02.11.2026, 07:23 Uhr
Patrimonium Asset Management will den Immobilienfonds Sustainable Real Estate Switzerland (SRES) im Sommer 2027 in den Patrimonium Swiss Real Estate Fund (PSREF) integrieren. Entstehen soll ein Schweizer...
Schwerpunkt US-Zwischenwahlen (2/3) – Für den Gesamtmarkt dürfte die Wahl wenig entscheiden, für einzelne Anlageklassen und Branchen umso mehr. Der wichtigste Übertragungskanal ist der Anleihenmarkt: Ob neue Mehrheiten die Defizite begrenzen oder nur andere, ebenso teure Kompromisse erzwingen, bestimmt über die langfristigen Zinsen – und damit über die Bewertungen.
«Unternehmen schaffen letztlich durch Gewinne Wert, nicht durch Wahlergebnisse», sagt Michael Heldmann, CIO Equity bei Allianz Global Investors. Die grundlegenden Renditetreiber blieben Zinsen, Gewinnwachstum und der KI-Investitionszyklus. Das heisst nicht, dass die Midterms bedeutungslos sind. Sie verändern die Erwartungen an Staatsausgaben, Regulierung und Inflation – und diese wirken je nach Anlageklasse sehr unterschiedlich.
Am deutlichsten formuliert es Arthur Jurus, CIO Private Wealth Management bei ODDO BHF Schweiz: «Die Midterms werden weniger an der Wahlurne als durch das Zinsumfeld entschieden.» Der Finanzierungsbedarf für KI, Verteidigung, Energiewende und Haushaltsdefizit sei enorm, Anleger verlangten bereits eine höhere Vergütung für langfristige Kredite an den amerikanischen Staat. Zusätzliche Konjunkturimpulse würden vor allem die langen Zinsen nach oben treiben.
Goldman Sachs Asset Management sieht diesen Druck unabhängig vom Wahlausgang: «Wir erwarten, dass hohe Defizite und eine starke Mittelaufnahme des Staates die Renditen am langen Ende weiter steigen lassen, unabhängig vom Wahlkalender.» Statt auf die Richtung der Zinsen setzt das Haus auf Relative-Value- und Zinskurvenpositionen. Die ING hat die Szenarien durchgerechnet: Bei einem geteilten Kongress erwartet sie für zehnjährige US-Staatsanleihen Renditen zwischen 5,25 und 5,5 Prozent, selbst bei einem demokratischen Sieg in beiden Kammern könnte die Marke von 5,5 Prozent erreicht werden. Erst ein republikanischer Durchmarsch würde sie darüber treiben, zweijährige Papiere lägen dann um 5 Prozent.
Etwas optimistischer ist Afonso Borges, Fixed Income Research bei Julius Bär. Ein demokratisches Repräsentantenhaus würde weitere Vorhaben entlang der Parteilinie verhindern, die geringere Bandbreite möglicher Ergebnisse könne längere Anleihen stützen. Alex Rohner, Fixed Income Strategist bei J. Safra Sarasin, sieht in einem demokratischen Sieg einen Beitrag zur Unabhängigkeit der Fed, rechnet aber unabhängig vom Ausgang mit einer robusten US-Wirtschaft und weiteren Zinserhöhungen. Gegenstimmen kommen von Carmignac und der DWS: Auch überparteiliche Kompromisse können zusätzliche Ausgaben enthalten. Carmignac bleibt bei langen Laufzeiten vorsichtig.
Allianz GI lenkt den Blick zudem auf das kurze Ende. Bei einem geteilten Kongress könnten die Haushaltsfristen im Dezember und der erwartete Streit um die Schuldenobergrenze im Frühjahr 2027 vor allem kurz laufende Treasuries belasten. Mit näher rückenden Terminen sei höhere Volatilität zu erwarten.
Bei Unternehmensanleihen ist der Wahleffekt schwer nachzuweisen. Die DWS hat die sechs Midterm-Zyklen seit 2002 untersucht und bei Hochzinsanleihen keinen konsistenten eigenständigen Einfluss auf die Kreditaufschläge gefunden. Wichtiger seien Kreditzyklus und Konjunktur, wobei die kleine Stichprobe die Aussagekraft begrenze. Die UBS bevorzugt im Anleihenbereich Unternehmensanleihen guter Qualität und Hochzinsanleihen sowie verbriefte Anlagen. ODDO BHF setzt ebenfalls auf Unternehmensanleihen guter Qualität, ist bei Hochzinsanleihen aber vorsichtig, weil deren Emittenten am anfälligsten für dauerhaft strengere Finanzierungsbedingungen sind.
Für den Gesamtmarkt ist die Historie ermutigend. Gemäss Carson Investment Research lag der S&P 500 seit 1950 zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl höher, im Schnitt um 16,6 Prozent. Moventum gibt aber zu bedenken, dass der übliche Rücksetzer im Wahljahr diesmal ausgeblieben ist – ein Teil des Aufholpotenzials fehle. Zudem lässt sich aus dem Muster keine Kausalität ableiten.
Juhi Dhawan, Makrostrategin bei Wellington Management, erwartet kleine Indexeffekte, aber potenziell grosse Sektorrotationen, sobald Anleger die Gewinnaussichten politisch begünstigter Bereiche neu bewerten. Die Einschätzungen der Häuser ergeben ein recht klares Bild:
| Szenario | Mögliche Profiteure | Mögliche Verlierer |
|---|---|---|
| Demokraten in beiden Kammern | Gesundheit und Basiskonsum bei Rücknahme von Sozialkürzungen (Allianz GI), erneuerbare Energien (Moventum, Wellington) | KI- und Rechenzentrumsbetreiber bei strengerer Regulierung, Banken |
| Geteilter Kongress | Breiter Markt dank begrenzter Fiskalimpulse (ODDO BHF) | Kurz laufende Treasuries bei Haushaltsstreit (Allianz GI) |
| Republikaner in beiden Kammern | US-Banken, Small Caps, Öl und Gas (Pictet), Verteidigung, Finanzdienstleister, Energie (Allianz GI) | Lange Staatsanleihen wegen höherer Defizite |
Unabhängig vom Ausgang gilt laut Moventum: Im Gesundheitssektor bleibt ein Regulierungsrisiko, weil beide Parteien mit Medikamentenpreisen Wahlkampf machen. Relativ sicher ist die Rüstung, da höhere Verteidigungsausgaben von beiden Seiten getragen werden. Goldman Sachs AM trennt strukturelle Gewinner wie KI-Infrastruktur, Verteidigung, Energiesicherheit und robustere Lieferketten von Unternehmen, deren Gewinne an Subventionen oder Steuergutschriften hängen – solche Hilfen könnten verzögert, gekürzt oder gestrichen werden.
Den wichtigsten Markttreiber sehen fast alle Häuser unverändert in der künstlichen Intelligenz. «Alles andere ist derzeit weitgehend Hintergrundrauschen», sagt Garrett Melson von Natixis IMS. Das grössere politische Risiko liegt nicht in Washington, sondern in den Bundesstaaten. In der Legislaturperiode 2026 erwogen laut PIMCO 40 Bundesstaaten Beschränkungen für Rechenzentren, 14 davon ein vollständiges Moratorium. Am Dienstag stehen rund 6'000 Sitze in den Parlamenten der Bundesstaaten zur Wahl, dazu 39 Volksabstimmungen zu Rechenzentren. Brisant ist das, weil rund 75 Prozent des bisherigen Ausbaus in republikanisch regierten Staaten stattgefunden haben.
«Rechenzentren benötigen Strom, Netzanschlüsse und lokale Infrastruktur. Bundesstaaten und Kommunen können Planungs- und Genehmigungsverfahren beeinflussen», sagt Peter Doralt, Finanzanalyst bei der DWS. Strengere Auflagen oder höhere Infrastrukturbeiträge könnten die Gewinne einzelner Unternehmen belasten, auch wenn sich der Index kaum bewegt. Die UBS sieht genau hier eine parteiübergreifende Schnittmenge: Rechenzentrumsbetreiber sollen mehr Kosten für Stromnetze tragen. Den gesamten Ausbau der Rechenkapazitäten dürfte die Wahl nach Einschätzung von Allianz GI aber nicht wesentlich bremsen. Melson sieht in einem langsameren Tempo sogar einen Vorteil: Es würde den Inflationsdruck dämpfen und den Wachstumsimpuls über längere Zeit verteilen.
Beim Dollar erwarten die meisten Häuser wenig. Der Zahlungsdienstleister Convera rechnet bei einer geteilten Regierung mit einer begrenzten ersten Reaktion, das grössere Aufwärtsrisiko für die US-Währung wäre ein republikanischer Sieg in beiden Kammern. Für eine nachhaltige Bewegung brauche es veränderte Erwartungen an Haushalt, Zinsdifferenzen oder Fed-Politik. ODDO BHF sieht die Effekte selbst im republikanischen Szenario uneinheitlich: Eine günstigere Zinsdifferenz würde den Dollar stützen, verstärkte Sorgen um die Staatsfinanzen könnten ihn schwächen. Julius Bär warnt, ein Streit um die Schuldenobergrenze könne die Währung belasten.
Pictet Asset Management sieht zwei Extremszenarien, gegen die sich ein Schutz lohnen könnte. Ein Erdrutschsieg der Demokraten mit starken progressiven Kandidaten in bisherigen Trump-Gebieten würde die Märkte rasch einen Linksruck 2028 einpreisen lassen, mit höheren Unternehmenssteuern und schärferer KI-Regulierung. US-Aktien könnten dann um 10 bis 15 Prozent fallen, das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 auf den 30-Jahres-Schnitt von 16,5 sinken. Als Versicherung empfiehlt Chefstratege Luca Paolini weder Gold noch Anleihen, die zuletzt nicht verlässlich geschützt hätten, sondern kurzfristige Put-Optionen auf den S&P 500. Der Schutz gegen einen Rückgang von 10 Prozent innerhalb eines Monats koste rund 0,2 Prozent des Indexwerts. Wer das Klumpenrisiko in grossen Technologiewerten senken will, könne zudem auf eine gleichgewichtete Aktienallokation umstellen.
Im dritten Teil des Schwerpunkts: Was die Midterms für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz bedeuten.