Investrends.ch-Umfrage: Klare Mehrheit glaubt UBS-Fusionsgerüchten nicht

Die zwei Grossbanken am Paradeplatz vereinen sich wohl nicht. (Bild: Shutterstock.com/Olga P Galkina)
Die zwei Grossbanken am Paradeplatz vereinen sich wohl nicht. (Bild: Shutterstock.com/Olga P Galkina)

Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer schenken den Fusiongerüchten rund um die UBS keinen Glauben. Die grösste Schweizer Bank nahm zwar keine Stellung zum Rumoren im Blätterwald, doch der scheidende UBS-CEO Sergio Ermotti sagte kürzlich in einem Interview mit der NZZ, dass die Bank aus eigener Kraft bestehen könne.

28.10.2020, 16:59 Uhr

Redaktion: rem

Während Wochen kursierten in den Medien Gerüchte um Fusionspläne der UBS mit einer anderen Grossbank. Vom Zusammengehen der UBS mit Credit Suisse war die Rede, aber auch von noch deutlich grösseren Brocken wie der Deutschen Bank oder BNP Paribas. Etliche Kommentare wiesen darauf hin, dass in den letzten Jahren der Aktienkurs der Grossbank dahindümpelte und die Gewinn- und Ertragskraft trotz deutlich mehr verwalteten Vermögen und einer geschrumpften Bilanzsumme stagnierte. Deshalb brauche es einen Befreiungsschlag.

Zu Übernahmen und Fusionen kommt es in allen Wirtschaftsbereichen

Die UBS selbst äusserte sich nicht zu diesen Gerüchten. In einem jüngst erschienenen Interview in der NZZ mit dem scheidenden CEO Sergio Ermotti sagte dieser auf die Frage hin, ob er für eine solche Fusion zu haben gewesen wäre, dass die UBS aus eigener Kraft bestehen könne. Aber Verwaltungsrat und Geschäftsleitung müssten sich ständig Szenarien überlegen, wie ihr Unternehmen wachsen könne und wie sich die eigene Position verändern würde, wenn sich Wettbewerber zusammentun. Zu Übernahmen und Fusionen komme es in allen Wirtschaftsbereichen und wieso das im Banking nicht der Fall sein sollte. Ermotti erachtet es als offensichtlich, dass das europäische Bankensystem unter grossen Überkapazitäten leidet und viel zu fragmentiert ist. Es gebe eben nicht nur "too big to fail", sondern auch "too small to compete" oder "too small to survive", sagte er.

Die NZZ-Journalisten Peter A. Fischer und Ermes Gallarotti drehten auch den Spiess um und fragten, ob denn eine Schweizer Grossbank wegen der niedrigen Marktkapitalisierung zu einem Übernahmeziel werden könnten. Das sei nicht unmöglich, aber auch nicht so einfach, antwortete Ermotti. Aber klar, ausschliessen könne man das nicht. Letztlich gebe es nicht viele Banken, die finanziell in der Lage wären, eine UBS zu übernehmen. Die UBS sei im Vergleich mit anderen Banken hoch bewertet. Und im Übrigen sei es regulatorisch schwierig, wenn zum Beispiel eine amerikanische Bank zuschlagen würde. Zum anderen wäre mit negativen Synergien zu rechnen, denn der Verlust der Swissness würde sich mit Sicherheit negativ auf das Kerngeschäft Vermögensverwaltung auswirken.

Nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird

Es scheint also, dass diese Fusionsgerüchte nicht abwegig sind, aber nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Zumal die UBS in den letzten Monaten digitale Plattform-Projekte wie etwa "key4" (investrends.ch berichtete) im Sinne eines Ökosystems vorangetrieben hat und Partnerschaften eingegangen ist. In der zunehmend digitaliserten Bankenwelt dürfte eine offene Architektur mit Schnittstellen zu dynamischen Fintech-Unternehmen und Kooperationen mit passenden Plattform-Partnern auch zielführender sein als ein schwerfälliger Tanker, der im Hinblick auf Synergien nur schwer manövrierbar ist.

Die grosse Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der investrends.ch-Umfrage machten sich wohl ähnliche Gedanken dazu: 70,6% gegenüber 29,4% fanden, es komme nicht zu einer Fusion der UBS mit einer anderen Grossbank.

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