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ETF-Bilanz April 2026: Korea-Aktien und Halbleiter dominieren

ETF-Monat war geprägt von erneut starken Zuflüssen (Bild: Adobe Stock)
ETF-Monat war geprägt von erneut starken Zuflüssen (Bild: Adobe Stock)

Ein Monat im Zeichen des AI-getriebenen Chip-Superzyklus: Sechs der zehn besten in der Schweiz erhältlichen ETFs entfielen im April auf Korea-Aktien, Halbleiter-Fonds führten das Performance-Ranking an. Parallel dazu kletterte das verwaltete Vermögen der europäischen ETF-Industrie auf einen neuen Rekordstand von 2'858 Milliarden Euro.

12.05.2026, 21:24 Uhr
Alternatives | ETF

Redaktion: asc

Der April 2026 hat sich aus Sicht von Schweizer ETF-Anlegern als einer der ergiebigsten Monate der jüngeren Vergangenheit erwiesen. Laut Morningstar-Daten führte der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF mit einem Monatsgewinn von 34,06 Prozent das Ranking an, dicht gefolgt vom Xtrackers MSCI Korea UCITS ETF mit 34,02 Prozent. Bemerkenswert ist die Konzentration der Spitzenplätze: Sechs der zehn renditestärksten Fonds gehörten zur Kategorie «Aktien Korea», die im April durchschnittlich 32,23 Prozent zulegte.

Hinter diesen Zahlen steht eine konzentrierte Story: der globale AI-Investitionszyklus. Der KOSPI verzeichnete laut FactSet-Daten den zweitstärksten Monatsgewinn seiner Geschichte – das beste Ergebnis seit Januar 1998, als der Index nach dem IWF-Rettungspaket nach oben schoss. Treiber der aktuellen Rally sind die beiden Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix, die zusammen rund 45 Prozent des MSCI-Korea-Index ausmachen. Beide profitieren von der strukturellen Knappheit bei High-Bandwidth-Memory-Chips für AI-Workloads. SK Hynix wies im ersten Quartal einen operativen Gewinn von 37,6 Billionen Won aus – ein Plus von 405,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Samsung Electronics meldete 57,2 Billionen Won, ein Anstieg von über 750 Prozent.

Bei den Kostenstrukturen sticht der Franklin FTSE Korea UCITS ETF mit einer TER von nur 0,09 Prozent und einem Fondsvolumen von 3,4 Milliarden Franken hervor. Der grösste Fonds des Rankings ist der VanEck Semiconductor UCITS ETF mit verwalteten Vermögen von 5 Milliarden Franken und einer Fünf-Sterne-Bewertung von Morningstar – als einziger Technologie-ETF mit Höchstnote.

Anleger sollten die Korea-Rally allerdings nicht mit breiter Schwellenländer-Diversifikation verwechseln. Darauf hat investrends.ch wiederholt auch in anderem Zusammenhang hingewiesen. Der MSCI Emerging Markets Asia Index schloss am 28. April auf einem Rekordhoch und legte im Monat 19,7 Prozent zu – getrieben fast ausschliesslich von drei asiatischen Chipherstellern: TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix. Die fünf grössten Titel im MSCI-EM-Index – die genannten drei plus Hon Hai Precision und Xiaomi – machen mittlerweile 32,4 Prozent des Gesamtindex aus. Wer über passive Vehikel «EM-Exposure» kauft, erwirbt faktisch eine konzentrierte Wette auf AI-Hardware.

Europäische ETF-Industrie auf Rekordkurs

Der monatliche «Lipper Monday Morning Memo» von Detlef Glow, Head of EMEA Research bei LSEG Lipper, zeigt eine intakte Rekordfahrt der europäischen ETF-Industrie. Das Gesamtvermögen stieg im April von 2'658,6 Milliarden Euro auf 2'858,4 Milliarden Euro – ein Plus von 199,8 Milliarden Euro. Davon entfielen 162,5 Milliarden auf die Marktperformance und 37,4 Milliarden auf Nettomittelzuflüsse.

Die Zuflüsse von 37,4 Milliarden Euro lagen deutlich über dem schwachen März-Wert von 10,5 Milliarden, blieben jedoch unter den Rekordmonaten Januar (48,2 Milliarden) und Februar (48,7 Milliarden). Dominierender Faktor waren erneut Aktien-ETFs mit Zuflüssen von 29,2 Milliarden Euro, gefolgt von Bond-ETFs mit 7,9 Milliarden. Geldmarkt-ETFs verzeichneten leichte Zuflüsse von 0,7 Milliarden, während Rohstoff-, Alternative- und Mixed-Asset-Produkte leichte Abflüsse meldeten.

Konzentration bei Klassifikationen und Anbietern

Die fünf grössten Lipper-Klassifikationen machen 58,49 Prozent des gesamten AUM aus: Equity U.S. (663,6 Milliarden Euro), Equity Global (547,8 Milliarden), Equity Europe (233,7 Milliarden), Equity Emerging Markets Global (159,4 Milliarden) und Equity Sector Information Technology (67,5 Milliarden). Ein vergleichbares Bild zeigt die Anbieterstruktur: iShares dominiert mit einem Marktanteil von 41,10 Prozent und 1'174,9 Milliarden Euro AUM, vor Amundi ETF (369,8 Milliarden) und Xtrackers (294,2 Milliarden). Die Top-10-Anbieter vereinen 92,10 Prozent aller europäischen ETF-Vermögen.

Bestseller des Monats war der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF mit Zuflüssen von 2,3 Milliarden Euro, gefolgt vom iShares MSCI ACWI UCITS ETF (1,6 Milliarden) und dem Invesco MSCI USA UCITS ETF (1,5 Milliarden) – ein klares Signal, dass Anleger trotz aller Themenrotationen weiter auf breit diversifizierte Welt- und US-Indizes setzen.

Makrokontext: Volatilität trotz Allzeithochs

Laut Glow prägten im April geopolitische Spannungen rund um den Iran-Konflikt sowie die handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, China und der EU das Marktumfeld. Sowohl Fed als auch EZB hielten an einer datenabhängigen Haltung fest. Dennoch markierten S&P 500, DAX und Nikkei 225 neue Allzeithochs – Ausdruck eines konstruktiven Grundsentiments, das von den robusten Q1-Gewinnen der grossen Tech- und Halbleiterkonzerne getragen wurde. Der PHLX-Halbleiterindex baute sein Jahresplus per Anfang Mai auf 62 Prozent aus.

Für Schweizer Anleger bleibt die Lehre aus dem April-Ranking ambivalent: Die spektakulären Renditen der Korea- und Halbleiter-ETFs sind real, doch sie spiegeln eine zunehmend enge Konzentration auf einen einzigen strukturellen Treiber – die globale AI-Infrastruktur. Diversifikation auf Indexebene ist nicht mehr automatisch gleichbedeutend mit Diversifikation auf Risikoebene.

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