Zwei Drittel der Pensionierten können Lebensstandard halten

Zwei Drittel der von Swiss Life befragten 65- bis 75-Jährigen aus der Deutsch- und Westschweiz sagen, dass sie sich heute mindestens gleich viel leisten können wie vor der Pensionierung. (Bild: Shutterstock.com/Darren Baker)
Zwei Drittel der von Swiss Life befragten 65- bis 75-Jährigen aus der Deutsch- und Westschweiz sagen, dass sie sich heute mindestens gleich viel leisten können wie vor der Pensionierung. (Bild: Shutterstock.com/Darren Baker)

Eine neue Swiss Life-Studie zeigt eine weitgehend positive Momentaufnahme zur aktuellen Leistungsfähigkeit der Schweizer Altersvorsorge: 80% der Personen im Rentenalter fühlen sich finanziell selbstbestimmt und Menschen dieser Altersgruppe schätzen ihre Situation generell besser ein als die restliche Bevölkerung.

23.06.2022, 16:27 Uhr

Redaktion: rem

Die Altersvorsorge in der Schweiz basiert auf der AHV, der beruflichen Vorsorge und dem privaten Alterssparen in der dritten Säule. "Der Verfassungsauftrag zum Dreisäulensystem lautet: Sicherung der Existenz und des bisherigen Lebensstandards. Doch inwiefern werden diese Ziele in der Realität erreicht? Unsere Studie hat verschiedene Aspekte zur Beantwortung dieser Frage beleuchtet und zeigt eine weitgehend positive Momentaufnahme zur Leistungsfähigkeit der Schweizer Altersvorsorge", sagt Markus Leibundgut, CEO Swiss Life Schweiz.

Mehr Sparer als Vermögensverzehrer

Mit der Pensionierung wird die AHV-Rente in den meisten Haushalten zur wichtigsten Einkommensquelle, gefolgt von den Renten der zweiten Säule. Die Leistungen der zweiten Säule haben im letzten Jahrzehnt an Bedeutung gewonnen: 2012 bezogen erst 66% der Pensionierten bis 69 bzw. 70 Jahre Gelder aus der beruflichen Vorsorge, 2019 waren es bereits 76%. Die Hälfte der pensionierten Steuerpflichtigen verfügt neben ihrem Renteneinkommen über Vermögenswerte von mehr als rund 300'000 CHF, wobei diese häufig an eine Immobilie gebunden sind. Doch Pensionierte verzehren diese Vermögen im Durchschnitt nicht, auch wenn die Sparquote im Rentenalter deutlich sinkt: "Nur etwa ein Fünftel der Menschen ab 65 lebt in Haushalten, die ihr Vermögen aufbrauchen. Etwas weniger als die Hälfte gibt so viel Geld aus, wie hereinkommt, und etwa ein Drittel legt weiterhin Geld auf die Seite", hält Studienautor Andreas Christen fest.

Mehr Ausgaben für Gesundheit, weniger für Mobilität und Restaurants

Mit der Pensionierung sinken in der Regel die Bruttoeinkommen. So verfügten laut der Studie zwischen 2015 und 2017 Paarhaushalte und Alleinstehende im Alter 65 bis 74 im Durchschnitt über etwa ein Drittel weniger Einkommen als diejenigen im Alter 50 bis 61. Der mit der Pensionierung einhergehende Einkommensrückgang wird allerdings zu einem grösseren Teil durch eine tiefere Sparquote und tiefere Abgaben für Sozialversicherungen und Steuern kompensiert. Für die übrigen Budgetposten geben 65- bis 74-jährige Paare und Alleinstehende insgesamt nur knapp ein Zehntel weniger aus als 50- bis 61-Jährige. Allerdings unterscheidet sich die Ausgabenstruktur erheblich: So sind die Gesundheitsausgaben inklusive Krankenkassenprämien im frühen Rentenalter durchschnittlich um ein Viertel bis ein Drittel höher. Konsumausgaben, die typischerweise auswärts anfallen – wie Restaurantbesuche oder für Mobilität –, liegen in der Altersgruppe 65 bis 74 insgesamt um etwa ein Fünftel tiefer als bei den 50- bis 61-Jährigen.

Die meisten können sich gleich viel leisten wie vor der Pensionierung

Zwei Drittel der von Swiss Life befragten 65- bis 75-Jährigen aus der Deutsch- und Westschweiz sagen, dass sie sich heute mindestens gleich viel leisten können wie vor der Pensionierung. Das andere Drittel schränkt sich am häufigsten in den Bereichen Reisen (75%), Restaurantbesuche (66%) sowie Bekleidung (62%) ein. Hätten Pensionierte pro Monat 500 CHF mehr zur Verfügung, würden sie diese Mittel am häufigsten für Reisen (50%), Sparen (29%), Verschenken (26%), Restaurantbesuche (19%) oder Kultur/Hobbys (18%) verwenden.

Finanzielle Zufriedenheit ist im Rentenalter höher als davor

73% der Personen ab 65 leben in einem Haushalt mit einer hohen finanziellen Zufriedenheit. Bei den unter 65-Jährigen beträgt dieser Wert nur 58%. Ganze 80% der von Swiss Life befragten über 65-Jährigen fühlen sich finanziell selbstbestimmt – so viele wie in keiner anderen Altersgruppe. Auch im westeuropäischen Vergleich stehen Pensionierte in der Schweiz gut da: Nur in Dänemark, Norwegen und Schweden sind Personen ab 65 finanziell zufriedener als in der Schweiz.

Hingegen leben hierzulande 19% der Menschen ab 65 in einem Haushalt, der nach eigener Einschätzung finanziell nur (eher bis sehr) schwer über die Runden kommt – wobei dieser Wert bei den unter 65-Jährigen mit 28% höher liegt. Im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen im Rentenalter leben insbesondere ausländische und alleinlebende geschiedene Pensionierte sowie solche mit obligatorischem Bildungsabschluss in einem Haushalt mit tieferer finanzieller Zufriedenheit.

Einigkeit zum Reformbedarf in der Altersvorsorge

"Der Verfassungsauftrag zur Sicherung des Lebensstandards wurde gemäss Selbsteinschätzung für zwei Drittel der von Swiss Life befragten 65- bis 75-Jährigen erreicht – und die anderen sind zur Hälfte trotzdem zufrieden mit ihrer finanziellen Situation", hält Studienautor Andreas Christen fest. Allerdings machen die Pensionierungswelle der letzten Baby-Boom-Jahrgänge, die steigende Lebenserwartung und das Kapitalmarktumfeld dem Altersvorsorgesystem zu schaffen.

Die positive Momentaufnahme der Swiss Life-Studie könne daher nicht einfach in die Zukunft übertragen werden: Damit die bisherige Leistungsfähigkeit des Dreisäulensystems auch für künftige Jahrgänge und Generationen erhalten bleibt, müsse dessen Finanzierung nachhaltig gesichert werden. Dafür brauche es dringend Reformen, ist ein weiterer Befund der Studie. So herrscht in der Bevölkerung gemäss der Befragung von Swiss Life zwar mehrheitlich die Meinung vor, dass das Vorsorgesystem aus finanziellen Gründen Reformen benötigt. Die Befragung zeigt aber auch, dass es in der Bevölkerung (noch) keinen Konsens darüber gibt, wie die Herausforderungen in der Altersvorsorge gelöst werden sollen.

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