Emerging Markets: Mit Engagement zu mehr Nachhaltigkeit

Die ESG-Risiken von Schwellenländeranleihen können durch Engagement reduziert werden. (Bild: Shutterstock.com/iurii)
Die ESG-Risiken von Schwellenländeranleihen können durch Engagement reduziert werden. (Bild: Shutterstock.com/iurii)

Schwellenmarktanleihen versprechen Investorinnen und Investoren attraktive Renditen, bergen aber auch ESG-Risiken. Thede Rüst von Nordea Asset Management zeigt auf, wie Emittenten durch Engagement zu positiven Veränderungen veranlasst werden können.

27.10.2020, 11:03 Uhr

Redaktion: alm

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld wird uns noch für eine begleiten und entsprechend mager fallen Investitionsrenditen in traditionelle Anlagen aus. Nicht so bei Schwellenländeranleihen. Im Bereich Emerging Market Debt (EMD) ortet Thede Rüst, Portfoliomanager des Nordea 1 – Emerging Stars Bond Fund, interessante Rendite- und Einkommensmöglichkeiten. "Anleger, denen der Nachhaltigkeitsaspekt wichtig ist, finden nun auch in dieser Anlageklasse Investitionsmöglichkeiten", erklärt der Experte.

ESG-Anleger können enorm viel CO2 einsparen

Untersuchungen von Nordea haben ergeben, dass man über einen Zeitraum von 42 Jahren 1,1 Tonnen CO2-Emissionen einsparen kann, wenn man das Duschen um zwei Minuten verkürzt. Nimmt man generell den Zug anstelle eines Autos, kann man 26,7 Tonnen einsparen. Ein internationaler Flug weniger pro Jahr kann ca. 18,9 Tonnen CO2-Emissionen, und der Verzehr von nur einem Stück Fleisch pro Woche – statt einem pro Tag – kann 35,7 Tonnen sparen. Das sind insgesamt 82,4 Tonnen CO2.

Schichtet man hingegen die Ersparnisse für den Ruhestand über eine Zeitspanne von 42 Jahren auf ESG-Anlagen um, können damit rund 2'222 Tonnen CO2 eingespart werden können. Das ist mehr als 27 mal so viel, wie die erwähnten Veränderungen des Lebensstils bewirken können.

ESG-Herausforderungen sind fester Bestandteil von Schwellenländeranleihen

Allerdings gibt es gemäss Thede Rüst immer ESG-Herausforderungen bei Investitionen in Schwellenmarktanleihen – seien es Governance-Probleme, ein Mangel an Demokratie oder Bedenken hinsichtlich des CO2-Fussabdrucks von energiehungrigen Schwellenländern.

Um vor diesem Hintergrund positive Veränderungen anzustossen, setzt Rüst insbesondere auf aktives Engagement: "Zunächst wirft dies die Frage auf, wie viel Einfluss in diesem Bereich möglich ist. Wir haben jedoch mit den höchsten Regierungsebenen in Brasilien einen unglaublich lohnenden Dialog über Green-Bond-Rahmenbedingungen geführt." Einige der brasilianischen Unternehmen hätten den Druck erkannt und nach innovativen Lösungen gesucht. "Beispielsweise hat das Papier- und Zellstoffunternehmen Suzano, in das wir investiert sind, eine interessante Struktur für die Emission von kohlenstoffgebundenen Anleihen entwickelt. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass Suzano einen höheren Coupon zahlen muss, wenn es seine Emissionen nicht reduziert."

Dennoch stellt er fest, dass erfolgreiches Engagement inbesondere im quasi-souveränen Raum erhebliche Schwierigkeiten bereiten kann, beispielsweise wenn bei der Problemlösung die Verantwortung zwischen dem Unternehmen und dem Staat hin und her geschoben wird. Solche Unternehmen, wie zum Beispiel der staatliche mexikanische Ölkonzern Pemex, fallen im Vergleich zu ihren Peers zurück. Um dem entgegenzuwirken und bei Emittenten kommerzielle Einstellungen zu entwickeln, arbeitet Nordea AM mit Initiativen wie Climate Action 100+.

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