Nachfolgeplanung fällt Family Offices immer noch schwer

Ohne Nachfolgeplanung bleiben die Stühle in den Family Offices bald leer. (shutterstock.com, pics721)
Ohne Nachfolgeplanung bleiben die Stühle in den Family Offices bald leer. (shutterstock.com, pics721)

UBS hat den Family Office Report 2019 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass über die Hälfte der befragten Family Offices einen Marktrückgang für das Jahr 2020 erwarten. Beim Thema Nachfolgeregelung findet mehr als ein Drittel, dass die nächste Generation noch zu jung sei.

25.09.2019, 05:00 Uhr

Autor: Lea Keller

55% der Family Offices gehen davon aus, dass bis 2020 ein Marktrückgang einsetzen wird. Das bedeutet, dass die Offices ihre Anlagestrategien unter anderem mehr auf minimierte Risiken (45%) oder die Erhöhung der Barreserven (42%) auslegen. Bei der Frage nach den Auswirkungen der globalen politischen und wirtschaftlichen Ereignisse, gaben knapp 90% der Befragten an, dass künstliche Intelligenz eine der grössten disruptiven Kräfteder nächsten Jahre sein wird. Auch die negativen Auswirkungen eines Brexits auf die Anlagen in Grossbritannien und Blockchain Technologien wurden als Herausforderungen der Zukunft genannt.

Nachhaltigkeit im Trend

Bei nachhaltigen Anlagestrategien lässt sich ein Aufwärtstrend ausmachen: Jedes dritte Family Office investiert heute nachhaltig, 19% des durchschnittlichen Family-Office-Portfolios sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Diese Zahl soll innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 32% steigen. Sara Ferrari, Head of Global Family Office Group bei UBS, sagt: "Wir haben gesehen, dass sich Family Offices in den letzten 12 Monaten viel stärker in die Diskussionen über Nachhaltigkeit und Impact-Investments eingebracht haben. Dies wird nicht mehr als Nebenprojekt oder Beschäftigung der nächsten Generation angesehen, sondern als eine Priorität für die Familie als Ganzes."

Nicht nur das Bewusstsein zu Nachhaltigkeit hat zugenommen, auch die Anzahl Familien, die eine Nachfolgeplanung erstellt haben, ist gestiegen. Hatten im letzten Jahr nur gerade 43% eine Übergabeplanung, sind es 2019 immerhin etwas über die Hälfte (54%). Die wichtigste Herausforderung für die Familien ist dabei vor allem die Diskussion darüber. Es herrscht grosses Unbehagen, das Thema Nachfolge anzusprechen.

Mangelndes Vertrauen in die nächste Generation

Ausserdem findet ein Grossteil der zurzeit Verantwortlichen, dass die nächste Generation noch zu jung sei, um die Verantwortung zu übernehmen (36%) oder dass sie nicht qualifiziert genug sei, das Vermögen zu verwalten (31%). Gemäss UBS verwalten die befragten Family Offices ein durchschnittliches Vermögen von je 917 Mio. US-Dollar. Die Verantwortung für solche Summen zu übertragen, fällt immer noch schwer.

Nicht nur die Jungen können ein Hindernis bei der Planung sein, auch geht rund ein Drittel der Befragten davon aus, dass die Matriarchin / der Patriarch die Kontrolle über das Vermögen nicht abgeben wird. Obwohl noch immer viel Misstrauen gegenüber der nächsten Generation herrscht und es noch viel Potenzial bei der Zukunftsplanung gibt, ist Ferrari zuversichtlich: "Es ist ermutigend, eine starke Zunahme der Nachfolgeplanung zu sehen. Dies ist ein Thema, das wir unseren Kunden seit einiger Zeit raten, zu priorisieren. Es ist nicht einfach, das richtig aufzugleisen. Die Nachfolge umfasst oft eine Reihe komplexer Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Unternehmen, Investitionen und Familienbeziehungen."

Die Studie wurde von UBS in Zusammenarbeit mit Campden Wealth Research mit 360 Family Offices auf der ganzen Welt durchgeführt.

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