05.06.2026, 08:34 Uhr
Bitcoin steuert auf seinen grössten Wochenverlust seit November 2022 zu. Die Leitwährung fiel am Donnerstag zeitweise bis auf rund 61'300 US-Dollar und notiert damit etwa 50 Prozent unter dem Allzeithoch von gut...
Der Zuger Private-Markets-Pionier deckelt die Rücknahmen in seinem 8,6 Milliarden Dollar schweren Evergreen-Flaggschiff und stellt weitere Gates in Aussicht. Die Aktie brach auch am Donnerstag ein, konnte sich klaren Aussagen des Managements und einer Unterstützung durch die UBS erholen.
Partners Group hat eine turbulente Woche hinter sich: Das in Zug beheimatete SMI-Unternehmen hat zunächst die Rücknahmen aus seinem Evergreen-Fonds Global Value SICAV bei 5 Prozent des Nettoinventarwerts pro Quartal begrenzt. Auslöser waren Rücknahmegesuche, die im zweiten Quartal auf rund 9,8 Prozent kletterten – also fast das Doppelte der quartalsweisen Schwelle. Der Fonds verwaltet rund 8,6 Milliarden Dollar.
Einen Tag später, am 4. Juni, verschärfte sich das Bild: Das Unternehmen kündigte an, auch seinen US-Flaggschifffonds – den in Delaware domizilierten Private Equity Master Fund mit einem Volumen von rund 16 Milliarden Dollar – zu gaten. Dort lagen die Rücknahmegesuche bei etwa 6 Prozent des Nettoinventarwerts und damit ebenfalls über der 5-Prozent-Marke. Drei weitere, überwiegend institutionell geprägte Evergreen-Fonds mit zusammen rund 9,7 Milliarden Dollar dürften im zweiten Quartal Rücknahmen zwischen 3,5 und 5 Prozent verzeichnen.
Partners Group liess keinen Zweifel daran, dass weitere Vehikel folgen könnten. Das Unternehmen erklärte, es sei bereit, den «entsprechenden Liquiditätsbegrenzungsmechanismus über weitere Fonds hinweg» zu aktivieren.
Die Reaktion an der Börse war brutal. Die Partners-Group-Aktie verlor am 3. Juni mehr als 17 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Am Folgetag stabilisierte sich der Titel knapp und notierte rund 709 Franken; auf Jahressicht steht damit ein Minus von etwa 16 Prozent zu Buche. Das Signal traf die gesamte Branche: EQT und CVC Capital Partners gaben je über 6 Prozent nach, auch KKR und Bridgepoint wurden in Mitleidenschaft gezogen.
CEO David Layton betonte, es handle sich nicht um einen Liquiditätsengpass. Der Global Value SICAV verfügte über eine Barquote von rund 15 Prozent sowie eine Kreditlinie in ähnlicher Grössenordnung und hätte sämtliche Gesuche bedienen können. Genau das sei jedoch nicht der Zweck eines Evergreen-Fonds: Das Mandat laute, investiert zu bleiben und Mittel für neue Transaktionen verfügbar zu halten. Anleger, die ihr Geld einfordern, landen in einer Warteschlange und werden in künftigen Quartalen bedient.
Damit ist der Kern der Kontroverse umrissen: Layton verweist auf die Strukturlogik – Kritiker lesen den Kurssturz als Vertrauensproblem. Denn Partners Group war der Pionier semi-liquider Private-Equity-Strukturen für vermögende Privatkunden und hat solche Vehikel vor rund zwei Jahrzehnten lanciert. Dass ausgerechnet dieses Haus die Notbremse zieht, hat Symbolkraft.
Bemerkenswert ist die gelassene Reaktion der Analystenseite. UBS-Analysten kommentierten, der Anstieg der Rücknahmegesuche komme nicht überraschend. Auch Citi sah die Entwicklung als erwartbar und verwies auf Übertragungseffekte sowie die erhöhte Unsicherheit nach den Turbulenzen im Private Credit.
Für die Schweizer Grossbank ist Partners Group in doppelter Hinsicht relevant. Als Aktienhaus führte die UBS den Titel zuletzt – vor der aktuellen Krise – mit einer Kaufempfehlung; der breitere Analystenkonsens liegt mit einem durchschnittlichen Zwölfmonats-Kursziel von rund 1'156 Franken weiterhin deutlich über dem aktuellen Kurs, mit einer Spanne von 930 bis 1'300 Franken. Zugleich gehört die UBS seit Jahren zu den Vertriebspartnern, über die wohlhabende Kundinnen und Kunden Zugang zu Private-Markets-Strategien erhalten – ein Umstand, der die Schweizer Dimension der Retailisierungsdebatte unterstreicht.
In ihrer übergeordneten Kreditmarkteinschätzung gibt sich die UBS zurückhaltender: In einem Negativszenario hält die Bank Ausfallraten im Private Credit von bis zu 15 Prozent für möglich – ein Hinweis darauf, dass die Stressdynamik in der Anlageklasse, von der die aktuelle Welle ausging, noch nicht ausgestanden ist.
Der Auslöser der Rücknahmewelle liegt im Private Credit. Dort hatten Abschreibungen, prominente Unternehmenspleiten und Fragen zu den Underwriting-Standards die Anleger verunsichert – verstärkt durch die Sorge, dass der KI-Boom die Software-Beteiligungen vieler kreditfinanzierter Firmen entwerten könnte. Mehrere Schwergewichte hatten ihre Vehikel bereits zuvor gedeckelt, darunter Apollo, KKR, BlackRock, Ares und Blue Owl.
Diese Woche zog auch Blackstone nach und begrenzte erstmals die Rücknahmen aus seinem 45 Milliarden Dollar schweren Flaggschiff Bcred, nachdem die Gesuche im zweiten Quartal auf 4,5 Milliarden Dollar respektive 10 Prozent des Nettoinventarwerts gestiegen waren. Ein noch grösserer Private-Credit-Fonds des Anbieters Cliffwater meldete Rücknahmegesuche von 17 Prozent. Bei Partners Group spielte zusätzlich eine Attacke des Leerverkäufers Grizzly Research vom April hinein: Dieser warf dem Haus vor, bis zu 40 Prozent der Fondsaktiven könnten erheblich falsch bewertet sein. Partners Group bezeichnete die Vorwürfe als haltlos, verleumderisch und irreführend; Citi-Analysten hielten die Bedenken für weitgehend übertrieben.
Trotz der Schlagzeilen fällt die systemische Einordnung differenziert aus. Bloomberg-Kolumnist Paul Davies verweist darauf, dass semi-liquide Vehikel im Private Equity nur gut 5 Prozent des gesamten Branchenvermögens ausmachen – gegenüber knapp 15 Prozent retailnaher Gelder im Private Credit. Banken sind im Private Equity zudem überwiegend gegen Investitionszusagen grosser Institutioneller abgesichert, während im Private Credit Fremdkapital zur Renditesteigerung zum Tagesgeschäft gehört. Für Partners Group selbst ist das Gate damit eine Belastung – für das Finanzsystem insgesamt deutlich weniger bedrohlich.
Hinzu kommt ein situativer Treiber: Viele Vermögende dürften Liquidität freisetzen wollen, um sich an den anstehenden Mega-Börsengängen zu beteiligen – allen voran SpaceX, dessen IPO für den 12. Juni mit einer Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar erwartet wird. Auch die steigende Attraktivität von Staatsanleihen trägt zu dem Umschwung der Kapitalgeber bei.
Nach dem Kurssturz verteidigte Partners Group seine Wachstumsziele. Über die gesamte Private-Wealth-Plattform sollen die Zuflüsse die Abflüsse im ersten Halbjahr 2026 übertreffen; die Guidance für den Bruttoneugeldzufluss von 26 bis 32 Milliarden Dollar wurde bestätigt. Für die zweite Jahreshälfte und 2027 warnt das Unternehmen jedoch, die Rücknahmeaktivität könne das Netto-Wachstum der verwalteten Vermögen um 1 bis 2 Prozent dämpfen.
Insgesamt verwaltet Partners Group über 185 Milliarden Dollar und betreibt mehr als 30 Evergreen-Fonds in fünf Anlageklassen mit einem Volumen von über 56 Milliarden Dollar. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob das Retailisierungs-Modell der Alternatives-Industrie nur eine Stressprobe durchläuft – oder eine grundlegendere Neubewertung.