25.09.2026, 07:29 Uhr
Die Anleihenmärkte fürchten keine Schuldenkrise, sondern weitere Zinserhöhungen. Für Ashok Bhatia, CIO und Global Head of Fixed Income bei Neuberger, hat das klare Folgen für die Portfolios: weniger...
Die US-Renditen steigen, und viele Portfolios sind stärker auf KI-Titel ausgerichtet, als Anleger meinen. Joe Amato, Präsident und Chief Investment Officer Equities bei Neuberger, rät deshalb zum Start ins vierte Quartal zu mehr Disziplin beim Risikomanagement. Einen Rückzug aus Aktien empfiehlt er nicht.
Risikoanlagen haben in den letzten Jahren viel eingebracht. Getragen wurde das von einer robusten US-Konjunktur, guten Gewinnaussichten und vor allem vom Ausbau der künstlichen Intelligenz. Die Kehrseite: Die Portfolios sind konzentrierter geworden. Laut Amato entfallen heute rund 25 bis 28 Prozent der US-Börsenkapitalisierung auf KI-Werte. Ihr Anteil am Gesamtrisiko liegt nach Schätzungen von Neuberger aber bei gut 50 Prozent.
«US-Portfolios und US-Aktien könnten wesentlich stärker von diesem einen Thema abhängen, als Anleger glauben», schreibt Amato in seinem aktuellen «CIO Weekly». Das gilt auch für asiatische Märkte wie Japan, Korea und Taiwan. Für eine tiefere Aktienquote spricht das aus seiner Sicht nicht. Anleger sollten aber wissen, wie gross ihr KI-Exposure tatsächlich ist und ob die übrigen Positionen noch genügend diversifizieren.
Noch dringlicher wird die Frage durch die Lage am Anleihenmarkt. Die Renditen zehn- und dreissigjähriger US-Staatsanleihen sind laut Amato auf den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gestiegen. Sie seien inzwischen so hoch, dass sie die Aktienbewertungen belasten könnten. Historisch gerieten Aktien oft unter Druck, wenn sich die zehnjährige US-Rendite der Marke von 5,5 Prozent näherte.
Kurse und Renditen sind aus ähnlichen Gründen gestiegen: stabile Konjunktur, technologiegetriebenes Wachstum und anhaltende Investitionen in KI-Infrastruktur. Damit hängen beide grossen Anlageklassen an denselben Treibern. Selbst Investment-Grade-Anleihen, die üblicherweise als Gegengewicht dienen, könnten sich zunehmend wie Aktien verhalten. Im klassischen 60/40-Portfolio würden dann beide Komponenten auf dieselben Faktoren reagieren. «Ein Portfolio, das früher als gut diversifiziert galt, ist es heute vielleicht nicht mehr», warnt Amato.
Ein schwächeres Technologiewachstum in den USA wäre kurzfristig ein Risiko. Längerfristig könnten massvollere Investitionen jedoch sogar helfen: Nähern sich Angebot und Nachfrage bei Rechenleistung, Halbleitern und Infrastruktur an, werden spekulative Übertreibungen und damit auch heftige Korrekturen unwahrscheinlicher.
Neuberger geht mit etwas mehr Vorsicht ins vierte Quartal, bleibt gegenüber Risikoanlagen aber grundsätzlich zuversichtlich. Höhere Langfristrenditen und die Aussicht auf eine etwas straffere Geldpolitik rechtfertigen einen leichten Risikoabbau, aber keine grundlegend andere Markteinschätzung. Gewinnausblick und US-Wirtschaft bleiben solide. Genau diese Stärke hat die Zinsen nach oben getrieben.
Für Amato ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Konzentrations- und Korrelationsrisiken zu überprüfen, und zwar bevor die nächste Korrektur kommt. Nach einer Rally dieses Ausmasses seien disziplinierte Umschichtungen und echte Diversifikation unumgänglich. Sein Fazit: «Portfoliokosmetik reicht nicht.»