investrends.ch-Umfrage: Weit verbreitete Sorgen um Greenwashing

Viele Anleger fragen sich, wie "grün" nachhaltige Anlagen wirklich sind. (Bild: Shutterstock.com/Bene A)
Viele Anleger fragen sich, wie "grün" nachhaltige Anlagen wirklich sind. (Bild: Shutterstock.com/Bene A)

Nahezu neun von zehn Teilnehmenden an der Umfrage finden, dass der Etikettenschwindel bei nachhaltigen Anlagen weit verbreitet ist. Die Akteure am Finanzplatz sind sich der Problematik bewusst und treiben die Transparenz voran.

24.09.2021, 14:42 Uhr

Redaktion: rem

Bei der Berichterstattung der Asset Manager auf investrends.ch kann man beim Thema "Nachhaltigkeit" und ESG (Umwelt, Soziales und Governance) von einem regelrechten Hype sprechen. Das erstaunt insofern nicht, als gemäss einer Studie von Swiss Sustainable Finance (SSF), die in Zusammenarbeit mit dem Center for Sustainable Finance and Private Wealth (CSP) der Universität Zürich erstellt wurde, das Volumen nachhaltiger Fonds im Jahr 2020 um 48% gestiegen ist und mit 52% (2019: 38%) erstmals mehr als die Hälfte des gesamten Schweizer Fondsmarktes ausmacht. "Dies ist eine Erfolgsgeschichte, die sich auch in den steigenden nachhaltigen Anlagevolumen von institutionellen Investoren (+15%) bzw. von nachhaltigen Mandaten (+29%) manifestiert", kommentierte Sabine Döbeli, CEO von SSF, die Zahlen. Die Anlagepraktiken würden zudem immer ausgeklügelter: insgesamt werden bei 87% (2019: 83%) des gesamten Volumens der nachhaltigen Anlagen zwei oder mehr nachhaltige Anlageansätze kombiniert.

Zweifel sind verbreitet

Doch wie "grün" sind nachhaltige Anlagen wirklich? Der Studie "Sustainability Funds Hardly Direct Capital Towards Sustainability" von Greenpeace zufolge werden die untersuchten Fonds ihrer Aufgabe bislang zu wenig gerecht. Nachhaltige Fonds hätten einen minimal besseren ESG-Impact-Score und wirkten nur minimal besser auf die Bereiche Umwelt, Gesellschaft und gute Geschäftsführung. Der Unterschied sei so klein, dass die sogenannt nachhaltigen Anlagefonds im ESG-Impact-Rating von Inrate kaum merklich besser bewertet worden sind als konventionelle Fonds. Nur umweltbezogene Themenfonds konnten den ESG-Impact-Score erhöhen, wenn auch minim.

Laut einer Studie von Schroders steht Nachhaltigkeit am Schweizer Finanzplatz zwar hoch im Kurs und ist für viele Anleger mittlerweile ein zentrales Anliegen geworden. Allerdings machen sich 38% der befragten Schweizer Investoren Sorgen um das Greenwashing. Weltweit betragen die Bedenken um den Etikettenschwindel beim Vertrieb von Nachhaltigen Anlagen gar knapp 60%. Rund die Hälfte (46%) der Befragten hat Zweifel, ob die Risiken bei nachhaltigen Investitionen mess- und handelbar sind – das entspreche einem deutlichen Anstieg gegenüber 2020.

Die Zweifel der Anlegerinnen und Anleger, dass in Nachhaltigen Anlagen wirklich auch das drin ist, was sie versprechen, sind also durchaus vorhanden. Ausgeprägt drückt sich dies in der investrends.ch-Umfrage aus: 86,7% sind der Meinung, dass Greenwashing weit verbreitet ist.

Transparenzanforderungen für ESG-bezogene Investments

Die Asset-Management-Branche scheint sich dieser Zweifel bewusst zu sein. So hat Swiss Sustainable Finance Transparenz-Empfehlungen mit konkreten Elementen der Berichterstattung lanciert, welche die Beurteilung von ESG-Leistungen von Portfolios erlauben. Dies vor dem Hintergrund, dass die Aufsichtsbehörden verschiedener Finanzplätze damit begonnen haben, höhere Transparenzanforderungen für ESG-bezogene Investments durchzusetzen, die unter anderem auf komplexen Taxonomien zur Wirtschaftstätigkeit und umfangreichen Angaben zur Verletzung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards beruhen.

Dennoch sei es sowohl für Vermögensverwalter als auch für Asset Owner schwierig, ein einfaches und konzises Berichterstattungssystem zu entwickeln, das die Vergleichbarkeit verschiedener Portfolios ermögliche, da bisher keine einheitlichen Standards zu relevanten qualitativen Informationen oder quantitativen Key Performance Indicators (KPIs) existierten, so SSF. "Die Herausforderung für uns bestand darin, die Bedürfnisse der Asset Owner zu berücksichtigen, welche in der Praxis oftmals Daten verschiedener Anbieter kombinieren müssen und dabei die Umsetzbarkeit für Vermögensverwalter einzubeziehen. Ziel der neuen Transparenz-Empfehlungen ist die Festlegung von zentralen Datenpunkten, die einen konzisen Überblick über die ESG-Leistung eines Portfolios bieten, ohne dabei den Vermögensverwaltern unnötige Berichtspflichten aufzubürden", sagte Döbeli dazu.

Schlechte Datenqualität

Am Asset Management Day 2021äusserte sich Daniela Stoffel, Staatssekretärin für internationale Finanzfragen, zur Rolle des Bundes betreffend den Asset-Management-Standort Schweiz. Der Bundesrat sehe grosse Chancen für einen nachhaltigen Finanzplatz Schweiz und wolle den Regulierungsrahmen optimieren. Industrie und Verbände seien aufgefordert, Nachhaltigkeit voranzutreiben und die Massnahmen des Bundesrates zu vertiefen und umzusetzen. Markus Leippold vom Department of Banking and Finance der Universität Zürich zeigte am gleichen Anlass die Wirkung und die Vorteile von Impact Investing auf. Demnach nahmen von 2016 bis 2020 nachhaltige Vermögen um über 50% auf USD 35.3 Bio. zu. Die grösste Herausforderung auf dem Weg in Richtung ESG Investing sei jedoch die schlechte Datenqualität.

Die Akteure am Finanzplatz Schwiz sind sich also der Herausforderungen bei Nachhaltigen Anlagen durchaus bewusst. Jetzt gilt es, einen transparenten Rahmen zu schaffen, der den Etikettenschwindel erst gar nicht mehr möglich macht.

In der nächsten Umfrage können Sie über den Interventionismus Chinas Ihre Meinung abgeben. Hier geht es zur Umfrage.

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