03.08.2026, 08:33 Uhr
Der kanadische Asset Manager 3iQ Digital Asset Management baut seine Präsenz in der Schweiz und der DACH-Region gezielt aus. Im Interview erklärt Christophe Racine, Head DACH Region bei 3iQ, welche Rolle die Schweiz...
Eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt: Unabhängige Vermögensverwalter (UVV) setzen sich zwar breit mit Künstlicher Intelligenz (KI) auseinander, eine tiefe Integration in die Kernprozesse fehlt jedoch weitgehend. Was sind die Gründe?
Die HSLU hat gemeinsam mit dem Zürcher WealthTech-Unternehmen Finup und im Auftrag der Innovationsförderagentur Innosuisse die KI-Nutzung im Markt für Vermögensverwalter untersucht. Für die Studie wurden zwischen April und Juni 2026 41 Unabhängige Vermögensverwalter (UVV) strukturiert befragt, ergänzt durch neun leitfadengestützte Videointerviews von je 60 Minuten Dauer zwischen März und Juli 2026. Angesichts von schweizweit 1'427 bewilligten UVV verstehen die Autoren die Untersuchung als explorative Studie.
Keines der 41 teilnehmenden Unternehmen gab an, weder Pläne noch Interesse an KI zu haben. 49 Prozent der UVV nutzen KI bereits in ausgewählten Prozessen, weitere 39 Prozent befinden sich in der Erkundungs- oder Planungsphase. Lediglich 12 Prozent haben das Thema bislang nur diskutiert, ohne konkrete Initiativen zu verfolgen.
Als wichtigster Treiber für den Einsatz von KI nannten 93 Prozent der Befragten erwartete Effizienzgewinne. Die Verbesserung der Prozessqualität (73 Prozent) sowie das Bedürfnis, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten (68 Prozent), folgen dahinter. Die Positionierung als Innovator oder Marktführer spielt mit 32 Prozent eine untergeordnete Rolle. Ein befragter Vermögensverwalter brachte das übergeordnete Ziel auf den Punkt: «Über die Jahre haben administrative Aufgaben stetig zugenommen, insbesondere wegen regulatorischer Anforderungen. Dadurch bleibt weniger Zeit für den Endkunden, was schade ist. Hoffentlich kann KI den Firmen einen Teil dieser Zeit zurückgeben.»
Die Studie zeigt eine klare Zweiteilung: In sprach- und inhaltslastigen Bereichen wie Investment-Research, Offertenerstellung und Kundenreporting ist der KI-Einsatz bereits sichtbar. Bei den 20 UVV, die KI aktiv nutzen, ist Investment-Research mit 14 Nennungen der mit Abstand am häufigsten genutzte Anwendungsfall, gefolgt von KYC/AML-Sorgfaltspflichten und Kundenkommunikation mit je acht Nennungen.
Anders sieht es bei workflow- und datenintensiven Prozessen wie Kundenonboarding oder Datenqualität und Abgleich mit Depotbanken aus: Hier bleibt der aktuelle KI-Einsatz trotz wahrgenommenem Potenzial gering. Von insgesamt 65 gemeldeten KI-Anwendungen sind 66 Prozent blosse Experimente mit öffentlichen Tools wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Claude, 23 Prozent Pilotprojekte und lediglich 11 Prozent skalierte Implementierungen.
Während 83 Prozent der Befragten KI als strategische Chance einstufen, sieht die operative Realität nüchterner aus: Nur 27 Prozent halten ihre Daten für ausreichend strukturiert und von genügender Qualität für den KI-Einsatz. Auch klare Zuständigkeiten und Prozesse (41 Prozent) sowie internes Fachwissen (41 Prozent) sind bei vielen Firmen noch nicht etabliert. Ein befragter Berater brachte es so auf den Punkt: «Ich habe eine sehr klare Sicht darauf, was die grössten Schmerzpunkte sind: Datenmanagement und Dateneigentümerschaft. Diese Themen betreffen alle Kernprozesse.»
Als grösste Hürde für die KI-Einführung nannten 85 Prozent der Befragten Datenschutz- und Vertraulichkeitsbedenken – deutlich vor Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Genauigkeit der KI-Resultate (56 Prozent) sowie regulatorischer Unsicherheit (41 Prozent). Nur 2 Prozent sehen einen Mangel an relevanten Anwendungsfällen als Hindernis. Die Studienautoren folgern daraus, dass UVV weniger eine Strategieentscheidung, sondern vor allem eine klare Roadmap und einen Marktüberblick benötigen, um von Experimenten zu skalierten Lösungen zu gelangen.
Kryptowährungen spielen im Kundengeschäft der Schweizer UVV praktisch keine Rolle. Keiner der Befragten misst Krypto-Anlagen eine hohe Relevanz bei, 39 Prozent halten sie für nicht relevant, 46 Prozent für nur begrenzt relevant. Als Hauptgründe für die geringe Bedeutung nannten die UVV mangelnde Kundennachfrage (71 Prozent) sowie fehlende Anlageüberzeugung beziehungsweise fehlende interne Research-Abdeckung (60 Prozent). Werden UVV dennoch von Kunden auf Krypto angesprochen, raten sie entweder aktiv davon ab oder akzeptieren eine begrenzte Allokation, meist zwischen 1 und 5 Prozent des investierten Vermögens.