25.05.2026, 06:48 Uhr
Die AZEK und die Asset Management Association Switzerland (AMAS) bringen ein gemeinsames Weiterbildungsangebot an den Start: das «AZEK Private Markets Certificate». Der praxisorientierte Lehrgang umfasst sechs Tage...
KI liefert Geschwindigkeit, Datenbreite und Disziplin – der Mensch bringt Kontext, Urteilsvermögen und Verantwortung. Für Karsten-Dirk Steffens, CEO und Country Head von Aberdeen Investments Schweiz, liegt die Zukunft des Asset Managements deshalb nicht im «Entweder-oder», sondern im intelligenten Zusammenspiel beider.
«Die Diskussion wird teils hitzig geführt und tendiert dazu, stark zu polarisieren. Fluch oder Segen. Und ja, wenn ich heute, nach nun gut und gern 25 Jahren Tätigkeit in dieser Branche, auf das Asset Management schaue, beschleicht mich das Gefühl, dass wir tatsächlich an einem echten Wendepunkt stehen. Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht mehr nur ein Buzzword oder ein Thema für Quant-Fonds – sie beginnt, die gesamte Wertschöpfungskette zu verändern.
Was mich besonders beeindruckt, ist die enorme Effizienzsteigerung. KI kann in Sekunden Datenmengen analysieren, für die ein Mensch Tage oder Wochen bräuchte. Sie erkennt Muster, Korrelationen und Trends, die uns sonst schlicht entgehen würden. Gerade im Research führt das dazu, dass Investmentideen schneller entstehen und fundierter hinterlegt werden. Gleichzeitig lassen sich Prozesse automatisieren – von der Compliance bis zum Reporting – was Zeit schafft für das, was eigentlich zählt: den Dialog mit Kunden.
Auch in der Kundenbetreuung eröffnet KI neue Möglichkeiten. Individualisierte Portfolios, personalisierte Reports oder gar automatisierte Beratung sind heute Realität. Das macht Asset Management skalierbarer und demokratisiert in gewisser Weise den Zugang zu künftigen Investmentlösungen.
Und dennoch: Je stärker ich mich mit dem Thema beschäftige, desto klarer werden auch die Grenzen. KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Schlechte oder verzerrte Daten führen zu falschen oder verzerrten Ergebnissen – und oft merkt man es eben nicht sofort.
Ein weiterer Punkt: KI kann zwar Muster aus der Vergangenheit erkennen – aber keine echten Brüche vorhersehen. Auch die KI ist keine Kristallkugel der Hellseher: In Krisensituationen, geopolitischen Umbrüchen oder strukturellen Marktveränderungen stösst sie an ihre Grenzen. Genau dort also, wo letztlich Erfahrung, Intuition und ein gewisses Bauchgefühl gefragt sind. Studien zeigen zudem, dass KI-getriebene Strategien teilweise höhere Volatilität aufweisen können und nicht zwangsläufig zu besserer Performance führen.
Für mich liegt die Wahrheit deshalb in der Kombination: nicht 'entweder oder', sondern 'sowohl als auch'. KI ist kein Ersatz für den Portfolio-Manager, Investmentanalysten oder uns an der Front im direkten Austausch mit unserer Kundschaft, sondern ein extrem leistungsfähiges Werkzeug, das man zu nutzen und zu bändigen wissen muss.
Der Maximalnutzen entsteht dort, wo Mensch und Maschine zusammenarbeiten: Die KI liefert Geschwindigkeit, Datenbreite und Disziplin – der Mensch bringt Kontext, Verantwortung, Urteilsvermögen und eben seine eigene Individualität ein. Aus meiner Sicht wird auch in ferner Zukunft ein guter Relationship Manager immer noch von substanzieller Bedeutung sein. Ein echter Zuhörer. Jemand, der die Ziele, Sorgen und Zwischentöne des Kunden versteht – und der komplexe Themen in klare, relevante Lösungen übersetzt. Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit, Transparenz und Präsenz.
Am Ende geht es nicht um Produkte, sondern darum, ein langfristiger Sparringspartner zu sein. Ich glaube, der Wettbewerb im Asset Management wird sich nicht daran entscheiden, wer die beste KI hat – sondern wer sie am intelligentesten einsetzt.»