Inflation: Der Vergleich hinkt

Thomas Heller von der Schwyzer Kantonalbank erwartet keine Hochinflationsphase. (Bild: zvg.)
Thomas Heller von der Schwyzer Kantonalbank erwartet keine Hochinflationsphase. (Bild: zvg.)

Die momentan erhöhte Inflation ist laut Kritikern nichts Neues. Sie bemängeln, dass die Teuerung nie verschwunden sei und in den Preisen von Vermögenswerten sehr wohl Inflation herrsche. Thomas Heller von der Schwyzer Kantonalbank stimmt zu, warnt allerdings vor einem Eins-zu-eins-Vergleich der beiden Inflationsmessungen.

06.08.2021, 14:36 Uhr

Redaktion: maw

Gebannt werden Konjunkturauguren und Finanzmarktakteure auf die nächste Woche anstehende Veröffentlichung der US-Inflationsdaten für den Monat Juli schauen. Erwartet werde erneut ein Wert von über 5%. Im Juni war die Teuerung bereits auf 5.4% gestiegen. Auch die Kerninflation, welche die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausschliesst, notierte im Juni bei hohen 4.5%. Werte von über 4% bei der Kerninflation gab es zuletzt vor 30 Jahren. Das wecke bei einigen ungute Erinnerungen an frühere Hochinflationsphasen, etwa in den 1970er und 1980er Jahren. Thomas Heller, CIO und Leiter Research denkt nicht, dass sich die Geschichte wiederholen wird. "Wir gehen davon aus, dass sich die Inflationsdynamik abschwächen wird, bevor ein inflationärer 'Schwungradeffekt' in Gang kommt."

Angesichts der derzeitigen Inflationsbefürchtungen gehe fast ein wenig vergessen, dass sich die Notenbanken bis vor kurzem Sorgen um das Gegenteil machten und krampfhaft versuchten, die in ihren Augen zu tiefe Teuerung auf die Zielgrösse von 2% anzuheben. Kritiker monieren allerdings schon lange, die Teuerung sei nie verschwunden, sie werde nur falsch gemessen. In den Preisen von Vermögenswerten herrsche sehr wohl Inflation – massgeblich angetrieben von der Liquiditätsschwemme der Notenbanken. Nur werde dies in den Konsumentenpreisindizes nicht widerspiegelt.

Kaum jemand werde der Behauptung widersprechen, dass die beispiellose Geldpolitik der letzten Jahre die Vermögenspreise befeuert habe. "Ein Vergleich oder gar ein Aufrechnen dieser 'Asset Price Inflation' mit der gebräuchlichen, am Konsumentenpreisindex gemessenen Teuerung hinkt allerdings", meint Thomas Heller. Letztere macht einen ärmer, man kann pro Franken immer weniger Brot kaufen. Die Asset Price Inflation macht einen reicher, sofern man Vermögenswerte, beispielsweise Aktien, besitzt. Wer nicht investiert sei, werde zumindest nicht ärmer – ausser man bedenke die steigenden Immobilienpreise, die tendenziell zu höheren Mieten führen. Bereits mit kleinen Beträgen können jedoch alle am Markt partizipieren. zum Beispiel mit einem Fondssparplan.

"Hat sich der Preis eines Fonds länger nicht bewegt – d.h. es gab keine Asset Price Inflation – und er liegt heute bei 100 Franken, bekommt man für 1'000 Franken zehn Fondsanteile", erklärt Thomas Heller. Habe er sich hingegen zuletzt auf aktuell 200 Franken verdoppelt – d.h. es gab eine Asset Price Inflation –, gebe es nur fünf Anteile. Entscheidend sei nun – Bewertungsfragen mal aussen vor gelassen – allein die künftige Wertentwicklung. "Wie viele Anteile man mit den 1'000 Franken hält, ist irrelevant. Man braucht zum Leben keine bestimmte Anzahl Fondsanteile, eine bestimmte Menge Brot hingegen schon", sagt Heller abschliessend.

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