03.09.2026, 07:51 Uhr
Die Nachfrage nach Büroflächen hat sich trotz Homeoffice wieder erholt. Doch nun steht mit KI die nächste Herausforderung vor der Tür. Die Raiffeisen-Ökonomen rechnen deswegen mit einem spürbaren...
Die Schweizer Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 mit 1,5 Prozent das stärkste Quartalswachstum seit 2021 verzeichnet – deutlich mehr, als von Ökonomen erwartet. Swiss Life Asset Managers revidiert seine Jahresprognose entsprechend markant nach oben, mahnt aber gleichzeitig zur Vorsicht bei der Interpretation der Zahlen.
Gemäss der Flash-Schätzung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) geht der Wachstumsschub vor allem auf die Produktionsseite zurück – konkret auf einen kräftigen Anstieg in der Chemie- und Pharmabranche. Ob dahinter nachhaltige Nachfrage oder Vorzieheffekte stehen, weil Unternehmen mögliche US-Zollmassnahmen fürchten, lässt sich laut den Ökonomen von Swiss Life noch nicht abschliessend beurteilen. Klarheit soll die für den 3. September angekündigte Aufschlüsselung nach Verwendungsseite bringen – dann zeigt sich, ob Inlandkonsum, Exporte, Investitionen oder Lageraufbau für den Schub verantwortlich waren.
Als gesichert gilt für die Autoren um Chefökonom Marc Brütsch, dass die Binnenkonjunktur weiterhin von der expansiven Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gestützt wird. Für das Gesamtjahr 2026 hebt Swiss Life die Wachstumsprognose auf 1,9 Prozent an – deutlich über dem Konsens von 1,1 Prozent. Für 2027 wird mit 1,4 Prozent gerechnet.
Das gezeigte Wachstum liegt über der von Swiss Life geschätzten Potenzialrate der Schweizer Wirtschaft. Bei anhaltendem Tempo dieser Grössenordnung wären laut den Ökonomen Überhitzungserscheinungen und entsprechende Inflationsrisiken zu erwarten. Solche Signale erkennen sie derzeit aber nicht: Zweitrundeneffekte in Reaktion auf höhere Energiepreise blieben bislang sowohl auf Hersteller- wie auch auf Konsumentenstufe aus. Die Kerninflation verharrte im Juli bei 0,3 Prozent. Für 2026 rechnet Swiss Life mit einer Inflation von lediglich 0,4 Prozent, für 2027 mit 0,8 Prozent.
Entsprechend dürfte die SNB an ihrer abwartenden Haltung festhalten – ausser die Europäische Zentralbank (EZB) würde einen Zinserhöhungszyklus einleiten oder die Märkte einen solchen einpreisen.
An den Finanzmärkten zeigte sich der Franken im August gegenüber dem Euro erneut schwächer: EUR/CHF notierte zeitweise bei 0,94. Swiss Life vermutet, dass Investoren den Franken anstelle des japanischen Yen als Finanzierungswährung für Carry Trades nutzten – die Safe-Haven-Eigenschaften des Frankens seien trotz geopolitischer Unsicherheiten kaum gefragt gewesen. Nach drei Monaten Aufwertung erwartet Swiss Life im September eine Pause bei EUR/CHF und bleibt bei der Prognose neutral, bei USD/CHF hingegen positiv.
Die Rendite zehnjähriger Schweizer Staatsanleihen sank im August um 5 Basispunkte, während sich Schweizer Investment-Grade-Spreads leicht ausweiteten. Bei Staatsanleihen bleibt Swiss Life für die Schweiz insgesamt neutral positioniert.
International bleibt das Bild differenzierter: Für die Eurozone rechnet Swiss Life 2026 mit 0,8 Prozent Wachstum, für die USA mit 2,1 Prozent. China wird die Wachstumsprognose wegen der anhaltenden Immobilienmarktkorrektur und der Folgen der Öllieferstörungen durch die Schliessung der Strasse von Hormus auf 4,5 Prozent gesenkt. Bei den Aktienmärkten bleibt Swiss Life für September insgesamt vorsichtig positioniert, hält aber an einem Übergewicht in Aktien und einem Untergewicht bei Unternehmensanleihen fest – gestützt auf eine der stärksten Berichtssaisons der vergangenen Jahre, angeführt von KI-nahen Titeln in den USA und den Schwellenländern.