Wachstumsunterschiede im Norden nehmen zu

Helge J. Pedersen, Chefökonom bei Nordea.
Helge J. Pedersen, Chefökonom bei Nordea.

Die nordeuropäischen Volkswirtschaften werden in den kommenden Jahren unterschiedlich stark wachsen. Zu dieser Einschätzung kommt der aktuelle „Economic Outlook“ von Nordea. Erwartet wird eine Wachstumsrate von durchschnittlich 0,8 Prozent in diesem Jahr sowie 1,6 Prozent in 2014 und 1,8 Prozent in 2015.

10.12.2013, 15:02 Uhr

Redaktion: dab

Im Vergleich zur Eurozone geht Nordea für Nordeuropa weiterhin von einer deutlich besseren Entwicklung aus. Die Wirtschaft der Eurozone wird im laufenden Jahr um voraussichtlich 0,4 Prozent schrumpft. In 2014 dürfte das Wachstum in der Eurozone bei lediglich 1 Prozent liegen, in 2015 bei 1,5 Prozent.

„Auch, wenn die nordeuropäischen Volkswirtschaften gegenüber Euroland generell gut da stehen, so gibt es untereinander jedoch starke Unterschiede“, sagt Nordeas Chefökonom Helge J. Pedersen. Dänemarks Wirtschaft gewinnt derzeit an Dynamik nach mehreren Krisenjahren am Wohnungsmarkt. Schweden wiederum profitiert vom Binnenkonsum. Zwar kämpfte das Land zuletzt mit schwächelnden Export-Märkten, mit der derzeit zunehmenden weltweiten Wirtschaftsaktivität ist jedoch Besserung in Sicht. Der einst so starken norwegischen Volkswirtschaft steht ein deutlich schwächeres Wachstum bevor, bedingt durch die sich verschlechternde Situation am Wohnungsmarkt. Auch Finnland ringt grundsätzlich mit grossen Wachstumsproblemen.

Angetrieben durch bessere Konjunkturaussichten im Ausland und eine allmählich steigende Binnennachfrage schaltet die dänische Wirtschaft einen Gang hoch. Nach Ansicht von Nordeas Volkswirten wird das Wirtschaftswachstum stark genug sein, um 2014 eine Wende am Arbeitsmarkt auszulösen. Der Wohnungsmarkt – in den vergangenen Jahren die Achillesferse der dänischen Wirtschaft – stabilisiert sich derzeit, und Eigenheimpreise dürften schrittweise steigen.

In diesem Jahr blieb in Schweden das Wirtschaftswachstum schwach. Der Binnenkonsum nahm zwar in angemessenem Tempo zu, doch vor allem aufgrund der Schwäche der europäischen Volkswirtschaften konnten sich die Exporte bislang nicht erholen. Die schwedische Wirtschaft wird im kommenden Jahr an Fahrt gewinnen, sobald die Exporte aufgrund der steigenden weltweiten Nachfrage wieder zum Wirtschaftswachstum des Landes beitragen. Im Wahljahr 2014 wird die schwedische Wirtschaft von einer expansiven Wirtschaftspolitik stimuliert, was vor allem den Privathaushalten zugutekommt. Mit ansteigender Produktion dürfte auch die Investitionstätigkeit erneut zunehmen.

Steigende Frühindikatoren und sich verbessernde weltweite Fundamentaldaten spiegeln sich noch nicht in den finnischen Wirtschaftsdaten wider, weshalb Nordeas Ökonomen ihre Vorhersage für Finnland deutlich zurückgenommen haben. Nach einem Schrumpfen der finnischen Wirtschaft im laufenden Jahr gehen die Experten jedoch von einer schrittweisen Expansion in den kommenden Jahren aus, insbesondere beim Export. Das geringe Binnenwachstum hat moderate Inflationsraten zur Folge sowie schwache Kennzahlen bei Beschäftigung, Konsum, Investitionen und den öffentlichen Finanzen. Steigenden Arbeitslosenzahlen wirkt der gleichzeitige Rückgang an Arbeitskräften entgegen.

Nordeas Wirtschaftsexperten korrigieren ihre im September getroffene Vorhersage zum Wirtschaftswachstum in Norwegen deutlich nach unten. Grund ist der sich abzeichnende Abschwung am Wohnungsmarkt. Sinkende Häuserpreise werden in den kommenden zwei Jahren zu einem starken Rückgang beim Wohnungsbau führen. Sinkende Häuserpreise, niedrigeres Einkommenswachstum und zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit dürften sich negativ auf den Konsum auswirken, der bereits in 2013 hinter den Erwartungen zurücklag. Der Abschwung dürfte jedoch durch zwei Zinssenkungen und einen möglichen substanziellen Anstieg der Einnahmen aus dem Ölgeschäft gemildert werden. Bei Erdölinvestitionen erwarten Nordeas Volkswirte neue Höchstwerte.


Weitere Informationen zum Economic Outlook Nordics finden Sie hier.

Alle Artikel anzeigen