Werbung

Bitcoin nähert sich 80'000 US-Dollar – bester August seit 2017

Der Kryptomarkt hat eine starke Woche hinter sich. Was sind die Gründe? (Bild: Adobe Stock)
Der Kryptomarkt hat eine starke Woche hinter sich. Was sind die Gründe? (Bild: Adobe Stock)

Der Kryptomarkt hat eine der stärksten Wochen seit Jahren hinter sich – und der Schwung hält an. Bitcoin ist von rund 62'800 US-Dollar vor einer Woche auf zuletzt gegen 79'000 US-Dollar gestiegen und markierte damit ein Wochenplus von rund 23,5 Prozent, das beste seit März 2023. Auch Ethereum, XRP und Solana verzeichneten kräftige Kursgewinne

25.08.2026, 07:53 Uhr

Redaktion: asc

Am Montag kletterte der Kurs in asiatischen Handelsstunden zeitweise bis knapp an die Marke von 80'000 US-Dollar heran – der höchste Stand seit Mai –, bevor er sich nach Handelsbeginn in Nordamerika wieder auf rund 78'700 bis 79'000 US-Dollar zurückbildete. Auf Monatssicht steht damit ein Plus von rund 20 Prozent seit dem Tief bei 64'928 US-Dollar am 24. Juli zu Buche. Auch Ethereum, XRP und Solana verzeichneten kräftige Kursgewinne in der vergangenen Woche. Auslöser der Rallye war eine Entscheidung des US-Finanzministeriums, die von Marktbeobachtern als stille Form quantitativer Lockerung gedeutet wird – seither kamen politische und makroökonomische Faktoren hinzu, die den Trend zusätzlich befeuerten.

Auslöser der Rally war eine Entscheidung des US-Finanzministeriums, die von Marktbeobachtern als stille Form quantitativer Lockerung gedeutet wird – übers Wochenende kamen politische und makroökonomische Faktoren hinzu, die den Trend zusätzlich befeuerten. Matt Mena, Senior Strategist bei 21Shares, sieht dafür mehrere Gründe: die Ankündigung des US-Finanzministeriums, seine Unterstützung für länger laufende US-Staatsanleihen auszuweiten, den dadurch ausgelösten Druck auf Short-Seller sowie die anhaltende Nachfrage nach US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Treasury verdoppelt Anleihen-Rückkäufe

Am 19. August 2026 kündigte das US-Finanzministerium an, seine Liquiditätsunterstützung durch Rückkäufe längerfristiger Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren mindestens zu verdoppeln – von 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation. Die neuen Volumen gelten vom 9. September bis zum 4. November 2026, wobei die Zahl der Operationen im Long-End-Segment ebenfalls von zwei auf vier pro Quartal steigt. Hintergrund war ein starker Anstieg der langfristigen Renditen: Die 30-jährige US-Staatsanleihe hatte am Dienstag mit 5,337 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht, bevor die Rendite nach der Ankündigung auf 5,189 Prozent zurückfiel.

Der Markt interpretierte den Schritt als liquiditätsförderndes Signal, das den US-Dollar tendenziell schwächt und knappe, inflationsresistente Vermögenswerte wie Bitcoin begünstigt. Neben Bitcoin profitierten auch Aktien und Gold von den sinkenden Renditen und der Aussicht auf lockerere Finanzierungsbedingungen.

Rekordverdächtige Short-Liquidationswelle

Die anfängliche Kursbewegung wurde durch eine massive Eindeckung von Short-Positionen verstärkt. Über 24 Stunden wurden gemäss CoinGlass rund 2,99 Milliarden US-Dollar an Kryptopositionen liquidiert, davon rund 2,74 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen, wobei Bitcoin und Ether den grössten Anteil der Zwangsliquidationen ausmachten. Insgesamt wurden dabei rund 110'000 Positionen zwangsliquidiert. Über die gesamte Woche summierten sich die liquidierten bearishen Kryptowetten laut Fortune auf über 4 Milliarden US-Dollar.

Die Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs hatten bereits vor der Treasury-Ankündigung angezogen. Allein am 17. und 18. August verzeichneten die Produkte kombinierte Nettozuflüsse von 487 Millionen US-Dollar, wobei BlackRocks IBIT am 18. August 143,6 Millionen US-Dollar einsammelte – ein Hinweis darauf, dass sich institutionelle Anleger bereits vor der eigentlichen Rallye positionierten. Marktbeobachter werten dies als Zeichen dafür, dass es sich nicht um kurzfristige spekulative Zuflüsse handelt, sondern um eine strukturelle Nachfrage regulierter Anleger.

Wochenende: Washington und Makro-Sorgen befeuern den Trend zusätzlich

Übers Wochenende kamen weitere Treiber hinzu, welche die Rallye stützten. Coinbase-CEO Brian Armstrong traf sich am Dienstag privat mit Präsident Trump im Weissen Haus – ein Termin, der nicht auf dem öffentlichen Kalender stand –, worauf Trump die Banken auf Truth Social aufforderte, «einen guten Deal mit der Krypto-Industrie» abzuschliessen, und erklärte, der CLARITY Act werde von den Banken «bedroht und untergraben». An den Prognosemärkten von Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act 2026 zum Gesetz wird, mittlerweile auf 71 Prozent taxiert.

Gleichzeitig rückten fiskalische Sorgen in den Fokus. Die US-Bundesschuld überschritt die Marke von 40 Billionen US-Dollar, während der Dollar-Index (DXY) um 0,9 Prozent auf ein Dreimonatstief unter 98,65 Punkte fiel und die zehnjährige Breakeven-Inflationsrate auf 2,34 Prozent stieg – den höchsten Stand seit Mitte Juni. Marktteilnehmer werteten dies als Bestätigung, dass die Regierung zur Bewältigung der Refinanzierungsrisiken auf eine Politik der Geldentwertung setzt, was Kapital in nicht-staatliche «Bearer-Assets» wie Bitcoin umlenkte.

Ausblick bleibt uneinheitlich

Wie nachhaltig der Schub ist, bleibt offen. Die Treasury-Massnahme läuft zunächst nur bis zum 4. November 2026, und eine Fortsetzung des grösseren Rückkaufvolumens ist nicht garantiert; zudem verringert das Programm die Gesamtverschuldung des Bundes nicht, da jeder für den Rückkauf langfristiger Anleihen eingesetzte Dollar über neue kurzfristige Schuldtitel finanziert wird. Auch die erste Short-Liquidationswelle war ihrer Natur nach ein einmaliges Ereignis. Chartanalysten sehen den nächsten nennenswerten Widerstand bei rund 78'500 US-Dollar, während einige Marktbeobachter bereits einen Test der Marke von 80'000 US-Dollar ins Auge fassen, sollte der Kaufdruck anhalten. Standard Chartered hat sein bisheriges Kursziel von 100'000 US-Dollar per Ende 2026 inzwischen als möglicherweise zu konservativ bezeichnet. Dennoch bleibt die Bandbreite der Prognosen für den Jahresschluss gross, und die jüngste Volatilität – von rund 60'000 auf über 77'000 US-Dollar innerhalb von weniger als drei Wochen – unterstreicht die Risiken für Anlegerinnen und Anleger, die auf eine nachhaltige Fortsetzung der Rally setzen.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung