"Gold ist eine Währung, keine Ware"

Silber ist über 170% von seinem Allzeithoch entfernt, Gold nur knapp 30%. (Bild: Konstantin Inozemtsev/shutterstock.com)
Silber ist über 170% von seinem Allzeithoch entfernt, Gold nur knapp 30%. (Bild: Konstantin Inozemtsev/shutterstock.com)

Fondsmanager von Merian Global Investors gaben an einer Konferenz in Zürich vertiefte Einblicke in ihre Investmentbereiche – von Schwellenländer- und europäischen Aktien über Coco-Bonds bis hin zum Merian Gold und Silber Fund.

30.10.2019, 14:19 Uhr

Autor: René Maier

Vor der Verlangsamung der globalen Wirtschaft müsse man keine Angst haben. Gerade Unternehmen in den Emerging Markets seien eigentlich untergewichtet, hätten also noch Luft nach oben, sagte Nick Payne, Portfolio Manager und Head of Emerging Markets bei Merian Global Investors, zu Beginn einer Investorenkonferenz Mitte Oktober in Zürich.

Payne erläuterte, wie er und sein Team mit dem Merian Global Emerging Markets Fund langfristig in preiswerte Aktien qualitativ hochwertiger Unternehmen investieren, die im Laufe der Zeit auch aussergewöhnliche, nachhaltige Renditen erzielen. Aus einem Universum von rund 30'000 Aktien selektioniert der Fonds schlussendlich 30 bis 40 Titel für das Portfolio. Der Erfolg liege auch darin, an Titeln festzuhalten, meinte Payne. Der grösste Fehler sei, eine stark wachsende Aktie zu früh zu verkaufen.

Nach den Ausführungen von Nick Payne präsentierte Huw Davies den Approach des Merian Financials Contingent Capital Fund und erklärte, warum er und sein Team finden, dass Cocos (Contingent Convertible Bonds) einen Platz in vielen Portfolios verdienen und warum jetzt eine gute Gelegenheit sei, in diese Instrumente zu investieren.

Gold als Stabilitätsfaktor

Anschliessend an die folgende Präsentation des Strategen Justin Wells umriss Chris Mahoney die Strategie des Merian Gold & Silver Fund. "Gold ist eine Währung, nicht eine Ware", betonte der Assistant Manager des Fonds. "Denn Gold wird bereits seit Jahrtausenden als Währung verwendet - und das wird sicherlich noch lange so bleiben."

Er verwies dabei auf die teils sehr grossen Reserven, die Zentralbanken in Gold halten. Die Vorstellung, dass das Edelmetall bei ihnen nur eine untergeordnete Rolle spiele, entspreche nicht der Realität. In den letzten 12 Monaten hätten die Notenbanken verschiedener Länder Gold im Wert von mehreren Milliarden Dollar gekauft. "Und wenn man den Anteil des Goldes als Prozentsatz der von den Zentralbanken gehaltenen Gesamtreserven betrachtet, macht er immer noch einen bedeutenden Anteil aus: rund 77% in den Vereinigten Staaten, 73% in Deutschland, 66% in Italien und 62% in Frankreich." Betrachte man zudem die Zentralbanken der G20-Mitgliedsländer, dann erreiche der Goldanteil durchschnittlich einen Fünftel (über 20%) der gesamten von ihnen gehaltenen Reserven. "Dies ist nicht verwunderlich, da Gold ein Faktor der Stabilität im Vergleich zu Fremdwährungsanlagen ist", so Mahoney.

Für Zentralbanken, sehr Vermögende und zwei Drittel der Weltbevölkerung sei Gold eine Kern-Anlageklasse. Studien zeigten, dass 2 bis 5% Gold als fixe Allokation optimal für Diversifikationszwecke in einem Portfolio seien. In diesem Jahr ist das gelbe Edelmetall bisher auch besonders renditeträchtig: Seit Anfang 2019 hat der Goldpreis um fast 18% zugelegt (29. Oktober 2019).

Realzinsen als Haupttreiber des Goldpreises

Den Haupttreiber sieht Mahoney in den Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich der Inflationsrate), da zwischen Inflation und Goldpreis ein indirekter Zusammenhang bestehe und eine höhere Inflation zu einem höheren Goldpreis führe. Und da die Inflation derzeit flach und stabil ist, sei die jüngste Erholung des Goldpreises auf die Entwicklung der Nominalzinsen zurückzuführen. Infolge der Leitzinssenkung durch die US-Notenbank Fed sind auch die Realzinsen im Kontext der flachen Inflation gesunken. Und wenn die Realzinsen sinken, werden Bargeld, Depots und die meisten verzinslichen Wertpapiere weniger attraktiv. Im Gegensatz zu Fiat-Währungen behalte Gold aber seine Kaufkraft über die Zeit, erklärte Mahoney.

Ganz ähnlich wie mit Gold verhält es sich mit Silber, das in diesem Jahr rund 17% zugelegt hat. Im Vergleich zu Gold ist Silber aber immer noch historisch günstig. Das Gold/Silber-Verhältnis (das die relativen Preise von Gold und Silber misst) liegt derzeit bei 85 und damit deutlich über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre von 64. Am 18. Oktober, dem Tag der Investorenkonferenz in Zürich, lag Silber 178% von seinem Allzeithoch entfernt, während Gold nur 28% entfernt war. Da besteht also noch deutliches Aufholpotenzial.

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