14.08.2026, 11:11 Uhr
Der an der SIX Swiss Exchange kotierte Fonds Realstone RSF konkretisiert seine für September geplante Kapitalerhöhung. Laut einer Mitteilung von Freitag will die Fondsleitung rund 243 Millionen Franken aufnehmen.
US-Technologiekonzerne wie Amazon und Alphabet begeben in diesem Jahr in bisher unbekanntem Ausmass Anleihen in Fremdwährungen – darunter Schweizer Franken. Investoren berichten von steigenden Finanzierungskosten, wachsender Indexkonzentration und einer veränderten Emissionstaktik kleinerer Marktteilnehmer. Was steckt dahinter?
Die grossen amerikanischen Tech-Giganten, sogenannte Hyperscaler, haben ihre Finanzierungsstrategie im laufenden Jahr spürbar verändert. Um den enormen Kapitalbedarf für den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur zu decken, greifen Amazon und Google-Mutter Alphabet zunehmend auf Fremdwährungsanleihen zurück. Betroffen sind unter anderem der Schweizer Franken, das britische Pfund und der kanadische Dollar. Die schiere Grösse dieser Transaktionen verändert das Bild in Märkten, die bislang deutlich kleiner dimensioniert waren.
Wie die «Financial Times» am Wochenende unter Berufung auf Marktteilnehmer berichtet, sorgte allein der kanadische Markt in diesem Jahr für Aufsehen: Alphabet platzierte eine Anleihe im Volumen von 8,5 Milliarden kanadischen Dollar (rund 6,1 Milliarden US-Dollar) – zwischenzeitlich die grösste je in Kanada begebene Unternehmensanleihe. Wenige Wochen später übertraf Amazon diesen Betrag mit einer Emission von 14 Milliarden kanadischen Dollar.
Die Folge: Der kanadische AA-Unternehmensanleihenindex, in dem beide Konzerne aufgrund ihrer Bonität eingestuft sind, hat sich in den vergangenen Wochen ausgeweitet. Sein Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen liegt inzwischen über jenem des tieferer eingestuften A-Index – ein ungewöhnliches Muster.
Auch am Schweizer Frankenmarkt sind Amazon und Alphabet in diesem Jahr mit grossvolumigen Transaktionen aufgetreten. Alphabet ging zudem einen ungewöhnlichen Schritt und platzierte eine seltene hundertjährige Anleihe in britischen Pfund.
Manuel Gadient, Leiter Debt Capital Markets und Syndicate Schweiz bei UBS, ordnet in der «Financial Times» die Auswirkungen auf den Frankenmarkt ein: Zwar habe die Hyperscaler-Emissionstätigkeit anfänglich zu einer Ausweitung der Spreads geführt, strukturell habe sich dies aber vor allem auf die Emissionspipeline und das Timing anderer Emittenten ausgewirkt – weniger auf die Credit Spreads selbst. Unternehmen, die eigentlich unmittelbar nach den Hyperscaler-Transaktionen an den Markt gehen wollten, hätten ihre eigenen Emissionen um ein bis zwei Wochen verschoben, so Gadient.
Wie gross die Frankentransaktionen der beiden Konzerne tatsächlich ausfielen, zeigt ein Blick auf die Details. Alphabet platzierte im Februar rund 3 Milliarden Schweizer Franken – nach Einschätzung von Marktbeobachtern die grösste je von einem Unternehmen im Schweizer Franken begebene Anleihe. Sie war Teil einer globalen Mehrwährungstransaktion, mit der sich Alphabet innert kurzer Zeit knapp 32 Milliarden US-Dollar über Dollar-, Sterling- und Frankenanleihen beschaffte.
Amazon folgte im Mai mit seinem Franken-Debüt: 2,82 Milliarden Schweizer Franken, verteilt auf sechs Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und 25 Jahren. Zusammen stehen von Alphabet und Amazon damit rund 6,26 Milliarden Schweizer Franken aus – gemäss einer Auswertung von Morningstar entspricht dies dem gesamten Volumen, das die beiden Konzerne 2026 in Euro- und Frankenanleihen begeben haben. Reuters zufolge zählt Alphabet inzwischen zu den zehn grössten Emittenten in den Schweizer-Franken-Unternehmensanleiheindizes, Amazon liegt auf Rang acht.
Für die Wahl des Frankens als Finanzierungswährung sprechen aus Sicht von Marktteilnehmern mehrere Faktoren. Zum einen erschliesst er eine zusätzliche, stabile institutionelle Investorenbasis mit traditionell hoher Aufnahmefähigkeit für Investment-Grade-Schuldner – darunter Anleger, die US-Technologie- und Kreditrisiken bislang nur begrenzt im Portfolio hielten. Zum anderen erlaubt der Frankenmarkt den Konzernen, ihre Emissionskurve über mehrere Währungen und Laufzeiten zu streuen.
Hinter der Attraktivität steht auch ein Finanzierungskalkül: Massgeblich für die Standortwahl ist nicht der Frankenkupon allein, sondern die sogenannten all-in funding costs nach Absicherung in US-Dollar. Über einen Cross-Currency-Swap können die Emittenten die Frankenerlöse in Dollar umwandeln und dadurch unter Umständen günstiger finanzieren als bei einer direkten Dollar-Emission. Wirtschaftlich handelt es sich bei vielen dieser Transaktionen deshalb weniger um eine echte operative Frankenfinanzierung als um eine synthetische Dollarfinanzierung mit Swap-Komponente. Der Vorteil hängt dabei von der Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und den USA, der Nachfrage nach Dollar-Liquidität im Swap-Markt, der gewählten Laufzeit sowie der Liquiditätsprämie im Frankenmarkt ab.
Für Schweizer Investoren wiederum bedeutet dies erstmals in grösserem Umfang Zugang zu hochgerateten globalen Technologiekonzernen – und einen Effekt, der sich als eine Art «domestic cash recycling» beschreiben lässt: Frankenkapital bleibt im heimischen Anleihemarkt investiert, obwohl der Schuldner aus den USA stammt.
Für den hiesigen Anleihemarkt lassen sich nach verschiedenen Medienberichten die Auswirkungen der Hyperscaler-Emissionen auf drei zentrale Effekte verdichten:
Der Franken dürfte für die Hyperscaler auch künftig keine dominante Finanzierungswährung wie der US-Dollar oder der Euro werden. Er kann sich aber als dauerhafte Ergänzungswährung etablieren. Dafür sprechen die hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Schuldnern, die begrenzte Markttiefe der Schweiz, die grosse Emissionen besonders sichtbar und wirkungsvoll macht, die Möglichkeit zur Diversifikation von Anlegerbasis und Laufzeiten, potenziell attraktive Cross-Currency-Finanzierungskonditionen sowie die Bereitschaft Schweizer Investoren, für globale Technologieexposure zusätzliches Kreditrisiko zu übernehmen.
Dagegen sprechen die begrenzte absolute Grösse des Marktes, das Risiko, dass einzelne Transaktionen den Markt übermässig dominieren, eine mögliche Sättigung bei weiteren Grosstransaktionen, steigende Anforderungen an die Risiko- und Indexsteuerung sowie die Gefahr, dass Schweizer Unternehmen aus dem Segment der langen Laufzeiten verdrängt werden.