Mit aktiven Investments den Klimawandel bekämpfen

Setzen Anlegerinnen und Anleger ihr finanzielles Kapital gezielt ein, kann der Anstieg der CO2-Emissionen gestoppt werden, so Ben Constable-Maxwell von M&G Investments.
Setzen Anlegerinnen und Anleger ihr finanzielles Kapital gezielt ein, kann der Anstieg der CO2-Emissionen gestoppt werden, so Ben Constable-Maxwell von M&G Investments.

Der Klimawandel stellt Anlegerinnen und Anleger vor enorme Herausforderungen. Anstatt tatenlos zuzusehen, seien Investoren aber in einer mächtigen Position und können Unternehmen zu umweltfreundlicheren Praktiken bewegen, meint Ben Constable-Maxwell von M&G Investments.

30.09.2020, 08:36 Uhr

Redaktion: alm

Hurrikane, Überschwemmungen, Waldbrände und Dürren – extreme Wetterereignise häufen sich. Zudem werden sie immer stärker und heftiger. "Die Ursachen und Folgen des Klimawandels lassen sich schlicht nicht mehr ignorieren", stellt Ben Constable-Maxwell, Head of Sustainable and Impact Investing bei M&G Investments, fest. Seiner Meinung nach sei der Klimawandel mit Sicherheit die grösste Herausforderung für die Weltgemeinschaft. Ein globaler Temperaturanstieg um 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau, wie vom Weltklimarat (International Panel on Climate Change, IPCC) prognostiziert, würde deutliche Auswirkungen haben. Bei 2 Grad Celsius geht er von gravierenden Folgen aus.

Ein Anstieg der CO2-Emissionen würde nicht nur die Gesundheit unseres Planeten gefährden, sondern auch unseren finanziellen Wohlstand. "Aber so gewaltig die Herausforderung auch ist, bin ich angesichts des Beitrags, den Anlegerinnen und Anleger mit einem gezielten Einsatz ihrer finanziellen Mittel leisten können, doch zuversichtlich", so Constable-Maxwell.

Positive Veränderungen fordern

Aktive Vermögensverwalter nehmen das Management von Unternehmen in Sachen Unternehmensstrategie und Governance schon seit Jahren in die Verantwortung. Ebenso sei es nun wichtig, dass Investorinnen und Investoren beim Thema Klimawandel ihren Einfluss geltend machen. "Ich glaube fest daran, dass es die Aufgabe eines jeden verantwortungsvollen Anlegers ist, vom Management positive Veränderungen zu fordern. Ein offener und ehrlicher Dialog über die Risiken, die der Klimawandel für das Unternehmen birgt, kann Ansichten und Strategien beeinflussen", erklärt der Experte.

Wenn es darum geht, der Bewältigung von Klimarisiken genügend Gewicht beizumessen, sei insbesondere mehr Transparenz in der Berichterstattung ein wichtiger Faktor. Die Taskforce for Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hat einen Rahmen für eine einheitliche Berichterstattung über klimabezogene Finanzrisiken entwickelt. Unter anderem fordert diese, die Klimaberichterstattung als festen Bestandteil in die Finanzberichterstattung aufzunehmen.

Zudem seien ambitionierte Ziele und Kennzahlen notwendig, um sicherzustellen, dass den Unternehmen bei der Reduktion von Risiken messbare Fortschritte gelingen. "Ein weiterer wichtiger Schritt ist, die Vergütung an das Erreichen klimabezogener Ziele zu koppeln. Werden Fortschritte belohnt und Anreize entsprechend darauf abgestimmt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch erreicht werden", sagt Constable-Maxwell.

Etablierte Unternehmen sollen Vorreiterrolle einnehmen

Die Umstellung auf eine kohlenstoffärmere Wirtschaft werde effektiver sein, wenn etablierte Unternehmen dazu bewegt werden können, dabei eine aktive Rolle zu spielen. Halbiere beispielsweise ein weltweit tätiger Autohersteller den CO2-Ausstoss der zehn Millionen Fahrzeuge, die er pro Jahr produziert, werde die Wirkung auf die Umwelt erheblich grösser sein als die eines Unternehmens, das im Jahr 1'000 emissionsfreie Autos herstellt.

Als Beispiel nennt Constable-Maxwell Ørsted. Das dänische Energieunternehmen ist einer der grössten Unterstützer der Umstellung auf erneuerbare Energien, obgleich sein Fokus einst auf fossilen Brennstoffen lag. Bis heute hat Ørsted mehr Offshore-Windparks errichtet als jedes andere Unternehmen weltweit und will bis 2023 ganz auf die Kohleverstromung verzichten. Dann wird es seine CO2-Emissionen im Vergleich zu vor zehn Jahren um 96% reduziert haben.

Und dies sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für Investorinnen und Investoren: "Wenn sich führende Unternehmen weiterentwickeln und Trends wie die steigende Nachfrage nach Ökostrom für sich nutzen können, besteht für ihre Aktionäre eine gute Aussicht, nachhaltige finanzielle Erträge zu erzielen und einen Beitrag zu einer erkennbar positiven Wirkung für das Klima zu leisten."

Den Druck aufrechterhalten

Auch wenn es so scheine, als würde die Abkehr von der aktuellen CO2-intensiven Wirtschaft nur schleppend erfolgen, zeigt sich Constable-Maxwell zuversichtlich, dass die Unternehmen – angetrieben vom legislativen, normativen und wirtschaftlichen Druck – das Tempo anziehen werden. Die guten Absichten zeigen sich beispielsweise an der Zahl der Unternehmen, die zugesagt haben, ihren Beitrag zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf weniger als 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu leisten – ein Ziel, das auch das Klimaschutzabkommen von Paris formuliert.

"Es ist richtig, dass Anleger Unternehmen unterstützen, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagieren. Es ist aber auch richtig, hier klare Fortschritte zu erwarten. Wenn Unternehmen nicht handeln, haben die Anleger eine Verantwortung, alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen", so Constable-Maxwell. Die Warnung, die eigene Beteiligung zu verkaufen, könne zwar ein effektives Mittel sein, aber ein Allheilmittel sei es nicht. Wirksamer sei es, die eigenen Möglichkeiten als Investor zu nutzen und gemeinsam mit anderen Aktionären Druck auf Unternehmen auszuüben, die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Untätigen drohen finanzielle Verluste

Anleger mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 34 Bio. US-Dollar haben sich der Initiative "Climate Action 100+" angeschlossen. Zusammen wollen sie gewährleisten, dass die weltweit grössten Verursacher von Treibhausgasemissionen Massnahmen zum Klimaschutz ergreifen. Nachdem Investoren 2018 auf Shell eingewirkt hatten, sagte der Ölkonzern nicht nur zu, CO2-Emissionsziele festzulegen, sondern knüpfte auch die langfristigen Bonus- und Vergütungspläne für Führungskräfte an das Erreichen eben dieser Ziele. Auch BP hat zugesagt, seine Investitionsausgabenstrategie an dem Abkommen von Paris auszurichten.

"Welche Umweltrisiken Untätigkeit in Sachen Klimaschutz mit sich bringt, ist offensichtlich. Wenn Unternehmen nicht handeln, drohen ihnen und ihren Anlegern nicht nur finanzielle Verluste, sie lassen sich auch die Chance auf Erfolge entgehen, die die Bewältigung dieser Herausforderung mit sich bringen", meint Constable-Maxwell abschliessend.

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