12.10.2026, 10:07 Uhr
Die Holdinggesellschaft Evonext und die Sporttechnologiefirma Ascend Sport Technology haben eine verbindliche Fusionsvereinbarung unterzeichnet. Durch den Zusammenschluss soll Ascend unter eigenem Namen an der SIX...
KKR gilt seit seiner Gründung 1976 als Pionier im Bereich von Private Equity. Seit 1987 verwaltet KKR Kapital für Schweizer Institutionelle, seit Ende 2023 ist die Firma mit einem eigenen Büro in Zürich präsent. Nun will KKR hierzulande auch im Geschäft mit vermögenden Privatkunden stärker wachsen, wie KKR-Co-CEO Scott Nuttall an einem Anlass in Zürich bekannt gab.
Zunächst die Rückblende. KKR, ursprünglich bekannt als Kohlberg Kravis Roberts & Co., gilt nicht als der ursprüngliche Erfinder von Private Equity, doch sie haben die Entwicklung als eigenständige Assetklasse massgeblich mitgeprägt. Dies zunächst in den USA, wo die grossen Pensionskassen und Universitäts-Fonds schon früh in diesen Bereich investiert hatten. Die Assetklasse gehört heute weltweit zu den am stärksten wachsenden Bereichen, da sich viele Unternehmen – im Vergleich zu den neunziger Jahren – dafür entscheiden, privat zu bleiben oder in Privatbesitz zu gehen, anstatt sich über die öffentlichen Märkte zu finanzieren. Die Wachstumsfinanzierung dieser privat gehaltenen Firmen ist unter anderem dank eines fest-etablierten Privat-Equity-Bereichs möglich.
KKR-Co-CEO Scott Nuttall kann sich an die erste Phase von KKR gut erinnern: Als er und sein Co-CEO Joe Bae 1996 zu KKR stiessen, verwaltete die Firma einen einzigen Fonds von 1,9 Milliarden US-Dollar, ausschliesslich in US-Private-Equity. Zu dieser Zeit beschäftigte KKR zwischen 40 und 50 Mitarbeiter – die genaue Zahl ist nicht bekannt, da das Unternehmen keine Personalabteilung hatte, die solche Aufzeichnungen führte. Das Unternehmen machte auch keine Prognosen darüber, wie sich der Markt in den kommenden Jahren entwickeln würde.
Heute ist KKR mit 36 Büros weltweit, rund 4'500 Mitarbeitenden und knapp 800 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen über Private Equity, Credit, Infrastruktur, Real Estate sowie ein eigenes Versicherungsgeschäft aktiv. «Wir investieren heute mehr 1,9 Milliarden pro Woche», so Nuttall zum Vergleich mit dem ursprünglichen Fondsvolumen.
Zwei Wendepunkte prägten in den vergangenen Jahren die Strategie von KKR: Rund um die Finanzkrise entschied sich KKR, das Geschäftsmodell grundlegend zu ändern um mehr eigenes, dauerhaftes Kapital für Investitionen zur Verfügung zu haben.– KKR wird sein eigener grösster Investor mit einer Bilanzsumme von rund 35 Milliarden US-Dollar. «Wir wollten nicht länger nur Agent sein. Wir wollten mehr wie die Menschen sein, für die wir arbeiten – grössere Investoren in allem, was wir tun», sagte Nuttall. Um das Jahr 2010 folgte eine zweite Anpassung: «Wir haben unseren Anlageprozess grundlegend geändert», was laut Nuttall seitdem zu einer deutlichen Leistungssteigerung geführt und dem Unternehmen geholfen hat, den Fehler eines übermässigen Engagements zu vermeiden, von dem andere Fondsmanager in jüngster Zeit betroffen waren.
Zentral für das Selbstverständnis von KKR ist heute deshalb die Abgrenzung vom klassischen Asset-Management-Modell. «Wir bezeichnen uns selbst als Investmentfirma, nicht als Asset Manager oder Asset-Sammler», sagte Nuttall. Die verwaltete Vermögenssumme (AUM) sei dabei «eine dumme Kennzahl», da sie Kapital mit völlig unterschiedlichem Risiko- und Ertragsprofil gleichbehandle. Wichtiger sei das Alignment: KKR-Mitarbeitende halten rund 30 Prozent der Firma selbst, wodurch das Unternehmen «im Grunde auf der eigenen Investmentperformance wettet» – ein Modell, das KKR in Kundengesprächen erlaube zu sagen: «Wir besitzen mehr davon als Sie. Lassen Sie uns darüber sprechen, was wir gemeinsam tun.»
Diese Co-Investment-Logik zieht sich laut Nuttall auch durch die DACH-Region, wo 80 bis 90 Prozent der Zielunternehmen familiengeführt seien: «Das lässt sich in der Regel nicht mit hundertprozentiger Kontrolle vereinbaren. Sie wollen einen Partner.» Entsprechend beginnen viele Transaktionen als Minderheitsbeteiligung und können sich später zu Mehrheitsbeteiligungen entwickeln.
Für den Schweizer Markt lieferte Markus Egloff, der von Zürich aus die Funktion als Head of Global Wealth Solutions International wahrnimmt, die konkretesten Zahlen. Er zitiert Daten von Novantigo, aus denen hervorgeht, dass KKR im ersten Quartal 2026 zum grössten Verwalter von in Europa ansässigen Evergreen-Fonds für den Bereich der privaten Vermögensverwaltung wurde. eine Position, die zuvor rund zwanzig Jahre lang ein Schweizer Konkurrent innehatte. Global sieht er KKR auf Rang zwei. Gleichzeitig warnte er vor zunehmender Verwässerung im Markt: Die Zahl der Evergreen-Fonds und Zugangspunkte habe sich in den letzten Jahren stark vervielfacht, was Investoren kritischer mache – «nicht jeder Evergreen-Manager oder -Fonds ist gleich gut».
Egloff verwies zudem auf die spezifische Struktur des Schweizer Marktes: Institutionelle Anleger – wie Pensionskassen – blieben bei Private Equity weiterhin zurückhaltend, während vermögende Privatpersonen und unternehmerisch geprägte Familien in der Schweiz überdurchschnittlich stark in Private Markets investiert seien. «Es gibt eine Art Kompensation: Was man in der Pensionskasse nicht bekommt, holt man sich im eigenen Portfolio», so Egloff.
Tara Davies, Co-Head EMEA und Co-Head European Infrastructure, ordnete das Wachstum im Infrastrukturbereich in den KI-Kontext ein. KKR verwaltet dort inzwischen 120 Milliarden US-Dollar und zählt sich laut dem «Infrastructure Investor 100»-Ranking als einer der zwei grössten Infrastrukturinvestoren weltweit. «Der Infrastrukturmarkt sieht heute völlig anders aus als vor 27 Jahren, als ich in diesem Bereich zu investieren begann», sagte Davies mit Blick auf digitale Infrastruktur, die damals noch kein eigenständiger Sektor war. Als Beispiel nannte sie Glasfaseranschlüsse: «Glasfaser zu Hause ist heute definitiv eine Notwendigkeit, kein Luxus mehr.»
Zur Nachfrageentwicklung im KI-Bereich verwies Davies auf Prognosen, wonach die Nachfrage nach KI-Rechenleistung zwischen 2025 und 2033 um das 900-Fache wachsen soll. Trotzdem mahnte sie zur Selektivität: «Nicht alle Assets in der Infrastruktur sind gleich – das Risikoprofil unterscheidet sich stark.» KKR setzt dabei unter anderem auf die mit Nvidia gegründete Plattform Helix sowie auf sieben globale Rechenzentrumsplattformen.
Alisa Wood, Partnerin und Co-Leiterin des Bereichs «Private-Equity-Evergreen-Strategien» bei KKR, ordnete die Diskussion über Zurückhaltung institutioneller Investoren in einen breiteren Kontext ein. Perfektes Timing beim Einstieg in Private Equity sei illusorisch: «In dem Moment, in dem man denkt, es sei ein guter Jahrgang, ist es bereits zu spät zum Investieren. Denkt man, es sei ein schlechter, steckt man bereits zu tief in der Investition.» Entscheidend sei nicht die Anlageklasse an sich, sondern die Managerauswahl – bei einer Streuung von rund 1'400 Basispunkten zwischen den besten und schlechtesten Anbietern unter den geschätzt 19'000 bis 20'000 Private-Equity-Fonds in den USA. «Nicht investiert zu sein, ist in diesem Umfeld eines der grössten Risiken», so Wood. Und weiter: «Vielen Anlegern wird bewusst, dass das, was sie bis hierhin gebracht hat, sie in den kommenden Jahren möglicherweise nicht dorthin führen wird, wo sie hinmüssen. Das Playbook der letzten fünf Jahre wird für die nächsten fünf nicht funktionieren.»
KKR positioniert sich in der Schweiz explizit als Gewinner einer Branche, die sich laut Nuttall «K-förmig» entwickle: Während ein Teil der Konkurrenz mit Überinvestitionen aus den Boomjahren 2021/22 und blockierten Exits kämpft, verweist KKR auf Rekordwerte bei Fundraising, Deployment und Ausschüttungen – wobei letztere sich in den letzten zwölf Monaten bis zum 30. Juni auf 43 Milliarden US-Dollar an Private-Equity- und Real-Assets-LPs beliefen, einschliesslich bereits angekündigter Transaktionen (im Vergleich zu einem Durchschnitt von 18 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2021 bis 2025). Im Private-Wealth-Segment verwalten die Evergreen-Fonds von KKR derzeit rund 42 Milliarden US-Dollar, was etwas mehr als 5 Prozent des verwalteten Vermögens entspricht. Nuttall geht davon aus, dass das Wachstum im laufenden Jahr auf Basis der Entwicklung im ersten Halbjahr bei rund 40 Prozent liegen könnte – und dass dieses Segment künftig eine grössere Rolle innerhalb des gesamten Unternehmens spielen wird.