich auf fiskalische Anreize, und ein Grossteil dieser Anreize ist auf die Infrastruktur ausgerichtet.

Es geht zudem darum, den Aufschwung grün und nachhaltig zu gestalten. Dies ist wichtig für unseren Planeten und für die Gesellschaft. Erneuerbare Energien, sauberere Formen der Energieerzeugung und Nachhaltigkeit stehen dabei im Mittelpunkt.

Wie wir alle wissen, ist die digitale Infrastruktur dabei ein wichtiges Thema. Viele von uns arbeiten und kommunizieren weiterhin aus der Ferne. Die digitale Infrastruktur ist auch ein wichtiger Teil der Strategie nicht-börsennotierter Infrastruktur von M&G. Wenn überhaupt, dann haben wir alle in den letzten eineinhalb Jahren eines gelernt: Wie abhängig wir von der digitalen Infrastruktur sind, sei es in unserem Arbeits- oder Privatleben. Wir sind der Meinung, dass all diese Faktoren für eine Strategie wie die unsere sehr gut zusammenspielen. Denn es gibt eine Vielzahl verschiedener Anlagemöglichkeiten, die davon profitieren können.

Wo sehen Sie die attraktivsten Anlagemöglichkeiten im Bereich der erneuerbaren Energien?

Meine Antwort mag überraschend kommen, denn es sind nicht die offensichtlichsten Bereiche. Besonders die ESG-orientierten Anleger konzentrieren sich auf Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Das hat deren Bewertungen beträchtlich in die Höhe getrieben. Ausserdem zeigt sich der Beginn einer grösseren Volatilität in diesem Bereich.

Grössere Chancen sehen wir bei Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle auf die anstehende Übergangsphase hin ausgerichtet haben. Beispiele hierfür sind Stromerzeuger, die ihren Energiemix von kohlenstoffintensiven Quellen auf erneuerbare Energien umstellen. Ich würde behaupten: Diese Firmen unterstützen den Wandel ganz anders und vielleicht sogar stärker. Denn sie beeinflussen beide Seiten der Bilanz – indem sie erneuerbare Energien einsetzen und zugleich kohlenstoffintensivere Energiequellen stilllegen.

Allerdings sind dies komplizierte Vorgänge. Sehr oft muss man zudem mit den Managementteams und Vorständen darüber sprechen, wie dieser Übergang vollzogen werden soll. Wir müssen Druck ausüben, und manchmal müssen wir diese Initiativen auch finanziell unterstützen. Darum sind die Bewertungen tendenziell attraktiver. Was also erreichen wir mit diesen Investitionen? Zum einen natürlich einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz, wenn sich alles nach unseren Vorstellungen entwickelt. Zum anderen profitieren wir von den Wertsteigerungen, die in der Regel damit einhergehen.

Ich möchte noch einen weiteren Aspekt ansprechen, und zwar die Kraftstoffe für die Übergangsphase. Wir hören viel über Wasserstoff als ultimativen Kraftstoff. Es gibt jedoch auch Übergangskraftstoffe wie Erdgas, die sehr wichtig sind. Denn in bestimmten Ländern sind erneuerbare Energien und sauberere Formen der Stromerzeugung noch nicht ausreichend verfügbar. Dann kann Erdgas eine Zwischenlösung sein, um die Kohleverstromung und -heizung zu ersetzen. Das ist eine weitere sehr interessante Möglichkeit: Gerade weil sie weniger offensichtlich und daher mit einigen sehr interessanten Bewertungen verbunden ist.

Wie unterscheidet sich Ihr Anlageansatz von eher traditionelleren Strategien für Infrastrukturinvestitionen?

Da möchte ich drei spezifische Aspekte hervorheben. Erstens liegt unser Schwerpunkt auf Wachstum. Genauer gesagt: Er liegt auf dem Dividendenwachstum, das wir bei unseren Beteiligungsunternehmen erreichen wollen. Die Global Listed Infrastructure-Strategie verfolgt das Ziel, die Erträge für unsere Anteilsinhaber jedes Jahr zu steigern. Das beziehen wir auf die Basiswährung, also für die meisten unserer Anleger das Pfund Sterling. Diese Steigerung wird durch ein Dividendenwachstum erreicht. Unternehmen können Dividenden nur dann steigern, wenn ihre Vermögenswerte und Wachstumsmöglichkeiten zu immer höheren Cashflows führen können. Das ist einfach und offensichtlich.

Darum verfolgen wir keine der tendenziell defensiven Strategien, wie sie in der Welt der Infrastruktur traditionell an der Tagesordnung sind. Wir konzentrieren uns auf langfristiges, beständiges und zuverlässiges Wachstum und Cashflows. Und damit auf die Dividendenzahlungen der Unternehmen, an denen wir uns beteiligen.

Ein zweiter wichtiger Unterschied ist die Bandbreite unserer Anlagen. Ich denke, dass sich die meisten Infrastrukturanleger traditionell auf die "zentrale" oder "traditionelle" wirtschaftliche Infrastruktur konzentrieren. Auch wir sind natürlich in diesem Bereich aktiv. Von dort stammt der Grossteil unserer Beteiligungen – etwa Versorger, Verkehrs- und Energieinfrastruktur. Doch wir investieren für unsere Anleger auch in die soziale Infrastruktur. Diese war in den letzten anderthalb Jahren von grosser Bedeutung. Denken Sie beispielsweise an die Krankenhausinfrastruktur, etwa im Bereich der Grundversorgung oder der krankenhausähnlichen Einrichtungen. Oder nehmen Sie die Bildungsinfrastruktur, die städtische Infrastruktur usw. Sie alle sind Teil der sozialen Infrastruktur, die ein sehr defensives Element der Strategie darstellt.

Drittens fügen wir das hinzu, was wir als "sich entwickelnde" Infrastruktur bezeichnen. Dabei handelt es sich um die physische Infrastruktur, die für unsere zunehmend digitale Welt gebraucht wird. Ich habe es bereits angedeutet: Hier geht es um Mobilfunktürme, Rechenzentren, Glasfasernetze usw. Also um genau die digitale Infrastruktur, auf die wir für unsere Internetnutzung oder Zoom-Anrufe nicht verzichten können.

Die Zusammenführung dieser drei Elemente ermöglicht uns auch eine gewisse Diversifizierung innerhalb des Sektors. Denn nicht alle Bereiche entwickeln sich gleichzeitig auf die gleiche Weise. Die Marktumfelder sind unterschiedlich, und das ist uns zugute gekommen.

Mein abschliessender Punkt ist die ESG-Integration. Hier untersuchen und prüfen wir genau, wie nachhaltig die zugrundeliegenden Vermögenswerte sind und wie sie gemanagt werden. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Cashflows tatsächlich wie gewünscht steigen. Dies gilt besonders auf lange Sicht: Wir sind langfristige Investoren mit einem sehr langfristigen Anlagehorizont.

Alex Araujo stiess im Juli 2015 zum Equity-Income-Team von M&G und wurde im April 2016 zum stellvertretenden Manager der M&G (Lux) Global Dividend-Strategie ernannt. Seit der Einführung der M&G (Lux) Global Listed Infrastructure-Strategie im Oktober 2017 ist er deren Manager, und im Januar 2019 wurde er zum Manager der M&G (Lux) Global Themes-Strategie ernannt. Alex verfügt über 25 Jahre Erfahrung an den Finanzmärkten, nachdem er zuvor bei UBS und BMO Financial Group tätig war. Er schloss sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der University of Toronto mit einem MA ab und ist CFA Charterholder.

Warum ist ESG im Bereich der börsennotierten Infrastruktur so wichtig?

Für unsere Strategie sind ESG-Aspekte ein untrennbarer Teil der Anlagen. ESG liegt in der Natur der Anlageklasse. Wir investieren in feste, unbewegliche, reale Vermögenswerte. Sie bilden den Kern der Unternehmen, die wir in unserem Portfolio halten. Diese Vermögenswerte wirken sich in der Regel selbst auf die Umwelt aus, und sie können Auswirkungen ausgesetzt sein. Denken Sie an Ereignisse wie Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände usw., die auf den Klimawandel zurückgehen. Solche Ereignisse sind ein Risiko für die Vermögenswerte. Je nachdem, worum es sich handelt, können die Vermögenswerte auch ihren Wert verlieren. Sie können also aus verschiedenen Gründen zu "Stranded Assets" werden. Unser ESG-Ansatz besteht also darin, die Nachhaltigkeit der Vermögenswerte und natürlich der Unternehmen zu untersuchen, denn das ist das "Governance-Element", die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Vermögenswerte und alle Risiken, denen sie möglicherweise ausgesetzt sind. So sieht unser proprietärer Ansatz aus. Solche Risiken haben natürlich auch finanzielle Auswirkungen. Unser Ziel ist es, unsere Anleger zu schützen und ihr Kapital zu bewahren. So ist unser ESG-Ansatz für diese Strategie strukturiert.

Wie wirkt sich die Inflation auf die Anlageklasse aus?

Das ist eine komplizierte Frage. Denn ich müsste beantworten, wann, wie und in welcher Form sich die Inflation auswirkt. Inflationsängste hängen bei börsennotierten Infrastrukturunternehmen oft mit der Stimmungslage zusammen. Darin zeigt sich die historische Verbindung zwischen dem Inflationsrisiko und zinssensiblen Unternehmen. Und zinssensibel sind alle dividendenzahlenden Unternehmen in unserem Portfolio. Doch daraus können sich wunderbare Möglichkeiten ergeben. Unser ultimativer Schutz und unsere Absicherung gegen Inflation ist der vorhin schon angesprochene Fokus auf Wachstum. Meiner Meinung nach ist Wachstum die beste Absicherung gegen das Inflationsrisiko. Betrachten wir die Typen von Unternehmen, in die wir investieren, und deren Wachstumsquellen: Eine Inflation kann wachstumsstarken Firmen durchaus zugute kommen, selbst wenn damit höhere Zinsen einhergehen. Nehmen wir zum Beispiel ein Infrastrukturunternehmen, dem Mautstrassen gehören. Was kommt einer Mautstrasse zugute? Wachstum, wirtschaftliche Erholung, Personenverkehr, Frachttransporte usw. Zudem ermöglicht es die Inflation dem Unternehmen, die Mautgebühren zu erhöhen.

Der mögliche Effekt: Die wirtschaftliche Sensitivität, das Wachstum, die Inflation und sogar die höheren Zinssätze können sich positiv auf diese Unternehmen auswirken. Ich würde sagen, dass etwa zwei Drittel unseres Portfolios einen gewissen Inflationsschutz geniessen. Manchmal ist dies explizit vertraglich geregelt, etwa bei der sozialen Infrastruktur. Manchmal ist der Zusammenhang weniger direkt, etwa bei bestimmten Bereichen der wirtschaftlichen Infrastruktur. Auch eine Kopplung an die Rohstoffpreise ist möglich: Wenn es sich um Infrastruktur handelt, die von rohstoffproduzierenden Unternehmen genutzt wird.

Dies bietet im Rahmen der Strategie einen gewissen Schutz. Wir streben ein Dividendenwachstum oberhalb der Inflationsrate der G7-Staaten an. So wollen wir unsere Anleger vor den schleichenden Renditeeinbussen schützen, die eine Inflation manchmal mit sich bringen kann.

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