Längster Wirtschaftsaufschwung in der Geschichte der USA

Die US-Konsumenten sind die treibende Kraft des Aufschwungs. (Bild: Yuganov Konstantin/Shutterstock.com)
Die US-Konsumenten sind die treibende Kraft des Aufschwungs. (Bild: Yuganov Konstantin/Shutterstock.com)

Die USA haben am Independence Day allen Grund zum Feiern: Seit 10 Jahren wächst die US-Wirtschaft. Anleger fragen sich, wie lange die Rally noch weitergehen kann. Christian Preussner von J.P. Morgan Asset Management gibt Antworten.

04.07.2019, 15:42 Uhr

Redaktion: rem

Wenn in den Vereinigten Staaten von Amerika heute mit dem Independence Day der Nationalfeiertag begangen wird, gibt es noch einen weiteren Grund zum Feiern: In diesen Tagen übertrifft der Wirtschaftsaufschwung den bisherigen Rekordwert und wird zur längsten Expansion, die es je in den USA gab. Viele Anleger fragen sich nun, ob der Rally nach zehn Jahren die Luft ausgeht.

Konsumenten als treibende Kraft

Diese Sorge kann Christian Preussner, Leiter Investment Specialists für US-Aktien bei J.P. Morgan Asset Management, entkräften: "Die USA sind nach wie vor die grösste Volkswirtschaft der Welt. Dank solidem Wirtschaftswachstum, der Arbeitslosigkeit auf Rekordtief, sowie einem förderlichen Umfeld für Unternehmen sollten die Aktienmärkte in den USA auch im elften Jahr weiter wachsen können. Insbesondere bei einer aktiven Titelselektion bietet die Anlageregion auch immer noch attraktive Investmentchancen.“

Laut Preussner sind die US-Konsumenten die treibende Kraft des Aufschwungs, da sie weiterhin von niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen profitieren. Auch die Unternehmensseite sieht der Experte positiv. "Zwar steigen die Kosten, was zu sinkenden Margen führt, aber dieser Effekt kann durch starke Umsatzzahlen ausgeglichen werden. Daher erwarten wir sowohl für 2019, als auch für 2020 ein positives Gewinnwachstum für US-Unternehmen. So deuten die Indikatoren derzeit nicht auf eine Rezession in den nächsten zwölf Monaten hin", sagt Preussner.

Chancen im Spätzyklus nutzen

Da der Zyklus allerdings schon sehr reif ist, müssen Anleger sich der Risiken durch eine potenzielle Inversion der Zinsstrukturkurve und geldpolitische Entscheidungen der Notenbank bewusst sein, wodurch es zu erhöhter Volatilität kommen kann. "Auf dem aktuellen Zinsniveau sind US-Aktien im Vergleich zu Anleihen nach wie vor attraktiver bewertet“, betont der Experte. So handeln US-Aktien derzeit mit einem Forward KGV für den S&P500-Index leicht unter dem 25-Jahres-Durchschnitt und mit einem Abschlag gegenüber US-Staatsanleihen.

Das Gewinnwachstum im S&P 500 schätzen die Analysten von J.P. Morgan Asset Management mit rund 4 Prozent für 2019 und rund 11 Prozent für 2020 ein, was ihre Erwartungen eines moderaten Wachstums der US-Wirtschaft widerspiegelt. "Während das anhaltende Gewinnwachstum die Aktienmärkte weiter beflügeln sollte, beobachten wir alle Risiken, die Gegenwind für US-Aktien liefern. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung der Handelsbeziehungen, Verschiebungen im globalen Wirtschaftswachstum und die Auswirkungen der Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Diese haben alle das Potenzial, die Volatilität zu erhöhen, wobei vor allem die Entwicklung im Handelsstreit für die Anlegerstimmung von besonderer Bedeutung ist und sicherlich noch weiter zur Unsicherheit beitragen wird“, unterstreicht Preussner.

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