Mit Nachhaltigkeit und asiatischen Aktien zum Anlageerfolg

Die DWS macht bei der nachhaltigen Nutzung von Meeresressourcen attraktive Investmentgelegenheiten aus. (Bild: Shutterstock.com/Aerial-motion)
Die DWS macht bei der nachhaltigen Nutzung von Meeresressourcen attraktive Investmentgelegenheiten aus. (Bild: Shutterstock.com/Aerial-motion)

Für die kommenden Monate geht die DWS von einer zunehmenden, aber gemässigten Inflation aus. Die besten Renditeperspektiven seien in den asiatischen Aktienmärkten zu erwarten, aber auch die Blue Economy und digitales Lernen bieten gemäss dem Vermögensverwalter unterschätzte Chancen.

02.06.2021, 13:45 Uhr

Redaktion: alm

Für die kommenden Monate sieht die DWS mehr Chancen als Risiken für Investorinnen und Investoren. Inbesondere die asiatischen Schwellenländer, die gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen sind, gehören laut Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege des Vermögensverwalters, zu den aussichtsreichsten Anlageregionen. Zudem seien die Investmentchancen in der nachhaltigen Wirtschaft gross, da dort das Rendite-Risiko-Verhältnis besser ausfalle. Die Zentralbanken werden laut Kreuzkamp die Zinsen weiter niedrig halten: "Vor 2023 rechnen wir weder in den USA noch in Europa mit einer Änderung des Zinsniveaus."

Langfristig höhere Inflation erwartet

Angesichts der enormen staatlichen Unterstützung und dem hohen Impftempo in den USA erwartet Kreuzkamp im Jahr 2021 6,7% Wirtschaftswachstum. 2022 sollen es noch 5,2% sein. Die Eurozone könne mit 4,2% in 2021 und 4,6% in 2022 nicht ganz mithalten. Dank struktureller Reformen dürfte die Wirtschaft in den Schwellenländern 2021 um rund 6,2% und 2022 um 4,7% wachsen.

Mit Blick auf die Inflation sei im laufenden Jahr der Höhepunkt zu erwarten. Danach dürfte der Effekt der aufgestauten Nachfrage nachlassen und Lieferengpässe überwunden sein. Dennoch könnte sich die Inflation auf längere Sicht auf einem höheren Niveau einpendeln als bisher. "Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken bis mindestens Ende 2023 höhere Inflationszahlen tolerieren werden, auch weil dies hilft, mit der gestiegenen Verschuldung umzugehen. Die expansive Politik der Zentralbanken dürfte sich also erst einmal fortsetzen", erklärt Kreuzkamp. Insgesamt geht er aber nicht von einem sprunghaften, sondern von einem beständigen Anstieg der Inflation aus.

Grosse Anlagechancen in der Blue Economy

Im Bereich der nachhaltigen Wirtschaft ist gemäss Fondsmanager Paul Buchwitz insbesondere die Blue Economy interessant. Dazu zählen Unternehmen, die Meeresressourcen nachhaltig für wirtschaftliches Wachstum nutzen. "Das globale Bruttoinlandsprodukt der Blue Economy wurde von der OECD im Jahr 2010 auf 1,5 Billionen Dollar geschätzt und soll bis 2030 auf 3 Billionen Dollar anwachsen, wobei Industrien mit Ozeanbezug ein schnelleres Wachstum als der etablierten Wirtschaft vorhergesagt werden", so Buchwitz.

Doch trotz dieses enormen Potenzials sei das Ziel 14 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung – Leben unter Wasser – aktuell eines der am wenigsten beachteten. "Doch das dürfte sich dank eines steigenden Investoreninteresses sowie Rückenwind von regulatorischer Seite und der Politik bald ändern", meint der ESG-Experte. Investmentgelegenheiten macht er insbesondere im Bereich einer nachhaltigen Aquakultur, der Dekarbonisierung des maritimen Transports und bei der Vermeidung von Wasserverschmutzung aus. Letzteres lasse sich vor allem durch nachhaltige Verpackung und abbaubare Kunststoffe errreichen.

Rasantes Wachstum bei digitaler Bildung

Für Investorinnen und Investoren sei es zudem lohnenswert, einen Blick auf digitale Lernangebote zu werfen. Der Sektor erfuhr starken Schub durch die Covid-19-Pandemie. Doch auch künftig erwartet Buchwitz dank einer steigenden Anzahl Studierender in Brasilien, China und Indien sowie dank dem Fortbildungsbedarfs wegen des fortschreitenden technologischen Umbruchs eine hohe Wachstumsdynamik. Bereits 2025 dürften 15% der globalen Bildungsausgaben in digitales Lernen fliessen. 2020 waren es noch weniger als 5%.

"Auch wenn die Zukunftsaussichten bereits bei einigen Aktien eingepreist sein dürften, ist dies nicht bei allen der Fall. Wir finden nach wie vor attraktive und bisher kaum beachtete Investitionsgelegenheiten in diesem Sektor", so Buchwitz.

Asiatische Aktienmärkte mit den besten Renditeperspektiven

Mit einer erwarteten Gesamtrendite von 9% seien die asiatischen Schwellenländer im kommenden Jahr als auch langfristig die aussichtsreichste Anlageregion, so Sean Taylor, Chefanlagestratege Asien-Pazifik und globaler Aktienchef für Schwellenländer bei der DWS. "Insbesondere nordasiatische Staaten wie China, Taiwan und Südkorea sind sehr gut durch die Covid-19-Krise gekommen. Deshalb mussten sie weniger Schulden aufnehmen, was sich künftig positiv auswirken dürfte", erklärt der Experte.

Zudem räumte er mit häufigen Falscheinschätzungen asiatischer Länder und insbesondere China auf. Anders als oftmals geglaubt liege die Unternehmensverschuldung dort nämlich tiefer als in Europa oder den USA. Zudem sei es eher ein Vor- als Nachteil, dass die Wachstumserwartungen für China nicht mehr so hoch ausfielen wie früher. China setze auf qualitativ höherwertiges Wachstum, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf steige. "Und die jüngste Underperformance stellt eine sehr gute Gelegenheit dar, asiatische Aktien zuzukaufen. Denn nach der Pandemie dürften die asiatischen Wirtschaften wieder schnell wachsen", so Taylor.

Auf alternative Anlagen anstatt Staatsanleihen setzen

War es vor zehn Jahren noch möglich, mit 97% Anleihen und 3% Aktien eine Gesamtrendite (vor Inflation) von 3% zu erzielen – und das bei Schwankungen von ebenfalls nur 3% – brauche es heute dafür einen Aktienanteil von 78% und 22% Anleihen. Entsprechend sei das Risiko heute mit 11% beinahe viermal so hoch, rechnet Björn Jesch, Chefanlagestratege für EMEA und globaler Leiter Multi Asset und Solutions, vor. Grund seien die Tendenz zu steigenden Zinsen sowie die höheren Inflationserwartungen.

Eine Lösung böten alternative Anlagen wie börsenkotierte Immobilienaktiengesellschaften, Infrastrukturunternehmen, private Beteiligungen an Immobilien und Infrastrukturfremdkapital. Durch die Beimischung alternativer Anlagen sei es möglich, Wertverluste abzumildern und gleichzeitig von Wertsteigerungen zu profitieren. Mit einem Portfolio von 54% Aktien, 26% Anleihen und 20% alternativen Anlagen sei eine durchschnittliche Rendite von 3% bereits mit 9% möglich.

"Staatsanleihen sind derzeit das Risiko nicht wert, das mit ihnen verbunden ist", meint Jesch. Besser sei es, auf Unternehmensanleihen zu setzen, und zwar sowohl auf Investment-Grade- als auch auf Hochzinsanleihen.

Immobilien: Logistik und Wohnen in Fokus

Auch im Bereich der Immobilien habe Covid-19 seine Spuren hinterlassen und die Art verändert, wie Gebäude genutzt werden. Laut Anke Weinreich, Fondsmanagerin für Immobilien, habe die Pandemie habe vor allem den E-Commerce-Trend weiter beschleunigt: "Die zunehmende Nachfrage nach einer schnelleren Lieferung hat so genannte Last-Mile-Logistik-Immobilien zum Gewinner des Trends gemacht."

Doch auch der Wohnsektor wandle sich. Einerseits sei die Nachfrage nach grösseren Wohnungen wegen Homeoffice gestiegen, andererseits müsse Wohnraum erschwinglich und in gut angebundenen Lagen ausserhalb der Innenstadt liegen. Darauf basierend geht Weinreich davon aus, dass die Sektoren Logistik und Wohnen mit einer jährlichen Gesamtrendite von 8% in den nächsten fünf Jahren deutlich besser abschneiden werden als der breite Markt. Bei Büroimmobilien rechnet sie mit immerhin 6% jährlichen Renditen, bei Einzelhandelsimmobilien lediglichz mit 4%.

"Wir erwarten, dass Grossbritannien mit 8% und die USA mit 7% die globalen Immobilienmärkte auf Fünf-Jahressicht im Hinblick auf Total Returns anführen. Der deutsche Immobilienmarkt dürfte sich mit 5% etwas unter dem globalem Durchschnitt entwickeln, weist aber auch ein geringeres Risiko auf", so Weinreich.

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