Märkte von Italien-Wahl unbeeindruckt

Die politische Börse hatte in Italien diesmal ganz besonders kurze Beine, so die Experten der Deutschen AM. Trotz der Siege der italienischen Populisten herrschte schnell wieder Ruhe an den Märkten ein.

09.03.2018, 16:16 Uhr

Redaktion: jod

Am 4. März haben die Italiener populistischen Parteien zu einem stattlichen Sieg verholfen, auf Kosten der etablierten Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Parteien. Die Anti-Establishment-Fünf-Sterne-Bewegung und Rechtsaussen-Partei "Lega" schnitten gemeinsam um satte 9 Prozent besser ab als der unbereinigte Umfragedurchschnitt nahelegt hatte. In dem Deutsche AM-Ausblick zu den Parlamentswahlen hatten die Experten genau so ein Szenario als recht plausibel beschrieben, angesichts der geringen Treffsicherheit italienischer Umfragen in der Vergangenheit.

"Was sogar uns aber etwas überrascht hat war, wie schnell die Ruhe an den Märkten zurückkehrte", so die Deutsche AM. Die politische Börse hatte in Italien diesmal ganz besonders kurze Beine. Innerhalb der vergangenen dreissig Tage hat der italienische Aktienmarkt in etwa genauso abgeschnitten wie der europäische. Gleichzeitig ist der Renditeabstand italienischer Regierungsanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen bereits wieder geschrumpft. Sogar in Italien ging es an den Märkten in der vergangenen Woche mehr um die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und Protektionismus-Sorgen, die von den USA ausgingen, als um die Innenpolitik.

Das entspricht auch durchaus unseren Einschätzungen vor der italienischen Wahl und unserer Positionierung seither. Die italienische Wirtschaft entwickelt sich solide und auch bei den Unternehmensgewinnen sieht es gut aus. Die Aussichten auf endlose Koalitionsgespräche sind allein noch kein Grund, Italien negativ zu sehen. Sowohl die "Lega" als auch die Fünf-Sterne-Bewegung hatten bezüglich der Eurozonen-Mitgliedschaft Italiens ja schon vor der Wahl deutlich sanftere Töne angeschlagen. Und um wieviel die italienischen Staatschulden unter einer dieser beiden Parteien steigen könnten, muss sich auch erst zeigen.

Hinzu kommt ein weiterer Grund, der für Ruhe spricht. Im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte haben die italienischen Haushalte sukzessive ihre Bestände an italienischen Regierungsanleihen zurückgefahren, wie der nachfolgende Chart zeigt. Dank der Kaufprogramme der EZB befinden sich bereits 18 Prozent davon in Zentralbankhänden. Ausländische Anleger halten 35 und italienische Finanzdienstleister 41 Prozent. Auf sonstige italienische Anleger, wie etwa Haushalte, entfallen inzwischen nur noch 5 Prozent (Ende November 2017). Angesichts dieser Schuldenverteilung könnte die italienische Politik natürlich noch für Turbulenzen sorgen aber mehr für den Rest Europas als für Italien selbst. Um das alte Bonmot leicht abzuwandeln: "Wenn Sie unter der schwer tragbaren Last von 100.000 Euro Schulden stöhnen, dann haben Sie ein Problem. Aber wenn Sie erst einmal 2,2 Billionen Schulden haben, dann ist Ihr Problem vor allem eins für alle anderen." Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum wir nach wie vor daran glauben, dass es zu notwendigen Reformen der Institutionen der Eurozone kommen wird früher oder später. Natürlich haben das die italienischen Wähler nicht gerade leichter gemacht.

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