Trotz Inflation kein Hypozins-Schock in Sicht

Auch wenn die Inflation pandemiebedingt zunimmt, sind stark steigende Hypothekarzinsen sehr unwahrscheinlich. (Bild: Shutterstock.com/Khongtham)
Auch wenn die Inflation pandemiebedingt zunimmt, sind stark steigende Hypothekarzinsen sehr unwahrscheinlich. (Bild: Shutterstock.com/Khongtham)

Inflationsängste trieben die Hypothekarzinsen vor allem im ersten Quartal 2021 an. Mittelfristig dürften sich die Inflationsraten um den Zielwert einpendeln. Davon profitieren laut Comparis auch Hypothekarnehmende.

15.07.2021, 14:19 Uhr

Redaktion: rem

Die Richtzinsen für eine zehnjährige Hypothek erreichten im März sowie im Mai 1,23% in der Spitze. Mittlerweile liegt der Satz bei 1,15% (Stand 14. Juli 2021). Zum Jahresbeginn lag der Wert noch bei rund 1%. Im Schnitt bewegten sich die Zinsen in diesem Jahr im Bereich 0,9% bis 1,2%. Bei den mittelfristigen Zinsen hingegen war die Aufwärtsbewegung deutlich langsamer. Fünfjährige Hypotheken haben sich binnen sechs Monaten gerade mal um 2 Basispunkte auf 0,92% (Stand: 14. Juli 2021) verteuert. Comparis erwartet für das laufende Jahr eine Bandbreite von 0,7% bis 1%.

Pandemiebedingtes Aufflackern der Inflation

Der Beginn des Auseinanderdriftens zwischen den Hypothekarzinsen mittel- und langfristiger Laufzeiten sei primär gestiegenen Inflationserwartungen geschuldet, stellt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp fest. Er erwartet, dass die Inflation im Jahresverlauf noch weiter steigt. Ursache seien unter anderem die staatlichen Hilfsprogramme für die Erholung der Wirtschaft, die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken sowie Lieferprobleme als Folge von Lücken in Produktionsketten.

Vor diesem Hintergrund sei mit einem leichten Aufwärtsdruck primär bei den lang laufenden Hypotheken zu rechnen. Die Comparis-Hypothekarzinsprognose für 2021 für zehnjährige Hypotheken werde deshalb von 0,9% bis 1,3%, von zuvor 0,9% bis 1,2% ausgeweitet. Die Richtzinsen fünfjähriger Hypotheken dürften sich weiterhin in einem Zinsband zwischen 0,7% und 1% bewegen.

Mittelfristig dürfte es aber keine anhaltende deutliche Erhöhung der Inflation geben, danach wird eine Abschwächung erwartet. Folglich sind laut dem Experten auch stark steigende Hypothekarzinsen sehr unwahrscheinlich.

Zinsschwankungen nutzen

Die Hypothekarzinsen orientieren sich jeweils an den Kapitalmarktzinsen. Sinken die Swap-Sätze, sinken auch die Hypothekarzinsen. Vermeintlich kleine Zinsdifferenzen wiegen laut Comparis auf Dauer schwer. Aufgerechnet auf eine Hypothek über 750’000 Franken liegt die Ersparnis bei einer um 20 Basispunkte (0,2%) günstigeren Hypothek bei 15’000 Franken für die gesamte Laufzeit.

Der Vergleich der Kapitalmarktzinsen mit den Richtzinsen für zehnjährige Hypotheken über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren zeigt, dass sich der Konkurrenzdruck unter den Hypothekaranbietern verschärft. Ende November 2015 lag der Swap-Satz (10 Jahre) ähnlich wie heute um 0%. Damals lag der Richtzins für eine zehnjährige Hypothek aber bei über 1,7% und nicht bei 1,15% (Stand 14. Juli 2021) (siehe Tabelle).
Die Tabelle zeigt eindrücklich: Hypothekarinstitute verzichten auf Marge, um Hypothekarvolumen zu gewinnen.

Hypothekarzinsentwicklung seit März 2021

Die Tabelle zeigt eindrücklich: Hypothekarinstitute verzichten auf Marge, um Hypothekarvolumen
zu gewinnen. Laut Comparis lancieren Hypothekargeber zudem regelmässig Zinsaktionen für bestimmte Laufzeiten. Die angebotenen Zinssätze liegen deutlich unter den Richtzinsen.
Die Tabelle zeigt eindrücklich: Hypothekarinstitute verzichten auf Marge, um Hypothekarvolumen zu gewinnen. Laut Comparis lancieren Hypothekargeber zudem regelmässig Zinsaktionen für bestimmte Laufzeiten. Die angebotenen Zinssätze liegen deutlich unter den Richtzinsen.
Alle Artikel anzeigen