09.03.2026, 08:52 Uhr
Der Markt für tokenisierte Realwerte wächst rasant – und die Infrastruktur, die institutionelle Anleger bislang vermissten, nimmt nun konkrete Formen an. Die Schweizer Amina Bank tritt als erste regulierte Bank...
Der Schweizer Derivate-Spezialist Leonteq nominiert Barbara Heller und Jürg Steiger für seinen Verwaltungsrat. Dahinter steckt mehr als eine Routineangelegenheit: Das Unternehmen befindet sich mitten in einer heiklen Eigentumsübergabe.
Der Zürcher Fintech-Konzern Leonteq hat am Dienstag die Traktanden für seine ordentliche Generalversammlung vom 1. April 2026 veröffentlicht und gleichzeitig zwei neue Verwaltungsratskandidaturen bekanntgegeben. Nominiert werden Barbara Heller und Jürg Steiger als unabhängige Mitglieder. Susana Gomez Smith, seit sieben Jahren im Gremium und Vorsitzende des Prüfungs- und Risikoausschusses, tritt nicht zur Wiederwahl an.
Die Personalrochade hätte eigentlich auch einen neuen Präsidenten umfassen sollen. Doch die Pläne mussten kurzfristig revidiert werden.
Am 6. März 2026 wurde bekannt, dass Felix Oegerli, Adrian Gut, Rainer-Marc Frey, Tatjana Frey und Herbert Item eine Aktionärsgruppe gebildet haben und zusammen 30 Prozent der Leonteq-Aktien halten. Oegerli war vom Verwaltungsrat als künftiger Präsident vorgesehen – ein Amt, das er nun vorerst nicht antreten kann. Da er Teil jener Gruppe ist, die von Raiffeisen einen grossen Aktienblock übernimmt, hat er sich im Sinne der Corporate Governance dazu entschlossen, seine Kandidatur als Präsident bis zum Abschluss der Transaktion zurückzustellen.
Amtierender Präsident Christopher Chambers sowie Vizepräsident Philippe Weber stellen sich deshalb zur Übergangs-Wiederwahl. Für die Wahl eines neuen Präsidenten soll noch in diesem Jahr eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen werden.
Barbara Heller, Jahrgang 1967, bringt breite Erfahrung aus dem Schweizer Finanzsektor mit. Sie ist Gründungspartnerin zweier Beratungsfirmen für Corporate Governance und war unter anderem CFO bei Santhera Pharmaceuticals sowie Managing Director im Investment Banking bei der Bank Vontobel. Heller sitzt heute im Verwaltungsrat der Graubündner Kantonalbank. Nach ihrer Wahl übernimmt sie den Vorsitz des Prüfungs- und Risikoausschusses – das Erbe von Gomez Smith.
Jürg Steiger, Jahrgang 1962, verfügt über 35 Jahre Erfahrung in Kernbankdienstleistungen und strukturierten Produkten. Er war Managing Director bei Swiss Re und UBS und hält heute verschiedene Mandate, darunter ein Verwaltungsratsmandat bei Apiax. Er gilt als Experte an der Schnittstelle von Technologie und Finanzinnovation.
Die Personalfragen bei Leonteq sind nicht isoliert zu betrachten. Sie sind das Resultat eines tiefgreifenden Wandels in der Aktionärsstruktur, der sich seit Anfang März in rascher Folge entfaltet hat.
Raiffeisen Schweiz hat seinen Aktienanteil an Leonteq von knapp 30 Prozent auf noch 7 Prozent reduziert. Der Löwenanteil des verkauften Pakets – 16,2 Prozent – ging an H21 Macro Limited, deren wirtschaftlich Berechtigter der Investor Rainer-Marc Frey ist, der per Ende 2025 bereits 7,1 Prozent an Leonteq hielt. Die Kooperationsvereinbarung zwischen Raiffeisen und Leonteq, die bis 2030 läuft, ist vom Verkauf der Aktien nicht betroffen.
Raiffeisen sei seit Längerem nicht mehr besonders engagiert gewesen, kommentierte ein ZKB-Analyst den Schritt. Das habe sich im Rückzug aus dem Verwaltungsrat, der Ablehnung wichtiger Traktanden an der GV und der Forderung nach einer überhöhten Dividende gezeigt. Die Hoffnung: Ein neuer Ankeraktionär könnte frischen Wind bringen.
Leonteq hat in den vergangenen Jahren eine schwierige Phase durchlaufen. Die Finma hatte Ende 2024 festgestellt, dass Leonteq mit dem Vertrieb ihrer Finanzmarktprodukte im Ausland gegen Risikomanagement-Pflichten verstossen habe, und zog Gewinne ein. Anfang 2024 war das Unternehmen zudem wegen möglicher Mängel bei Geldwäscherei-Vorkehrungen ins Visier der Behörden in Frankreich geraten.
2024 musste Raiffeisen bereits eine Wertberichtigung von 82,4 Millionen Franken auf ihrer Leonteq-Beteiligung vornehmen. Die Aktie hat seit Jahren einen schweren Stand an der Börse.
Auf der anderen Seite gibt es Fortschritte: Die Finma hat bestätigt, dass Leonteq Securities nun als bankenäquivalente Gegenpartei qualifiziert ist, was das Risiko- und Kreditprofil des Unternehmens gegenüber Hedging-Gegenparteien und White-Labelling-Partnern verbessert. CEO Christian Spieler betonte, man sei «auf dem richtigen Weg» und konzentriere sich auf Ertragswachstum sowie die Erreichung der Guidance für 2026.
Die Generalversammlung vom 1. April wird zeigen, ob die neue Eigentümerstruktur und die frisch nominierten Verwaltungsräte tatsächlich jenen Neustart markieren, den Leonteq dringend braucht.