Risikofreude dürfte Weltwirtschaft in 2021 prägen

Chinas rasche Erholung dürfte laut Sébastien Galy von Nordea Asset Management einen globalen Aufschwung auslösen. (Bild: Shutterstock.com/StreetVJ)
Chinas rasche Erholung dürfte laut Sébastien Galy von Nordea Asset Management einen globalen Aufschwung auslösen. (Bild: Shutterstock.com/StreetVJ)

Angeführt von Chinas schneller Erholung dürfte sich die Weltwirtschaft 2021 laut Sébastien Galy von Nordea Asset Management in einem risikofreudigen Umfeld befinden. Investorinnen und Investoren sollten sich jedoch auch auf Phasen erhöhter Volatilität und niedrigerer Wachstumserwartungen einstellen.

27.11.2020, 15:10 Uhr

Redaktion: alm

Das Jahresende steht in nur wenigen Wochen vor der Tür. Pünktlich dazu wagt Sébastien Galy, Senior Macro Strategist bei Nordea Asset Management, einen Ausblick auf das Anlagejahr 2021. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf das Reich der Mitte, das der Welt in der Pandemiebewältigung voraus ist. Darüber hinaus ordnet er die erwarteten Entwicklungen in Europa und den USA ein.

China führt Aufschwung an

"China ist der globale Lichtblick, da sich die Wirtschaft stetig erholt und in einem sehr respektablen Tempo voranschreitet. Auch der Konsum dürfte sich kontinuierlich verbessern, während der Arbeitsmarkt anzieht", erklärt Galy. Die Nachfrage in China stütze bereits die Produktion in Deutschland, was auch dem Rest der Region Asien-Pazifik zugutekommen sollte.

In einer Zeit der zunehmenden Spannungen habe China jedoch einen Kurs der Importsubstitution in kritischen Branchen eingeschlagen. "Während dies zwar über einen Zeitraum von fünf Jahren gesehen eine wichtige Entwicklung ist, konzentrieren wir uns derzeit weiterhin auf den wirtschaftlichen Aufschwung", so Galy.

W-förmige Erholung in den USA

In den USA erwartet der Stratege unter Umständen eine W-förmige Erholung. Angesichts dieser Entwicklung sei es möglich, dass die Demokraten auf die Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar warten müssen, um ein beträchtliches finanzpolitisches Paket durchzubringen – und dies mit Schwierigkeiten, falls die Republikaner im Senat weiterhin die Mehrheit stellen werden.

"Darüber hinaus – und teilweise zur Finanzierung dieses Pakets – dürften die Steuern für diejenigen, die mindestens 200‘000 USD verdienen, etwas steigen. Gleichzeitig könnten die Kapitalgewinne etwas höher ausfallen, um ein wenig mehr im Einklang mit Lohn- und Gehaltseinkommen zu sein und nicht die Motivation zum Arbeiten zu dämpfen", erklärt Galy. Dies sollte dazu beitragen, eine umfassendere Krankenversicherung, Infrastruktur, den Erlass von Studentenkrediten sowie – zumindest theoretisch – einen 1,7 Bio. USD umfassenden Plan zu finanzieren, mit dem bis 2050 null Nettogasemissionen erreicht werden sollen.

Nord-Süd-Gefälle bei Europas Wachstum

Aktuell beobachtet Galy, wie sich das Wachstum in Europa durch Lockdowns in mehreren Ländern allmählich wieder verlangsamt. Ab Januar erwartet er jedoch, dass das Wachstum bereits wieder anziehen dürfte. "Der Konsens geht davon aus, dass sich die Volkswirtschaften insgesamt erholen werden. Dabei wird es aber wahrscheinlich eine gewisse Streuung geben, wobei der Norden überdurchschnittlich abschneidet. Die nordischen Volkswirtschaften dürften zum Beispiel um 3,5% wachsen", sagt Galy. Nichtsdestoweniger werde Europa wahrscheinlich in einem ordentlichen Tempo wachsen, da seine Volkswirtschaften derzeit weit unter ihrem Potenzial liegen.

Auswirkungen auf die Produktwahl

Basierend auf den erwarteten Entwicklungen in China, den USA und Europa geht Galy von einer Reihe von Auswirkungen auf die angemessene Produktauswahl aus. Chinas schnelle Erholung könne durch Engagements in den Schwellenländern oder durch bestimmte China-Positionen ausgedrückt werden. Von neuen Technologien wie Alibaba oder Ant erwartet er, dass sie etablierte Unternehmen mächtig durcheinander bringen dürften. Angesichts der Politik in Europa und den USA ist er zudem überzeugt, dass ESG ein langfristiger Trend ist und sich künftig mit hohem Tempo noch weiter ausbreiten dürfte.

Letztlich sei es wahrscheinlich, dass die Infrastruktur von den Staatsausgaben in Europa und den Vereinigten Staaten profitiere. "Hierbei handelt es sich um eine defensive Anlageklasse, die mit historischen Abschlägen mit hohem Engagement in langfristige Trends wie alternde Vermögenswerte, Dekarbonisierung und Datenwachstum handelt, was das Wachstumspotenzial dieser Anlageklasse weiter vorantreiben wird", erläutert Galy.

Flexible Investmentlösungen gefragt

Das Umfeld im kommenden Jahr dürfte Risikofreude weitgehend unterstützen, doch es gebe bereits Anzeichen für eine übermässig enge Preispolitik bei Investment-Grade-Anleihen. "Wir gehen davon aus, dass sich daraus phasenweise eine stärkere Volatilität ergibt, ebenso wie Phasen mit niedrigeren Wachstumserwartungen", so Galy. Daraus resultiere weiterhin die Empfehlung zu flexiblen Lösungen, die sich schnell an neue Umstände anpassen können.

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