Engagement für nachhaltige Bonds in Schwellenländern

Interview mit Thede Rüst, Head of Emerging Markets Debt bei Nordea Asset Management

Thede Rüst spricht über das Engagement für nachhaltige Bondanlagen in Schwellenmärkten und über die Grenzen der Einflussnahme bei Ländern wie Brasilien.

03.07.2020, 11:09 Uhr

Redaktion: cwe

Aktien von Schwellenmärkten nach nachhaltigen Kriterien auszuwählen, gehört heute schon fast zum Standard. Weniger verbreitet ist der ESG-Ansatz bisher im Fixed-Income-Universum. Da die Industrieländer viele industriellen Prozesse in den vergangenen Jahren in die Schwellenmärkte ausgelagert haben, wird die ESG-Betrachtung immer wichtiger. "Kapital- und karbonintensive Prozesse wie die Rohstoff- und Energiegewinnung finden vielfach in Schwellenländern statt", meint Thede Rüst, Head of Emerging Market Debt und Manger des Nordea 1 - Emerging Stars Bond Fund bei Nordea Asset Management im Interview.

Die potenziellen Kosten der Karbonemissionen einer Investition von einer Million Euro in den Emerging Market Bond Index würden über 18'000 Euro betragen, durch gezielte ESG-Investitionen ist der Fussabdruck einer Investition in den nachhaltig anlegenden Nordea 1 - Emerging Stars Bond Fund um 70% tiefer, wie Rüst ausführt.

Der hauptsächliche Unterschied zu Investments in Aktien besteht für Rüst darin, dass er nicht nur in Schulden von Unternehmen, sondern auch von Staaten investieren kann. Da ESG erst vor kurzem in das Segment der festverzinslichen Wertpapieren - insbesondere Staatsanleihen – Einzug genommen hat, gibt es keinen Standardansatz. "Wir haben unsere eigene ESG-Bewertungsmethode für Staatsanleihen, das zu einer numerischen Bewertung mit einem Rting von A bis C führt. Wir schliessen die Länder mit C-Rating aus unserem potenziellen Anlageuniversum aus, da wir der Ansicht sind, dass ihre ESG-Risiken zu hoch sind, um mittelfristig kompensiert werden zu können. Wenn wir in Emittenten mit B-Rating investieren, erwarten wir eine positive Dynamik für ESG-Faktoren."

Das ESG-Team nimmt wie bei den Unternehmen Einfluss, um auch Staaten zu verantwortlichem Handeln zu bewegen. "Das ist natürlich nicht so einfach wie bei Unternehmen, bei denen man das Management treffen und an den Jahresversammlungen abstimmen kann", meint Rüst, "deshalb erschliessen wir hier Neuland."

Ein Beispiel ist Brasilien, wo die Entwaldung des Amazonas-Regenwaldes 2019 auf ein 11-Jahres-Hoch angestiegen war – im ersten Teil dieses Jahres hatte sie sogar um weitere 34% zugenommen. Ende 2019 hat Nordea AM die Investitionen in brasilianische Staatsschulden gestoppt. Dies hat die Aufmerksamkeit sowohl der Regierungsbehörden als auch der Medien auf sich gezogen. Mittlerweile engagieren sich 29 Investoren in Brasilien, und die Massnahmen gewinnen zusehends an Dynamik. Das Engagement dauert an.

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