Digitales Gold: Studie sieht Potenzial von 700 Milliarden US-Dollar

Digitales Gold hat laut der Studie von World Gold Council (WGC) und die Boston Consulting Group (BCG) starkes Potenzial (Bild: Shutterstock)
Digitales Gold hat laut der Studie von World Gold Council (WGC) und die Boston Consulting Group (BCG) starkes Potenzial (Bild: Shutterstock)

Der Markt für digitales Gold ist heute 45 bis 55 Milliarden US-Dollar gross. Eine Studie des World Gold Council und der Boston Consulting Group sieht eine latente Nachfrage, die bis zu 700 Milliarden US-Dollar umfassen könnte. Was fehlt, sind Vertrauen, Zugang und gemeinsame Standards.

20.10.2026, 07:51 Uhr
Asset Management

Redaktion: asc

Das Interesse der Anleger ist da, aber die Infrastruktur fehlt noch. So fasst die neue Studie «Digital Gold: Unlocking a US$700bn Opportunity» den Markt zusammen. Der World Gold Council (WGC) und die Boston Consulting Group (BCG) haben sie an der Money20/20 USA vorgestellt. Fast neun von zehn befragten Privatanlegerinnen und Privatanlegern würden in digitales Gold investieren, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Die 700 Milliarden US-Dollar sind keine Marktprognose. Sie stehen für die gesamte latente Nachfrage, die frei würde, wenn die heutigen Hürden wegfallen. Konkreter ist das Basisszenario: Für die nächsten fünf Jahre erwarten die Autoren ein jährliches Wachstum von rund 27 Prozent. Bis 2031 käme der Markt damit auf 160 bis 170 Milliarden US-Dollar. Fallen die Hürden schneller, wären 270 bis 280 Milliarden US-Dollar möglich.

Tokenisiertes Gold legt kräftig zu

Ein Teil der Entwicklung ist bereits sichtbar. Der digitale Goldmarkt besteht aus zwei Segmenten: digital verwahrtem Gold («Vaulted Digital Gold») und tokenisiertem Gold. Der Marktwert von tokenisiertem Gold hat sich seit Ende 2024 verfünffacht, auf rund 6 Milliarden US-Dollar. Das kumulierte Spot-Handelsvolumen lag im ersten Quartal 2026 bei über 90 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als im ganzen Jahr 2025.

Vier Hürden bremsen die Nachfrage

Laut Studie fehlt es nicht am Interesse. Bremsend wirken vier Faktoren: Vertrauen, Zugang, Nutzungsmöglichkeiten und Kosten. Am wichtigsten ist das Vertrauen. Die Befragten wünschen sich einen stärkeren Anlegerschutz, transparente Nachweise über die physische Deckung, einfache Rückgabemöglichkeiten und klarere regulatorische Rahmenbedingungen.

Wie stark der Zugang zählt, zeigt Asien. In China, Indien und Indonesien gibt es digitales Gold über Super-Apps, Zahlungsplattformen und Banking-Apps, also über Kanäle, die die Leute ohnehin nutzen. Dort besitzen bis zu siebenmal mehr Anleger digitales Gold als in weniger entwickelten Märkten.

Einstieg in den Goldmarkt

Für die Goldbranche ist ein Befund besonders wichtig: Digitales Gold schafft neue Nachfrage und verlagert nicht nur die bestehende. Rund 65 Prozent der latenten Nachfrage entfallen auf Personen, die heute kein Gold besitzen. Von den heutigen Anlegern in digitales Gold hatten 52 Prozent vor ihrem ersten digitalen Kauf nie Gold besessen. 92 Prozent davon haben seither auch andere Goldformen gekauft.

Die Studie rechnet auch Verschiebungen zwischen bestehenden Goldprodukten heraus. Selbst dann bleibt im Basisszenario bis 2031 eine zusätzliche Goldnachfrage von rund 95 Milliarden US-Dollar. Getragen wird sie vor allem von Jüngeren: Bei den 25- bis 34-Jährigen kennt die Hälfte digitales Gold, bei den über 55-Jährigen sind es 23 Prozent.

«Gold as a Service» als Infrastruktur

Der WGC will den Markt mit einer eigenen Initiative erschliessen. «Das grosse Interesse der Anlegerinnen und Anleger an digitalem Gold ist offensichtlich. Damit sich dieses Interesse jedoch in eine breite Nachfrage übersetzen lässt, braucht es die entsprechende Infrastruktur», sagt WGC-CEO David Tait. Die Initiative «Gold as a Service» befindet sich im Aufbau. Sie soll Emittenten Beschaffung, Verwahrung und Compliance als gemeinsame Infrastruktur anbieten. Damit sollen regulatorisch konforme Produkte schneller auf den Markt kommen. Tait betont aber: «Infrastruktur allein reicht nicht aus. Um einen liquiden und vertrauenswürdigen Markt zu schaffen, muss die gesamte Branche gemeinsame Standards etablieren. Nur so können Anlegerinnen und Anleger darauf vertrauen, was sie kaufen.»

Urs Rahne, Managing Director und Partner bei BCG, sieht das physische Metall als Stärke: Gold habe das Potenzial, «zum glaubwürdigsten digitalen Vermögenswert der Welt zu werden – nicht trotz seiner physischen Beschaffenheit, sondern gerade wegen ihr».

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