Bitcoin durchbricht 70'000-US-Dollar-Marke – Treasury-Entscheid löst grösste Short-Liquidationswelle der Geschichte aus

Der Kryptomarkt hat eine starke Woche hinter sich. Was sind die Gründe? (Bild: Adobe Stock)
Der Kryptomarkt hat eine starke Woche hinter sich. Was sind die Gründe? (Bild: Adobe Stock)

Der Kryptomarkt hat eine aussergewöhnlich starke Woche hinter sich. Bitcoin ist am Mittwoch und Donnerstag zeitweise um bis zu zehn Prozent gestiegen und hat damit erstmals seit Anfang Juni wieder die Marke von 70'000 US-Dollar überschritten. Auch Ethereum, XRP und Solana verzeichneten kräftige Kursgewinne.

21.08.2026, 07:20 Uhr

Redaktion: asc

Matt Mena, Senior Strategist bei 21Shares, sieht für den starken Anstieg der Kryptowährungen mehrere Gründe: die Ankündigung des US-Finanzministeriums, seine Unterstützung für länger laufende US-Staatsanleihen auszuweiten, den dadurch ausgelösten Druck auf Short-Seller sowie die anhaltende Nachfrage nach US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Gehen wir den einzelnen Punkten nach: Ein Auslöser war demnach die Entscheidung des US-Finanzministeriums, die von Marktbeobachtern als stille Form quantitativer Lockerung gedeutet wird. Was ist passiert? Am 19. August 2026 kündigte das US-Finanzministerium an, seine Liquiditätsunterstützung durch Rückkäufe längerfristiger Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren mindestens zu verdoppeln – von 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation.

Die neuen Volumen gelten vom 9. September bis zum 4. November 2026, wobei die Zahl der Operationen im Long-End-Segment ebenfalls von zwei auf vier pro Quartal steigt. Hintergrund des Fed-Aktivismus war ein starker Anstieg der langfristigen Renditen: Die 30-jährige US-Staatsanleihe hatte am Dienstag mit 5,337 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht, bevor die Rendite nach der Ankündigung auf 5,189 Prozent zurückfiel.

Der Markt interpretierte den Schritt des Fed dennoch als liquiditätsförderndes Signal, das den US-Dollar tendenziell schwächt und knappe, inflationsresistente Vermögenswerte wie Bitcoin begünstigt. Neben Bitcoin profitierten in der Folge auch Aktien und Gold von den sinkenden Renditen und der Aussicht auf lockerere Finanzierungsbedingungen.

Rekordverdächtige Short-Liquidationswelle

Die anfängliche Kursbewegung wurde durch eine massive Eindeckung von Short-Positionen verstärkt. Über 24 Stunden wurden gemäss CoinGlass rund 2,99 Milliarden US-Dollar an Kryptopositionen liquidiert, davon rund 2,74 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen, wobei Bitcoin und Ether den grössten Anteil der Zwangsliquidationen ausmachten. Insgesamt wurden dabei rund 110'000 Positionen zwangsliquidiert, melden verschiedene Medien.

Von der Rally profitierten nicht nur Bitcoin, sondern der gesamte Kryptomarkt. Ethereum kletterte um 18 Prozent auf über 2250 US-Dollar, XRP gewann mehr als 10 Prozent und näherte sich wieder der Marke von 1,10 US-Dollar, während auch Solana über 10 Prozent zulegte. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen stieg um 7,8 Prozent auf 2,45 Billionen US-Dollar.

ETF-Nachfrage als struktureller Treiber

Der dritte Faktor, der den neuerlichen Aufschwung begünstigte, ist laut der 21Shares-Analystin die ETF-Nachfrage. Tatsächlich verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs starke Zuflüsse – rund 1 Milliarde US-Dollar allein in den ersten beiden Augustwochen.

Ehrlicherweise muss man gestehen, dass diese Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs bereits vor der Treasury-Ankündigung angefangen hatten. Allein am 17. und 18. August verzeichneten die Produkte kombinierte Nettozuflüsse von 487 Millionen US-Dollar, wobei BlackRocks IBIT am 18. August 143,6 Millionen US-Dollar einsammelte – ein Hinweis darauf, dass sich institutionelle Anleger bereits vor der eigentlichen Rally positionierten. Marktbeobachter werten dies als Zeichen dafür, dass es sich nicht um kurzfristige spekulative Zuflüsse handelt, sondern um eine strukturelle Nachfrage regulierter Anleger.

Ausblick bleibt uneinheitlich

Wie nachhaltig der neuerliche Schub ist, bleibt offen. Sicher ist, dass die Treasury-Massnahme zunächst nur bis zum 4. November 2026 läuft, und eine Fortsetzung des grösseren Rückkaufvolumens ist nicht garantiert. Zudem verringert das Programm die Gesamtverschuldung des Bundes nicht, da jeder für den Rückkauf langfristiger Anleihen eingesetzte Dollar über neue kurzfristige Schuldtitel finanziert wird.

Auch die Short-Liquidationswelle war ihrer Natur nach ein einmaliges Ereignis – die bereits liquidierten Positionen können nicht ein zweites Mal liquidiert werden, und künftige Treasury-Ankündigungen träfen auf eine veränderte Positionierung im Derivatemarkt.

Dennoch sorgt der Kurssprung für neuen Optimismus: Angesichts einer Bundesverschuldung von über 40 Billionen US-Dollar deuten Analysten die Treasury-Massnahme als Rückkehr zu einer expansiveren Geldpolitik – historisch ein Katalysator für Bitcoin als Absicherung gegen staatliche Eingriffe – und Standard Chartered rechnet bis Ende 2026 mit einem Bitcoin-Kurs von bis zu 100'000 US-Dollar.

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