"Der globale IPO-Markt läuft sich warm"

Nach einem kalten Start in das Jahr, hat sich der globale IPO-Markt langsam aufgewärmt. (Bild: Pixabay)
Nach einem kalten Start in das Jahr, hat sich der globale IPO-Markt langsam aufgewärmt. (Bild: Pixabay)

Heute geht Aluflexpack an die Schweizer Börse. Wie der IPO-Barometer von EY zeigt, startete der globale IPO-Markt schwach ins 2019 und erholte sich erst im zweiten Quartal, nicht zuletzt durch weitere Schweizer Börsengänge wie dem von Stadler Rail.

28.06.2019, 10:18 Uhr

Redaktion: sif

Der weltweite Markt für Börsengänge ist trotz einer relativ niedrigen Marktvolatilität, positiver Zeichnungsgewinne und einer guten Entwicklung der grossen Aktienindizes ausserordentlich schwach ins Jahr gestartet. Das zweite Quartal 2019 brachte eine Erholung: Wurden in den ersten drei Monaten des Jahres nur 205 Börsengänge gezählt, die gerade einmal 15 Milliarden US-Dollar einbrachten, stieg die Zahl der IPOs im zweiten Quartal auf 302, und das Emissionsvolumen legte dank einiger IPOs von Technologie-Startups sowie Grosskonzernen sogar auf 57 Milliarden US-Dollar zu.

Die mit Abstand grösste Transaktion war der Börsengang des US-Fahrdienstvermittlers Uber mit einem Emissionsvolumen von 8,1 Milliarden US-Dollar, gefolgt vom IPO des US-Laborzulieferers Avantor (3,3 Milliarden US-Dollar) und dem italienischen Technologieunternehmen Nexi (2,3 Milliarden US Dollar). Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY für das zweite Quartal 2019 (Download PDF auf Englisch).

"Der weltweite IPO-Markt ist dabei, sich nach dem ausserordentlich schwachen Start ins Jahr 2019 warmzulaufen", beobachtet Jolanda Dolente, Leiterin Financial Accounting Advisory Services bei EY in der Schweiz. "Im ersten Quartal hatten noch Konjunktursorgen, eskalierende Handelskonflikte und das Brexit-Chaos dafür gesorgt, dass viele potenzielle IPO-Kandidaten ihre Pläne wieder in der Schublade verschwinden liessen. Im zweiten Quartal verbesserte sich das Umfeld für Börsengänge leicht; zum einen hat sich die Brexit-Thematik vorübergehend entspannt, zum anderen haben sich die Konjunkturaussichten nicht so stark eingetrübt wie befürchtet."

USA als Treiber, grosser Börsengang in der Schweiz

Als Motor des weltweiten IPO-Marktes im zweiten Quartal 2019 erwiesen sich die USA, wo bei 66 Transaktionen insgesamt 27 Milliarden US-Dollar eingesammelt wurden. In China brachten 72 IPOs insgesamt 11,3 Milliarden US-Dollar ein, in Europa waren es 12,5 Milliarden US-Dollar bei 48 Börsengängen. "In Europa sehen wir einen deutlichen Aufwärtstrend. Die Zahl der IPOs hat sich im Vergleich zum ersten Quartal verdoppelt und einige Grosstransaktionen haben dafür gesorgt, dass sich das Emissionsvolumen sogar mehr als verdreissigfacht hat", so Dolente.

Einer dieser grossen Börsengänge des zweiten Quartals gelang dabei auch dem Thurgauer Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail. Mit einem Volumen von rund 1,53 Milliarden Schweizer Franken war es der weltweit siebtgrösste Börsengang in diesem Zeitraum (und der viertgrösste in Europa). Die Tessiner Medizintechnikfirma Medacta wiederum löste mit ihrem IPO im April rund 589 Millionen Schweizer Franken. Der Börsengang des Aargauer Verpackungsherstellers Aluflexpack findet heute, am 28. Juni, statt.

Ausblick: Stärkeres zweites Halbjahr erwartet

Unter der Bedingung, dass sich die weltweiten Handelskonflikte nicht weiter zuspitzen und geopolitische Schocks ausbleiben, rechnet IPO-Expertin Jolanda Dolente von EY Schweiz mit einer weiteren Verbesserung der Lage auf dem weltweiten IPO-Markt und auch mit weiteren Börsengängen in der Schweiz bis Ende Jahr. In den USA sorgen vor allem Technologie-Start-ups und Unternehmen aus der Gesundheitsbranche für eine starke Dynamik auf dem IPO-Markt – obendrein entwickeln sich die Kurse der Börsenneulinge gut, was für positive Stimmung unter Investoren sorge. Auch vom chinesischen Markt dürften wieder Wachstumsimpulse kommen. Allerdings sei der Brexit weiterhin ein kaum kalkulierbarer Unsicherheitsfaktor, warnt sie: "Das Brexit-Thema kommt im Herbst erneut auf uns zu und könnte die Stimmung erheblich beeinträchtigen."

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