Zinsanstieg kommt diesmal Aktien entgegen

Nach China werden dieses Jahr die USA der stärkste Weltwirtschaftsmotor sein. (Bild: Shutterstock.com/Crocothery)
Nach China werden dieses Jahr die USA der stärkste Weltwirtschaftsmotor sein. (Bild: Shutterstock.com/Crocothery)

Trotz höheren Kapitalmarktzinsen besteht für Aktien wenig Gefahr. Solange der Zinsanstieg auf eine kräftige Konjunkturerholung und nicht auf eine restriktivere Notenbankpolitik zurückgeht, können die Aktienmärkte im Gegenteil daraus Nutzen ziehen. Die Wachstumserwartungen werden bestärkt. Die Bank Pictet bleibt vor diesem Hintergrund in Aktien übergewichtet.

03.03.2021, 16:20 Uhr

Redaktion: hf

Im Februar sind die langfristigen Zinsen in den entwickelten Industrieländern stark gestiegen. Im 10-jährigen Bereich zogen die Renditen innert Monatsfrist zwischen 20 und 50 Basispunkten an. Folglich verzeichneten die globalen Anleihenmärkte einen sehr schlechten Performancemonat, wobei die Kreditmärkte weniger Verluste auswiesen als die Staatsanleihen. Die Aktien widersetzen sich nach anfänglicher Schwäche diesem Einfluss und stiegen Ende des Monats, gefolgt von einer weiteren Steigerung zum Märzanfang.

Die aufgeräumte Stimmung ist besser als erwarteten Konjunkturnachrichten und guten Unternehmenszahlen zu verdanken. Value-Aktien und besonders Energie- und Finanzwerte waren die grossen Gewinner im Februar, während zinssensitive Growth-Titel wie die Versorger und Gesundheitswerte einen schwierigen Stand hatten. Aufgrund seiner defensiven Zusammensetzung war der Schweizer Aktienmarkt einer der schwächsten weltweit.

Nach China übernehmen die USA die Führung

Wie geht die Reise weiter? Die Antwort liefert die Konjunktur. Wie Anastassios Frangulidis, Leiter Multi Asset und Chefstratege Zürich der Bank Pictet in seiner monatlichen Übersicht festhält, hängt die globale Wirtschaftsentwicklung weiterhin stark von China ab. Er verdeutlicht das am Beispiel von Japan, dessen Exporte ins Reich der Mitte, das sich als erstes von Corona zu erholen begann, in den letzten zwölf Monate um sagenhafte 37,5% gestiegen sind.

Historisch hatten die USA jeweils einen neuen globalen Konjunkturzyklus eingeleitet. Obwohl dieses Mal China die erste Lokomotive war, sieht es gemäss Frangulidis seit neuerdings danach aus, als ob die Wachstumskräfte im Verlauf des Jahres in den USA am stärksten seien. Dabei spielen nicht nur die Fiskalpläne des neuen Präsidenten eine Rolle. In den letzten Monaten ist es bereits zu einem starken Anziehen der Konsumausgaben gekommen. "Die Einzelhandelsumsätze sind in der Zwischenzeit klar über dem Niveau von vor der Pandemie", konstatiert Frangulidis. Die amerikanischen Haushalte verfügten aufgrund der massiven staatlichen Finanzhilfen über mehr verfügbares Einkommen und eine höhere Sparquote als vor Corona.

Im Verlauf dieses Jahres werden diese Hilfen weiter zunehmen. Folglich sei es keine Überraschung, dass die grosse Mehrheit der Ökonomen ihre Wirtschaftsprognosen für die USA nach oben korrigiert haben und mittlerweile mit einem Wachstum von rund 6% für 2021 dieses Jahr rechnen.

Arbeitsmarkt hält Inflation in Schach

Eine so robuste Erholung der Konjunktur bleibt nicht ohne Einfluss auf die Inflation. Da Covid-19 die USA vor einem Jahr mit voller Wucht erfasst hatte und im letzten Frühling zu einem starken Inflationsrückgang führte, geht Pictet davon auszugehen, dass die gegenüber dem Vorjahreswert gemessene Inflationsrate in den nächsten Monaten auf über 3% steigen wird. Im weiteren Jahresverlauf sollte es aber zu einer Normalisierung in der Grössenordnung von 2% kommen. Das entspräche exakt dem Zielwert des Fed und würde nicht nach einer Verschärfung der Notenbankpolitik rufen.

Noch wichtiger als die kurzfristige Preisentwicklung ist für Chefstratege Frangulidis das mittelfristige Bild. Die Veränderung der Arbeitsmarktlage werde dabei entscheidend sein. Während sich unter Arbeitnehmern mit einem universitären Abschluss die Beschäftigungssituation weitgehend normalisiert hat, sei dies bei den übrigen Arbeitnehmern nicht der Fall. "Erst eine vollständige Normalisierung des Arbeitsmarkts wird zu einem stetigen Preisdruck führen. Das wird wahrscheinlich erst im Verlauf des Jahres 2022 passieren", glaubt er.

Anlagepolitik auf Aktien ausgerichtet

Trotz des Zinsanstieges in den vergangenen Wochen bleibt Pictet bei Aktien übergewichtet. Höhere Zinsen sind zwar aus einer Bewertungssicht negativ für die Aktienmärkte. Doch Frangulidis argumentiert: Solange dieser Anstieg durch eine starke konjunkturelle Entwicklung und nicht durch eine restriktivere Haltung der Notenbanken erklärt wird, ist er für die Aktienmärkte gut verkraftbar." Man denke, letzteres sei aktuell der Fall.

In ihrer Anlagepolitik erhöht Pictet weiter die Positionen in Substanztitel, besondere in Sektoren wie Banken und Unterhaltungsindustrie, die von der globalen Konjunkturerholung profitieren. Hinzu kommt ein Übergewicht in chinesischen Aktien sowie im Schweizer Mid- und Small-Caps-Markt. Bei den Obligationen besteht ein klares Untergewicht in Schweizer Anleihen, während sich der Fokus auf inflationsgeschützte und in chinesischen Anleihen richtet.

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