Die Entzauberung der "Stewardship"-Mythen

Jedes Engagement der Investoren ist einzigartig und kann etwas bewirken. (Bild: Shutterstock.com/EtiAmmos)
Jedes Engagement der Investoren ist einzigartig und kann etwas bewirken. (Bild: Shutterstock.com/EtiAmmos)

Schroders betrachtet "Stewardship" als untrennbarer Bestandteil von nachhaltigen Investitionen. Aber es herrsche viel Verwirrung darüber, was der Begriff bedeute und wie Stewardship in der Praxis funktioniere. Der Asset Manager bricht die zehn häufigsten Mythen auf.

12.02.2020, 16:28 Uhr

Redaktion: rem

In einer Welt, in der der Begriff "Nachhaltigkeit" überall vorkommt und in aller Munde ist, erscheint der Begriff "Stewardship" fast schon altmodisch. Schroders denkt, dass es alles andere als das ist. Sie ist ein untrennbarer Bestandteil von nachhaltigen Investitionen. Aber es herrscht auch viel Verwirrung darüber, was Stewardship bedeutet und wie sie in der Praxis funktioniert. Der Asset Manager zeigt anhand von zehn Mythen auf, wie er Unternehmen zur Verantwortung zieht.

Die zehn Stewardship-Mythen

1. Stewardship ist nur eine Übung zur Einhaltung der Vorschriften:

Nein, Stewardship ist ein komplexer Begriff, der eine Vielzahl von Aktivitäten umfasst, die miteinander verbunden sind und sich gegenseitig befruchten. Auf der ganzen Welt wird versucht, Best Practice Stewardship zu definieren. Doch es gibt keine eindeutige Erfolgsformel, sodass einfach ein Kästchen auf einer Checkliste abgehakt werden könnte.

Schroders identifiziert acht Handlungsfelder, wie Stewardship bei Unternehmen umgesetzt werden sollte – in dem Sinne, dass Stewardship ein integraler Bestandteil einer Investition ist:

- allozieren
- beobachten und überprüfen
- verpflichten
- abstimmen
- recherchieren
- ausbilden und trainieren
- kollaborieren
- beeinflussen

2. Bei Stewardship geht es um den Vorrang der Aktionäre:

Nein, nicht nur. Unternehmensführung sollte von dem Grundsatz geleitet sein, dass Unternehmen langfristige Werte für die Aktionäre schaffen und die Interessengruppen wie Kreditgeber, Mitarbeiter, Gemeinden, Kunden, Lieferanten, Aufsichtsbehörden und die Umwelt gebührend berücksichtigen müssen. Da Unternehmen nicht in einem Vakuum arbeiten, ist es in der Tat fraglich, ob sie Wert schaffen können, wenn sie nicht alle ihre Interessengruppen berücksichtigen. Die Interessen der Stakeholder spielen eine grosse Rolle für die Fähigkeit der Unternehmen, langfristig Wert zu schaffen.

3. Stewardship ist in den verschiedenen Holdings desselben Unternehmens unterschiedlich:

Ja, aber die Bündelung der Beteiligungen an einem Unternehmen über die Fonds hinweg gibt mehr Schlagkraft und erhöht die Chancen, dass dieses Unternehmen auf das Engagement des Investors hört und darauf reagiert. Das bedeutet, dass Stewardship am besten wirkt, wenn sie auf Unternehmensebene stattfindet und indem alle verschiedenen Beteiligungen desselben Unternehmens produktübergreifend zusammengefasst werden.

4. Es gibt eine "typische" Art und Weise, sich zu engagieren:

Nein, jedes Engagement ist einzigartig. Es gibt verschiedene Triebkräfte, die Unternehmen kennzeichnen und es gibt verschiedene Arten, mit ihnen zu interagieren. Zudem unterscheiden sich die Ansätze in verschiedenen Regionen und Anlageklassen.

Das bedeutet, dass es ein Mosaik verschiedener Instrumente braucht. Welche gewählt werden, hängt von den Umständen des jeweiligen Falles ab und davon, was sich in einer ähnlichen Situation als wirksamstes Vorgehen erwiesen hat.

5. Engagieren bedeutet zuspitzen:

Nein, die Grundlage für eine effektive Steuerung ist eine regelmässige, nicht konfrontative Kommunikation mit den Unternehmen.

Ein grosser Teil der Stewardship und des Engagements mit Unternehmen besteht darin, Fakten zu ermitteln, zusätzliches Verständnis zu erlangen und Erkenntnisse über Geschäftsmodelle zu gewinnen. Dies trägt zum Aufbau guter, langfristiger Beziehungen mit Unternehmen bei und erhöht die Erfolgschancen, wenn man Risiken wahrnehmen und Veränderungen erleichtern will.

6. Die Veräusserung ist die einzige Möglichkeit, echte Veränderungen zu bewirken:

Nein, der Verkauf von Firmenanteilen sollte erfolgen, wenn dies im besten Interesse der Kunden ist. Und es gibt viele, potenziell wertschaffende Möglichkeiten, die ausgelotet werden sollten, bevor es zur Eskalation kommt.

Eine Desinvestition kann ein mächtiges Instrument für aktive Manager sein, sollte aber nicht leichtfertig eingesetzt werden. Eine Alternative ist Engagement und Stewardship, d.h. die Verwaltung der bestehenden Beteiligungen, anstatt bestehende Positionen angesichts des ersten auftauchenden Problems zu veräussern. So zu handeln wird besonders relevant, wenn die Bestände in die Hände anderer, möglicherweise nicht informierter und nicht engagierter Investoren übergehen könnten.

7. Die Abstimmung gegen die Unternehmensleitung ist der einzige Beweis für einen engagierten Investor:

Nein, dagegen zu stimmen ist ein Hinweis darauf, dass das vorangegangene Engagement eher unwirksam war.

Gegen die Geschäftsführung abzustimmen oder sich der Stimme zu enthalten, sind Wege der Eskalation. Das sollte laut Schroders nur getan werden, wenn es im besten Interesse der Kunden ist. Dies erfolgt jedoch in der Regel nach einem Engagement, das nicht das gewünschte Ergebnis erzielt hat, und es keine Anzeichen dafür gibt, dass dies der Fall sein wird.

8. Stewardship erfolgt getrennt von den Investitionen:

Nein, der Grund für die Ausübung von Stewardship ist, dass sie Teil der Investition in ein Unternehmen ist.

9. Bei nachhaltigen Investitionen geht es nicht um Stewardship:

Nein, Stewardship ist ein integraler Bestandteil in der Art und Weise, wie Nachhaltigkeit mittels Überwachung von Beteiligungen erreicht werden kann. Dies ist unabhängig davon, ob diese Beteiligungen Teil einer thematischen Strategie sind (die z.B. auf den Klimawandel abzielt) oder nicht.

10. Stewardship ist undurchsichtig und findet hinter verschlossenen Türen statt:

Nein, nicht unbedingt. Natürlich dürfen nicht alle Einzelheiten jeder Diskussion offengelegt werden, aber die Ziele und Ergebnisse des Engagements sowie die Abstimmungsentscheidungen können regelmässig veröffentlicht werden.

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